Baar feiert seinen Bundesrat
26.03.2025 GesellschaftMit einem riesigen Festumzug, der regionalen und nationalen Politelite, tausenden von Zuschauenden und einem grossartigen Fest wurde der neu gewählte Bundesrat Martin Pfister gefeiert! Es war ein Fest wie aus dem Bilderbuch.
RAHEL HEGGLIN / INGRID HIERONYMI
Die Strassen entlang der Umzugsroute waren gesäumt von winkenden, rufenden, klatschenden und Fähnchen schwingenden Menschen. Sie alle waren am Donnerstagnachmittag gekommen, um den ersten Baarer Bundesrat in seiner Heimatgemeinde zu empfangen.
Kutsche für den Bundesrat
Nachdem der Extrazug aus Bundesbern um 14.15 Uhr im Bahnhof Baar eingefahren, die Gäste über den roten Teppich gelaufen waren, formierte sich der Festumzug. Angeführt von den Baarer Tambouren, gefolgt von einer Delegation aus National- und Ständerat, den Personen aus den Bundesparlamentsdiensten, -gerichten und der -verwaltung, kündigte die Feldmusik Allenwinden den «Haupt-Act» an: die Kutsche mit dem neu gewählten Bundesrat Martin Pfister, seiner Ehefrau Cacilda, der abtretenden Bundesrätin Viola Amherd sowie Bundeskanzler Viktor Rossi. Pfister winkte, klatschte Hände ab und zeigte sich freudestrahlend der Menge.
Unterhaltsame Ansprachen
Die Fahrt in der Kutsche endete auf dem Platz vor dem Schwesternhaus, wo sich die Treppe hervorragend als Bühne für die Festredner eignete. Den Auftakt machte der Baarer Gemeindepräsident Walter Lipp. Er zeigte, dass er nicht nur ein guter Redner ist, sondern auch Potenzial als Entertainer hätte. So wies er nach jeder Pointe mit dem Hinweis: «Applaus!» die Menge an, jetzt zu klatschen. Was diese wiederum lachend goutierte. Sein mitgebrachtes Präsent sorgte ebenfalls für Lacher, nicht nur beim Publikum, sondern auch bei Pfister selbst. Lipp überreichte ihm ein Paar der blau-gelben Baarer Socken mit dem aufgedruckten Schul-Motto «unverwechselbaar». Diese überreichte er mit den Worten: «Falls es in Bern oder im VBS mal kühl zu und her geht, kannst du dich damit wärmen. Denn mit warmen Füssen lässt sich besser ein kühler Kopf bewahren.»
Auch Landammann Andreas Hostettler bewies in seiner Ansprache Humor und reflektierte die Bundesratswahl vom 12. März wie einen Krimi. Als Titel diente ihm etwa: Mitte vs. Mitte, Altstätten vs. Allenwinden oder Ritter vs. Pfister. Der Krimi endete glücklicherweise nicht tödlich, sondern mit einem Happy End für den Zuger. Und dieser durfte kurz darauf selbst ans Rednerpult, flankiert vom Bundesweibel.
Dank ans Volk
Pfister erinnerte sich an das erste Gespräch mit seiner Logopädin aus der 1. Klasse. Diese sagte ihm damals: «Wenn du einmal Bundesrat werden willst, musst du zu mir kommen.»
Er habe sich damals mit den Worten: «Ich will nicht Bundesrat werden, und ich komme nicht zu Ihnen», gegen den Logopädie-Unterricht gewehrt. Schlussendlich musste er sich aber fügen, und so stehe er nun als Bundesrat hier. Pfister zeigte sich auch dankbar dem Volk gegenüber, welches ihm diesen Empfang bereitete: «Ich bin gerührt, mir kommen die Tränen, wenn ich euch sehe. Herzlichen Dank für alles, was ihr für mich gemacht habt, und dass ihr mit mir heute feiert!»
Durstige Gäste
Zum Feiern waren tausende Menschen gekommen, geschätzt doppelt so viele wie erwartet: «Wir haben mit rund 2’000 Personen gerechnet, aber hier sind sicher gegen die 4’000», so der Gemeindepräsident. Es erstaunte daher nicht, dass das Bier kurzfristig vergriffen war. Gottseidank ist die Brauerei nur einen Steinwurf entfernt und konnte so noch sechs Paletten nachliefern. Während sich die Leute auf dem Festplatz mit Getränken, Sandwiches und Rüeblisuppe verpflegten, zeigte sich Pfister volksnah. Auf der «Baarer-Bundesrat-Bank», welche der Verein Frohes Alter extra für ihn gefertigt hatte, nahm er Gratulationen entgegen und posierte für Selfies. Stets unter den wachsamen Augen der Bundespolizisten.
Geschlossene Feier
Gegen 16.30 Uhr hiess es für die Politprominenz, für Gäste und Freunde, sich vom Festplatz zu verabschieden und mit den Extrabussen Richtung Waldmannhalle zu fahren. Dort gingen die Feierlichkeiten in geschlossener Gesellschaft weiter.
Rund 800 Personen liessen sich dabei mit Ansprachen, kulinarischen Leckerbissen und musikalischen Darbietungen verwöhnen. Ein Highlight des Abends war ein Sketch, in dem Gemeindepräsident Walter Lipp einen Lehrer mimte, der seinen gelangweilten Schüler, Landammann Andreas Hostettler, über das Leben des Zuger Feldherrn Hans Waldmann aufklärte. Lipp wies auf Parallelen und Unterschiede zwischen den beiden Staatsmännern hin: «Waldmann wurde zum Ritter geschlagen, Martin Pfister hat den Ritter geschlagen.» Gerhard Pfister, Präsident der Mitte Schweiz, erklärte in seiner Laudatio, dass der neue Bundesrat während der Pandemie bewiesen habe, dass er führen kann. «Die Schweiz braucht einen starken, menschlichen und lösungsorientierten Bundesrat. Mit dir, Martin, bekommt sie genau das.» Nach diesen Worten brandete im Saal tosender Applaus auf.
Viola Amherd war guter Laune
Für Erheiterung sorgte das Interview des Moderators Remo Hegglin mit Noch-Bundesrätin Viola Amherd, die Pfister gute Tipps für die Arbeit im Bundesrat mitgeben sollte. «Er könnte jeweils mit seiner Posaune zur Sitzung blasen», meinte sie mit Bezug auf Pfisters musikalisches Hobby. Nationalratspräsidentin Maja Riniker erwähnte in ihrer Ansprache eine bedeutungsvolle Zahlenfolge. Pfister sei der 123. Bundesrat, 123 Stimmen betrug das absolute Mehr und gewählt wurde er am 12.3. Gegen Ende des Abends trat ein sichtlich gerührter Martin Pfister auf die Bühne: «Der Kanton Zug und Baar haben mir mit diesem Fest eine Riesenfreude bereitet.» Voller Tatendrang blickte er in die Zukunft: «Ich verstehe die Wahl als Auftrag des Parlaments, die Kollegialität im Bundesrat zu stärken.» Und er doppelt, unter Anspielung auf die Enthauptung von Waldmann, nach: «Ich verspreche Ihnen, meinen Kopf bei der Arbeit nicht zu verlieren.» Es folgte ein Riesenapplaus und eine kaum enden wollende Standing Ovation. Ein bewegender Moment, der nicht nur Pfister, sondern auch den Gästen lange in Erinnerung bleiben wird.