Parteiforum Baar: Ist Baar sicher genug?

  20.05.2026 Parteiforum, Politik

«Baarer Seniorin überrascht drei maskierte Einbrecher in ihrer Wohnung.»

Solche und ähnliche Meldungen konnte man den Polizei-News im Jahr 2025 entnehmen.

Im März hat die Zuger Polizei nun ihre Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2025 veröffentlicht.

Wie die Statistik zeigt, sind die erfassten Straftaten im Kanton Zug gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent gestiegen.

Auch die Gemeinde Baar ist von Einbrüchen, Diebstählen und Gewaltdelikten betroffen. Ein sinkendes Sicherheitsgefühl ist die Folge.

– Wie reagieren die Parteien mit ihrer Politik auf diesen erheblichen Anstieg?
– Investiert die Gemeinde Baar genug in die öffentliche Sicherheit?
– Was sollten gemäss den Parteien die Politik und die Gemeinde Baar unternehmen, damit Baar wieder sicherer wird?

Die Frage kommt von der SVP.


FDP

Reto Leutenegger Sektionspräsident FDP Baar

Baar ist eine sichere Gemeinde, aber diese Sicherheit ist kein Selbstläufer. Die Kriminalitätsstatistik 2025 zeigt einen Anstieg der Straftaten im Kanton Zug um 14 Prozent. Auch Baar ist von Einbrüchen, Diebstählen und Gewaltdelikten betroffen. Wenn Delikte bis in den privaten Wohnraum reichen, trifft das nicht nur die Statistik, sondern das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung direkt.

Wichtig ist die Einordnung: Für die polizeiliche Sicherheit ist nicht die Gemeinde, sondern der Kanton zuständig. Die zentralen Entscheidungen werden durch den Regierungsrat und im Kantonsrat getroffen, insbesondere bei Ressourcen, Prioritäten und Organisation der Zuger Polizei.

Die Schliessung von Polizeiposten in den letzten Jahren ist kritisch zu hinterfragen, auch wenn Baar nicht betroffen war. Sie schwächt die lokale Verankerung und reduziert die sichtbare Präsenz. Der Ansatz einer ortsnahen beziehungsweise «bürgernahen» Polizei wurde erst später eingeführt, wohl als Reaktion darauf. Ob dies genügt, um die entstandenen Lücken zu schliessen, ist fraglich.

Die Polizeipräsenz, insbesondere in Quartieren, wird vielerorts als zu tief wahrgenommen. Dabei ist klar: Sichtbare Präsenz schafft Sicherheit und wirkt präventiv. Hier besteht Handlungsbedarf.

Für die FDP ist klar: Sicherheit ist eine Kernaufgabe des Staates. Baar soll nicht nur sicher sein, sondern sich auch so anfühlen.


SP

Daniel Schönknecht Vorstand SP Baar, Mitglied Integrationskommission

Zur Kriminalitätsstatistik 2025 erwähnt die Zuger Polizei im Besonderen, dass ein Anstieg bei Delikten gegen die Freiheit, gegen Leib und Leben sowie bei Vermögensdelikten feststellbar ist. Auch bei der häuslichen Gewalt ist ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen.

Der mehrjährige Vergleich zeigt, dass die Gesamtzahlen 2025 zwar über denjenigen von 2024, jedoch unter denjenigen von 2023 liegen. Zudem ist die Anzahl der Straftaten pro 1’000 Einwohner im Kanton Zug nach wie vor viel tiefer als im Schweizer Durchschnitt.

Besonders bei der häuslichen Gewalt ist Prävention entscheidend. Betroffene brauchen die Möglichkeit einer niederschwelligen Anlaufstelle, um sich beraten zu lassen und Hilfe zu erhalten. Es benötigt jedoch auch ein Mass an Zivilcourage. Nachbarinnen und Nachbarn, welche einen Verdacht haben, sollen deshalb ebenfalls die Möglichkeit haben, solche Fachstellen zu nutzen. Dass die Aufklärungsquote im Kanton Zug über dem Schweizer Durchschnitt liegt, ist ein starkes Zeichen für die gute Arbeit unserer Polizei. Erfreulich ist zudem, dass die Jugendkriminalität weiter  rückläufig ist.

