Die Vielfalt der Wildtiere auf Baarer Boden
08.04.2026 Natur/UmweltAuch wenn wir sie nicht oft sehen, sind Wildtiere wie Rothirsch, Reh, Gämse, Wolf, Luchs und Biber in unserer Gemeinde anzutreffen. Auch Wildschweine wurden schon gesichtet und haben Schaden angerichtet.
ERNST BÜRGE
In Gesprächen mit dem Förster der Korporation Baar Dorf, Severin Nigg, und den Vertretern des kantonalen Amtes für Wald und Wild, Beda Schlumpf, Abteilungsleiter Fischerei und Jagd, und Marcel Düring, Jagdund Fischereiaufseher, war einiges über dieses Wild zu erfahren.
Sesshafte Tiere
Rehe und Gämsen sind hier heimisch, sie bewegen sich vorwiegend an ihren Standorten. Eher erstaunlich ist dabei, dass sich etwa acht Gämsen dauernd in unserer Gemeinde aufhalten und im ganzen Kanton um die 180 Tiere gezählt werden. Die Gams sucht vor allem ruhige Plätze und hält sich gerne in Waldnaturschutzgebieten auf. Rehwild lebt in allen Baarer Wäldern, der Bestand ist hier bei etwa 100 Tieren, das entspricht in etwa zehn Prozent des kantonalen Bestandes. Rehe sind scheue Waldtiere, wurden jedoch auch schon im Schutzengelquartier beobachtet. Meistens sind sie kaum zu sehen, sie können unter Sträuchern und Gebüschen liegen und verhalten sich ruhig, während man nur wenige Meter entfernt auf einem Waldweg läuft. Um die Tiere nicht aufzuscheuchen, sollte man Wege und Strassen nicht verlassen. Denn wenn immer die gleichen Wege und Strassen benutzt werden, kann sich das Tier daran gewöhnen und wird nicht überrascht. Der Förster sagt dazu: «Der Mensch muss den Umgang mit dem Wild wieder lernen.»
Tiere auf Wanderschaft
Von der Natur her ist der Hirsch ein Steppentier und kam ursprünglich aus dem eurasischen Raum. Hier streift er eher in grösseren Räumen umher. Hirsche leben vornehmlich in Rudeln, Hirschkühe mit ihren Kälbern und auch Hirschstiere sind meist gemeinsam unterwegs. Von den etwa 100 Hirschen auf Zuger Boden halten sich etwa zehn davon in unserer Gemeinde auf. Nigg wusste, dass ein mit Sender ausgestatteter Hirsch vom Gebiet um Einsiedeln bis nach Sihlbrugg zog. Unter der Autobahn bei Deinikon ist ein wichtiger Wildkorridor für die Lebensraumvernetzung. Der Durchgang wird von vielen Tieren gerne benutzt und sorgt zudem beim Wild für einen genetischen Austausch.
Luchs und Wolf benötigen beide grössere Lebensräume und legen auf ihren Streifzügen öfters grosse Distanzen zurück. Sie tauchen hier vereinzelt auf und werden daher nur selten beobachtet. Die beiden haben zudem ein unterschiedliches Jagdverhalten, wusste Schlumpf zu erzählen. Während der Wolf seine Beute jagt, sitzt der Luchs auf der Lauer, bis ihm ein passendes Tier in die Nähe kommt, welches er mit einem Nackenbiss erlegen kann.
Wildschweine treiben sich in Rotten umher und sind hier bis jetzt eher selten anzutreffen. Etwa acht Tiere wurden letztes Jahr in der Gegend Notikon/Deinikon zur Erntezeit in einem Maisfeld aufgespürt. Sie kamen wahrscheinlich aus den Kantonen Zürich oder aus dem Aargau hierher, sind jedoch wieder verschwunden. Dennoch haben sie einen kleineren Schaden angerichtet, der dem Landwirt vom Amt für Wald und Wild vergütet wurde.
An der alten Lorze bei der Altgasse konnte letztes Jahr einige Zeit ein Biberpaar beobachtet werden. Leider hat sich da ein Tier auf die Autobahnauffahrt begeben und wurde dort überfahren. Spuren konnten auch im unteren Teil der Baarburg festgestellt werden, jedoch gibt es zur Zeit keine weiteren Anzeichen, dass noch Biber im Gebiet von Baar leben.
Die Jagd ist für die Regulierung notwendig
Für die Jagd ist in enger Zusammenarbeit zwischen Forst-, Landwirtschaft, Jagd, Umweltverbänden und Behörden die kantonale Jagdkommission zuständig. Präsident ist der zuständige Regierungsrat, zur Zeit Landammann Andreas Hostettler. Hier wird festgelegt, welche Tiere und wie viele zum Abschuss freigegeben werden. Jäger haben zudem die Aufgabe, Wildbestände zu zählen, das Verhalten und auch Schadensmuster zu beobachten. Sie bieten auch Unterstützung bei Schutz massnahmen wie bei der Rehkitzrettung, wenn in Waldnähe Wiesen gemäht werden. Ebenfalls wirken sie bei Vergrämungsmassnahmen mit, wenn an gewissen Orten die Anwesenheit von Wild nicht erwünscht ist. Bei der Bestandesregulierung liegen die Ziele bei einer Stabilisierung einer Art. Der Mensch hat viele Lebensräume des Wildes in Anspruch genommen oder zerschnitten. Tiere können sich nicht mehr frei bewegen und grossflächig verteilen. Daher sammeln sie sich vorwiegend im Wald. Durch diesen von Menschen verursachten Stress können vermehrt Waldschäden entstehen. Daher sind ein für den Lebensraum verträglicher Wildbestand und eine Besucherlenkung im Wald wichtig.
Was kann die oder der Einzelne tun im Umgang mit Wild?
Sehr wichtig ist, in den Waldgebieten nur die offiziellen Feuerstellen zu benutzen und keine «wilden» Feuer zu entfachen. Laufend errichtet die Gemeinde in Zusammenarbeit mit den Korporationen und den kantonalen Ämtern neue Feuerstellen und Aufenthaltsräume für die Bevölkerung. Das Verhalten im Wald soll die Lebensräume des Wildes nicht stören, deshalb sollen Wanderer wie Biker auf den Wegen bleiben. Hunde sind in Waldgebieten jedenfalls immer an der Leine zu führen. In der Nacht gehört der Wald der Natur und soll deshalb in Ruhe gelassen werden. Zum Pilze- und Beerensammeln kann man sich mit der nötigen Vorsicht auch etwas abseits bewegen. Zu beachten ist vor allem, dass jeder Wald einem Besitzer gehört. In Baar sind dies zum grösseren Teil die Korporationen Baar Dorf, Blickensdorf und Deinikon, aber auch Privatpersonen. Auch deshalb soll immer Rücksicht genommen werden, wir alle sind in den Wäldern lediglich Besucher. So haben Tier und Mensch Chancen auf ein gutes Zusammenleben.



