Ortspolizist setzt auf Nähe und Vertrauen

  08.04.2026 Gesellschaft

Seit Anfang Jahr ist Samuel Sommer als Ortspolizist für Allenwinden im Einsatz. Bei seiner Arbeit sind ihm die Nähe zur Bevölkerung und die Vernetzung zu Schule oder Gemeinde wichtig. Sein oberstes Gebot ist: Handeln, bevor ein Schaden passiert.

RAHEL HEGGLIN

Der 47-Jährige bringt viel Erfahrung mit: Seit 23 Jahren arbeitet er bei der Zuger Polizei, davon 19 Jahre als Hundeführer. Privat ist er verheiratet und Vater von zwei Kindern. Mit seiner neuen Aufgabe rückt für ihn vor allem eines in den Mittelpunkt: die Nähe zur Bevölkerung. «Als Ortspolizist geht es nicht nur darum einzugreifen, wenn etwas passiert. Vielmehr geht es darum, im Alltag präsent zu sein, Beziehungen aufzubauen und Vertrauen zu schaffen», so Sommer.

Präsenz statt reine Einsätze
Die Rolle des Ortspolizisten unterscheidet sich deutlich von der klassischen Polizeiarbeit. Während Polizistinnen und Polizisten im regulären Dienst häufig zu Einsätzen gerufen werden, ist Sommer proaktiv unterwegs. «Ich spreche mit den Leuten, nehme Stimmungen wahr und kann Probleme oft schon früh erkennen. Als Ortspolizist habe ich diese Möglichkeit mehr, da ich mir die Zeit dafür nehmen kann», erklärt er. Oft liessen sich Schwierigkeiten lösen, bevor sie zu einem Polizeifall werden.

Dazu gehören etwa Fragen zu Parkierungen oder Schulwegen, Hinweise auf verdächtige Beobachtungen oder Anliegen rund um Treffpunkte von Jugendlichen. Auch Präventionsfragen zu Einbruchschutz, Betrug oder Online-Sicherheit spielen eine Rolle. «Lieber einmal zu früh als zu spät melden», betont Sommer. Ein besonderes Augenmerk legt er auch auf die Information älterer Menschen. Gerade bei Betrugsdelikten wie dem sogenannten «Enkeltrick», falschen Polizisten oder Cyberbetrug sei Aufklärung entscheidend. «Mein Ziel ist es, mit einfachen Tipps die Bevölkerung vor diesen und anderen Betrugsformen und den damit verbunden, zum Teil hohen finanziellen Verlusten zu schützen.»

Beziehungsarbeit als Schlüssel
Viele unterschätzen, wie wichtig Kommunikation in der Polizeiarbeit ist. Die regelmässige Präsenz im Dorf hilft Sommer, Probleme zu lösen. Ein Beispiel dafür erlebte er kürzlich auf einem Schulweg. Durch seine Präsenz fiel ihm auf, dass eine Erstklässlerin häufig allein und auf unsichere Weise eine Strasse überquerte. «Es stellt sich heraus, dass das Mädchen Angst vor einem bellenden Hund hatte und deshalb einen Umweg nahm.» Sommer konnte die Situation in der Folge klären, indem er das Gespräch mit dem Hundehalter suchte. Es stellte sich heraus, dass vom besagten Hund keine Gefahr ausging und das Mädchen somit keine Angst vor ihm haben musste.

Grundsätzlich sicherer Ort
Allenwinden ist laut Zuger Polizei grundsätzlich ein sicheres Gebiet. Die grössten Herausforderungen lägen weniger in der klassischen Kriminalität als eher bei Verkehrssicherheit, Sachbeschädigungen oder Ruhestörungen. Besonders rund um die Schule komme es immer wieder zu chaotischen Situationen, weil Eltern ihre Kinder mit dem Auto direkt vor den Schuleingang bringen oder abholen. «Durch Gespräche mit den Eltern kann man auf die Gefährlichkeit dieses Verhaltens hinweisen und so zur Verbesserung beitragen.» Auch in Zukunft werde die Verkehrssicherheit durch die zunehmende Mobilität eine wichtige Rolle spielen. «Zudem ist es wichtig, bei der Einbruchprävention und bei Betrugsdelikten, die oft auch digital stattfinden, aufmerksam zu bleiben.»

Zusammenarbeit im Dorf
Sommer arbeitet eng mit verschiedenen Stellen zusammen. Neben anderen Ortspolizisten steht er vor allem mit verschiedenen Mitarbeitenden der Zuger Polizei, der Gemeinde, Schulen sowie sozialen Diensten im Austausch.

Auch bei Situationen, in denen unterschiedliche Bevölkerungsgruppen aufeinandertreffen, wie etwa bei der Bushaltestelle, setzt er auf Kontakt. «Als Ortspolizist nehme ich solche Rückmeldungen aus der Bevölkerung ernst. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass viele Situationen eher auf Missverständnisse oder fehlende Kommunikation zurückzuführen sind als auf tatsächliche sicherheitsrelevante Vorfälle.» Präsenz und Gesprächsbereitschaft seien deshalb entscheidend.

Vertrauen als Grundlage
Für den langfristigen Erfolg des Modells «Ortspolizist» sei vor allem Vertrauen wichtig. Die Bevölkerung müsse wissen, wer ihr Ansprechpartner ist, und sich trauen, Beobachtungen oder Anliegen zu melden. Sommer ist überzeugt, dass seine Rolle im Dorf gut angenommen wird. Gleichzeitig brauche es Zeit, bis sich alles eingespielt habe. Sein Wunsch an die Bevölkerung ist deshalb deutlich: «Wenn etwas auffällt, ist es wichtig, dass man es anspricht und nicht einfach laufen lässt.» Denn Sicherheit im Dorf ist eine gemeinsame Aufgabe. «Bürgernahe Polizeiarbeit funktioniert am besten, wenn wir als Team arbeiten: Gemeinde, Bevölkerung und Polizei gemeinsam.»


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