Baar muss vorerst auf einen Ortspolizisten verzichten

  28.01.2026 Gesellschaft

Die Zuger Polizei sucht wieder die Nähe zur Bevölkerung. Ortspolizisten – der Dorfpolizist von früher – sollen ab 2027 durchs grösste Dorf im Kanton laufen.

MARCO MOROSOLI

In den oberen Räumen des Zollhauses am Zuger Kolinplatz herrschte am Freitagmorgen, 16. Januar emsiges Treiben. Geladen hatte die Zuger Polizei. Den Ort hatten die Organisatoren des Medientermins mit Bedacht ausgewählt. Das Thema war die Einführung von Ortspolizisten im Kanton Zug, der Dorfpolizist, wie man ihn von früher kennt. In der denkmalgeschützten Stätte arbeiten schon jetzt mehr als fünfzehn Zuger Polizisten und Polizistinnen. Diese sind aber im öffentlichen Leben der Stadt Zug kaum sichtbar. Das soll sich mit der Wiedereinführung der Zuger Ortspolizisten ändern.

Nur bedingt spürbar ist auch ihr Kollege in Baar. Dies aber aus einem anderen Grund: Der Baarer Ortspolizist ist noch gar nicht im Einsatz.

Patric Stalder verspricht, dass auch Baar im kommenden Jahr seinen öffentlich präsenten Polizisten (Frau oder Mann) bekommt. Das Geld dafür soll im Rahmen des Budgets 2027 im kommenden November gesprochen werden. Stalder war bis Ende 2025 Leiter des Projektes «Bürgernahe Polizei». Seit Anfang 2026 ist die bürgernahe Polizei ein offizieller Dienst mit ihm als Chef der Ortspolizisten.

Dasselbe gilt für den Berg, wo sich die beiden Ägeris auch noch in der Warteschlaufe befinden. In der Medienmitteilung heisst es: «Die Zuger Polizei beabsichtigt, bis Ende 2027 in allen Kantonsgebieten mit Ortspolizisten vertreten zu sein.»

Ein wohl durchdachtes Konzept
Das Projekt «Bürgernahe Polizei» läuft schon seit Frühling 2023. Ab dem 1. Oktober 2025 standen dann die ersten Ortspolizisten operativ in der Öffentlichkeit im Einsatz. Sie sind in den Gemeinden Zug, Walchwil, Risch/Rotkreuz, Hünenberg und Steinhausen im Dienste der Öffentlichkeit unterwegs.

Seit Anfang Jahr kommen auch die Gemeinden Menzingen und Neuheim sowie Allenwinden in den Genuss eines Ortspolizisten. In Allenwinden heisst er Samuel Sommer und ist seit Neujahr 2026 im Einsatz.

Mit der Präsenz im öffentlichen Raum will die Zuger Polizei, so erklärte Stalder beim Pressetermin, das Vertrauen zwischen der Bevölkerung und der Polizei weiter stärken. Die verstärkte Sichtbarkeit der Polizei in den Gemeinden ist dabei kein Schnellschuss. Stalder hat sich anderswo umgesehen (unter anderem in Luzern, Basel, St. Gallen und Berlin) und seine Schlüsse gezogen, inwiefern der Kanton Zug für diese Art der Polizeiarbeit geeignet ist und wie sie im Alltag funktioniert.

Der erfahrene Zuger Polizist ist nicht nur der Dienstchef der bürgernahen Polizei und dirigiert die Seinen von seinem Bürotisch aus. Als Ortspolizist in der Gemeinde Risch spürt er tagtäglich selbst, wo die Bewohner der Schuh drücken könnte. Das Stellenprofil für diesen bürgernahen Job erfordert demnach die Bereitschaft, auf die Menschen zuzugehen. Zudem muss die Person eine offene Kommunikation betreiben. Sie muss auch bereit sein, Netzwerke zu knüpfen. Was das bedeutet, erklärt Stalder: «Wir sind da, wo die Menschen sind. Wir kennen die Stimmung in den Quartieren und bauen Beziehungen auf, die für unsere Arbeit einen grossen Mehrwert darstellen.» Im Stellenbeschrieb des Ortspolizisten steht aber auch, dass die lokalen Polizeikräfte kleinere, aber zeitintensive Aufträge übernehmen müssen.

Erwähnt sind in diesem Zusammenhang unter anderem die Zustellung von amtlichen Dokumenten, Sicherheitsberatungen und vieles mehr. Stalder betont zudem, dass für diese Aufgabe Generalisten mit einer kommunikativen Ader ideal seien. Die bis jetzt ausgewählten Kräfte für die Dorfpolizei sind, so der Projektleiter, alles erfahrene Polizisten. In einem Punkt unterscheiden sich die Stellenprofile der Bürgernahen Polizei, wie Projektleiter Stalder bemerkt, von den klassischen Polizisten: «Etwas Neues für Polizisten ist, dass sie in ihrem neuen Arbeitsumfeld bereit sein müssen, Dinge zu tun, die sich an keinen Fahrplan halten.»

Vertrauen in der Bevölkerung schaffen
Auch Michael Metzger, Chef der Regionenpolizei innerhalb der Zuger Polizei, hofft auf viele Inputs durch die neue Dienstleistung: «Mit diesem Schritt stärken wir das Vertrauen in die Zuger Polizei, leisten einen wichtigen Beitrag zur Steigerung des Sicherheitsgefühls und schaffen echten Mehrwert für die Bevölkerung und die Zuger Polizei.»

Die Bürgernahe Polizei soll der - einst mit neun Stellen innerhalb der Organisation der Zuger Polizei besetzt sein. Der Dienst mit seinen Ortspolizisten ist eine Einheit, welche innerhalb der Polizeistrukturen ihre Arbeit verrichtet. Seit Neujahr 2026 kann die Zuger Polizei 367,9 Personalstellen besetzen.


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