Unser Umwelttipp
28.01.2026 RegionHaareis – ein kleines Winterwunder: Wer derzeit aufmerksam durch heimische Laubwälder spaziert, kann ein bizarres Naturphänomen entdecken: das Haareis. Was auf den ersten Blick wie weisse Haarbüschel oder feine Zuckerwatte aussieht, die direkt aus morschem Holz wächst, ist ein faszinierendes Zusammenspiel von Biologie und Physik. Hinter den hauchdünnen Eisfäden steckt der Stoffwechsel eines Winterpilzes (mit wissenschaftlichem Namen Exidiopsis effusa). Dieser im Totholz lebende Pilz erzeugt Gase, die das Wasser im Holz durch die Poren nach aussen drücken. Bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt und hoher Luftfeuchtigkeit gefriert das Wasser sofort und wird durch nachströmende Flüssigkeit zu filigranen Haaren in die Länge geschoben. Das Phänomen ist flüchtig und aktuell besonders gut zu beobachten, da es frostige, aber schneefreie Tage benötigt. Um es selbst zu finden, sollte man in einem totholzreichen Wald nach rindenlosen Ästen von Buchen oder Haseln Ausschau halten. Aber Vorsicht: Die zerbrechlichen Kunstwerke schmelzen schon bei der kleinsten Berührung.

