Das Haus Rigistrasse 15a löst Besorgnis aus
25.02.2026 GesellschaftBarbara Ulrich als Nachbarin und Architekt Patrick Röösli haben bei der Gemeinde wegen des baulichen Zustandes des denkmalgeschützten Hauses Rigistrasse 15a interveniert. Die Gemeinde sichert den notwendigen Unterhalt zu.
FRANZ LUSTENBERGER
Wer kennt es nicht, das Lied vom alten Haus von Rocky Docky, ursprünglich ein Countrysong aus den 50er Jahren? Das Haus hat schon viel erlebt: Es sah Angst und Pein und Not» und ist «voller Wunder». Oder: «Dieses Haus ist halb verfallen und es knarrt und stöhnt und weint.» Der Liedtext passt genau zum Gebäude mit der Adresse Rigistrasse 15a, an bester Lage oberhalb des Gebäudes der Kantonspolizei an der Kreuzung mit der Leihgasse.
Bei einem Rundgang hat Barbara Ulrich, die sich als unmittelbare Nachbarin und als Co-Präsidentin des Vereins «Gemeindlicher Stadtgarten Baar» (siehe BaarerZytig vom 14. Januar) seit Jahren für den Erhalt des denkmalgeschützten Hauses und die sorgsame Weiterentwicklung des Areals einsetzt, festgestellt, dass «da etwas am Auseinanderbrechen ist». Sie habe «notfallmässig» Patrick Röösli, Architekt in Zug mit Baarer Wurzeln und Kantonsrat (Die Mitte, Zug), angerufen, der sich ebenfalls seit Jahren für den Erhalt des historischen Gebäudes engagiert.
Undichte Fenster und Mängel beim Giebel
Aufgrund einer Objektbeobachtung stellt Röösli anfangs Februar folgende Mängel fest: Undichte Fenster und fehlende Gläser, Efeubewuchs mit Eindringen über die Fenster ins Innere sowie ein mögliches Auseinanderbrechen bei der Traufe und dem Giebelvordach. Er schreibt ein Mail an Gemeindepräsident Walter Lipp. Gemeinderätin Sonja Zeberg-Langenegger, zuständig für die Liegenschaften, schreibt dazu: Die aktuell angesprochenen Schadstellen seien der Gemeinde bekannt und würden fachlich beurteilt. «Notwendige Massnahmen sind vorgesehen und werden im Rahmen der laufenden Unterhaltsprüfung umgesetzt.» Die Gemeinde habe in den vergangenen Jahren «wiederholt bauliche Arbeiten ausgeführt, insbesondere im Dachbereich». Die Frage nach den Kosten für die Gemeinde in den letzten Jahren bleibt offen, ebenso die Frage nach den Kosten für die aktuellen Massnahmen gemäss dem Schreiben Rööslis: «Die Kosten können zum jetzigen Zeitpunkt nicht beziffert werden.»
Sicherungskonzept wird angeregt
Die Gemeinde hat das Haus vor über zehn Jahren erworben, um bei einer Neuplanung des ganzen Areals Leihgasse/Rigistrasse eine aktive Rolle übernehmen zu können. Seit dem Frühling 2020 steht das Haus unter Denkmalschutz. Architekt Röösli erinnert in seinem Mail an den Artikel 14 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, der lautet: «Eigentum verpflichtet.» Aus dieser Überlegung heraus empfiehlt er, «die Liegenschaft, welche dem Steuerzahler gehört, mittels eines Sicherungskonzepts anzugehen». Die Gemeinde lehnt dies ab: «Die Erstellung eines Sicherungskonzepts erachtet die Gemeinde als nicht verhältnismässig.» Die notwendigen Sicherungsmassnahmen unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Vorgaben würden im Rahmen der laufenden Unterhaltsplanung sichergestellt.
Offene Zukunft des Gebäudes
Für die Zukunft des Areals mit knapp tausend Quadratmetern Grundfläche rund um das Haus gibt es eine Perspektive. Der Verein «Gemeindlicher Stadtgarten Baar» will dieses in eine grüne Oase verwandeln. Die Gespräche über eine Nutzungsvereinbarung mit der Gemeinde Baar als Grundeigentümerin haben begonnen. Völlig offen ist die Zukunft des Hauses und dessen Nutzung. Gemeinderätin Zeberg-Langenegger dazu: «Die künftige Entwicklung des Areals Rigistrasse/Leihgasse ist Bestandteil der strategischen Planung der Gemeinde.» Weitergehende Aussagen würden zu gegebener Zeit im Rahmen der politischen Verfahren erfolgen. Das kann dauern, denn im Investitionsplan für die Jahre bis 2030 finden sich keine Angaben zum Gebäude – oder, um auf das Lied vom alten Haus zurückzukommen: «Es wartet jeden Abend auf’s neue Morgenrot.»



