Bahnmatt nimmt die nächste Hürde
09.09.2026 Bauen & RenovierenBauen Das Areal Bahnmatt soll sich in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Geplant sind mehr Wohnungen, ein neues Alterszentrum und ein neuer Bushof. Die Bürgergemeinde hat nun wichtige Weichen für die Entwicklung gestellt.
RAHEL HEGGLIN
Seit rund drei Jahren beschäftigen sich die beteiligten Grundeigentümerschaften, die Einwohnergemeinde, die Bürgergemeinde sowie die Genossenschaft für Alterswohnungen (GfA) mit der Zukunft des Areals Bahnmatt. An der ausserordentlichen Bürgergemeindeversammlung vom 27. August ging es um die Entwicklungsvereinbarung mit den anderen beiden Eigentümern sowie um den Planungskredit für die erste Etappe. Denn obwohl alle drei Eigentümerschaften auf dem Areal unterschiedliche Ziele verfolgen, haben sie die Planung gemeinsam vorangetrieben.
Zwei Etappen für die Bahnmatt
In der ersten Etappe sollen die Baufelder 1a und 1b entwickelt werden. Dort wollen die Bürgergemeinde und die GfA ihre Wohnbauten realisieren. Die Bürgergemeinde plant auf Baufeld 1a ein maximal 50 Meter hohes Wohngebäude mit marktüblichen und preisgünstigen 2½- und 3½-Zimmerwohnungen sowie zwei 1-Zimmer-Notwohnungen für den Sozialdienst. Auf dem Baufeld 1b soll ein Neubau der GfA mit Alterswohnungen mit Service entstehen. Im Erdgeschoss sind Gemeinschaftsflächen sowie Dienstleistungs- und Gewerberäume vorgesehen. Die Gebäude 1a und 1b werden gemeinsam geplant und sollen gestalterisch eine Einheit bilden, danach aber funktional eigenständig betrieben werden.
Die zweite Entwicklungsetappe beinhaltet die Erweiterung und den Neubau des Alterszentrums Bahnmatt. Dieses wird weiterhin von der Viviva Baar AG betrieben. Bei diesem Projekt hat die Einwohnergemeinde unter Beizug der Viviva den Lead und übernimmt sämtliche Kosten. Für diese Entwicklungsphase ist ein separates Verfahren vorgesehen.
Landtausch ordnet das Areal neu
Damit dies möglich wird, müssen die heutigen Besitzverhältnisse neu geordnet werden. Die Grundstücke der drei Eigentümer sind derzeit stark ineinander verzahnt. Mit einem Landtausch sollen zusammenhängende Baufelder entstehen, auf denen die jeweiligen Eigentümer ihre Vorhaben realisieren können.
Für die Bürgergemeinde sieht der Tausch auf den ersten Blick unvorteilhaft aus: Die heutige Grundstücksfläche umfasst 2’296 Quadratmeter, das neue Grundstück hat nur noch 841 Quadratmeter. Bürgerpräsident Erich Andermatt verwies jedoch auf die bessere Ausnützung: «Auf dem neuen Grundstück ergibt sich eine Nutzfläche von rund 8’500 Quadratmetern. Damit können wir das Angebot von marktüblichen und preisgünstigen Wohnungen von heute 31 Wohnungen nahezu verdoppeln.» Konkret gibt die Bürgergemeinde ihr heutiges Grundstück GS 1707 mit dem Wohnhaus Bahnmatt 6 an die Einwohnergemeinde ab. Dafür erhält sie einen Teil des heutigen P+R-Grundstücks GS 1945, auf dem das neue Baufeld 1a entsteht. Weil die Bürgergemeinde dabei 1’455 Quadratmeter weniger Land erhält, wird die Einwohnergemeinde die Minderzuteilung gemäss aktuellem Planungsstand mit rund 1,16 Millionen Franken entschädigen.
Auch die GfA tauscht Land. Sie erhält ebenfalls einen Teil des heutigen P+R-Grundstücks GS 1945 – dort entsteht Baufeld 1b – und gibt dafür ihr heutiges Grundstück GS 2554 an die Einwohnergemeinde ab. Die Einwohnergemeinde erhält durch den gesamten Tausch netto 1’631 Quadratmeter zusätzliches Bauland und damit mehr Spielraum für den späteren Ersatz und die Erweiterung des Alterszentrums.
Neuer Bushof auf der Bahnmatt
Teil der Entwicklung ist auch ein neuer Bushof im Bereich des heutigen P+R-Parkplatzes. Vorgesehen sind zwei Haltekanten sowie eine neue Personenunterführung, die den neuen mit dem bestehenden Bushof verbindet. Die Nähe des Busverkehrs zum geplanten Wohngebäude der Bürgergemeinde gab an der Versammlung Anlass zu Fragen. Ein Votant befürchtete eine Beeinträchtigung der Wohnqualität. Die Verantwortlichen verwiesen auf die Vorteile der zentralen Lage beim Bahnhof und den geplanten Begegnungsplatz zwischen Wohngebäude und Bushof.
Finanzierung grundsätzlich tragbar
Der Planungskredit für die erste Etappe beläuft sich auf insgesamt 1,05 Millionen Franken. Davon entfallen 308’667 Franken auf die Bürgergemeinde. Deutlich höher dürften die Kosten für die spätere Realisierung ausfallen: Für das geplante Wohngebäude wurde im Rahmen einer ersten Grobkostenschätzung mit rund 40,5 Millionen Franken gerechnet. Ein konkretes Projekt liegt allerdings noch nicht vor. «Nach bisherigen Berechnungen ist das Projekt für die Bürgergemeinde finanzierbar», erklärte Andermatt. Zur Finanzierung sollen neben Eigenmitteln auch bestehende Liegenschaften der Bürgergemeinde beitragen.
Nun ist die Einwohnergemeinde am Zug
An der ausserordentlichen Versammlung stimmten die Stimmberechtigten sowohl der Entwicklungsvereinbarung mit der Einwohnergemeinde und der GfA als auch dem Planungskredit von 308’667 Franken ohne Gegenstimme zu. «Der Bürgerrat Baar ist erfreut über die deutliche Zustimmung der Baarer Bürgerinnen und Bürger zu einer zukunftsorientierten guten Lösung für die Baarer Bevölkerung und für die Bürgergemeinde», so Bürgerpräsident Andermatt. Das Ja bestätige den eingeschlagenen Weg für eine gemeinsame Entwicklung des Areals Bahnmatt. Die GfA hatte ihrem Beitrag an der Planung bereits im Mai zugestimmt. Nun fehlt noch das grüne Licht der Einwohnergemeinde: Der Souverän wird im November über den entsprechenden Kredit entscheiden. Erst danach kann die gemeinsame Planung der ersten Entwicklungsetappe starten. Bis zur Realisierung sind jedoch noch mehrere Planungsschritte und Kreditabstimmungen nötig. Nach aktuellem Zeitplan könnten die Neubauten auf den Baufeldern 1a und 1b im Jahr 2033 bezugsbereit sein.