Schwerpunkte der Verbrechensbekämpfung müssen bei häuslicher Gewalt, Einbrüchen sowie Cyberund Wirtschaftskriminalität liegen. Es darf nicht nur darum gehen, Verbrechen aufzuklären. Durch gezielte Aufklärung müssen künftige Straftaten vermieden werden, damit unnötiges Leid verhindert wird und die Baarer Bevölkerung sich weiterhin sicher fühlen kann.


GLP

Martin Zimmermann Kantonsrat, GLP

Zwischen Statistik und Realität: Sicherheit im Kanton Zug
Gleich vorweg: Als Präsident des Polizeipersonalverbandes Zug liegt mir dieses Thema nahe, und ich bin viel mit den Frauen und Männern an der Front im Austausch.

Wir müssen die Zahlen aber in einem grösseren Kontext betrachten: Der Anstieg im 2025 zum Vorjahr erscheint gross, doch waren die Zahlen beispielsweise im 2023 noch grösser. Darum analysiere ich nicht Jahr für Jahr, sondern betrachte den Trend der letzten zehn Jahre.

Und ja, auch hier hat es über alle Delikte eine Zunahme gegeben, welche gut 10 Prozent höher liegt als das Bevölkerungswachstum in derselben Zeitperiode. Zug ist noch immer ein sicherer Kanton, aber wir müssen auch dafür Sorge tragen, dass es so bleibt.

Eine der wichtigsten Massnahmen sind mehr Ressourcen auf der Strasse. Sichtbare Präsenz der Polizei erhöht die subjektive und objektive Sicherheit. Hier muss der Kanton die nötigen personellen Ressourcen sprechen. Ebenso müssen die Polizeien der Kantone besser Daten austauschen können. Dies funktioniert zurzeit schlechter zwischen den Kantonen als im Schengenraum zwischen den Ländern.

Die Gemeinde kann auch einen gewissen Beitrag leisten. Neuralgische Stellen können besser beleuchtet oder belebt werden. Von der Gemeinde angestelltes Sicherheitspersonal für spezifische Einsätze, kann auch helfen. Doch es muss die Verhältnismässigkeit gewahrt und mit der Polizei zusammengearbeitet werden. Auch wir alle können helfen. Verdächtiges Verhalten melden statt wegschauen – das hilft der Polizei und uns allen.


Die Mitte

Thomas Gwerder, Kantonsrat Mitte Baar

Für die Mitte Baar ist die Sicherheit der Bevölkerung ein zentrales Anliegen. Die Straftaten im Kanton Zug haben im letzten Jahr um 14 Prozent zugenommen. Um dieser Entwicklung wirksam zu begegnen, hat die Zuger Polizei per 1. Januar 2026 den Dienst «Bürgernahe Polizei» geschaffen. Damit kehrt der «Dorfpolizist» zurück – vertraut, sichtbar und nah.

Diese Ortspolizistinnen und Ortspolizisten dienen als direkte Ansprechpersonen in den Gemeinden. Sie kennen die Quartiere sowie die lokalen Gegebenheiten und stärken so das Vertrauen und die Zusammenarbeit zwischen Bevölkerung und Gesetzeshütern. Für uns Bürger bedeutet das mehr Sicherheit, mehr Nähe und kurze Wege: Anliegen können unkompliziert eingebracht werden, während die Polizei Fehlentwicklungen frühzeitig erkennt. Gleichzeitig leistet diese sichtbare Präsenz wichtige Präventionsarbeit.

Aktuell sind im Kanton sieben Ortspolizisten im Einsatz, jedoch noch nicht in Baar. Ein Einsatz in unserer Gemeinde ist ab 2027 vorgesehen – vorausgesetzt, der Kantonsrat bewilligt die entsprechenden Stellen im Budget. Für die Mitte Baar und mich als Kantonsrat ist das Ziel klar: Wir brauchen diese Verstärkung. Ich werde mich im Kantonsrat konsequent dafür einsetzen, die nötigen Mittel zu bewilligen.

Ergänzend dazu leisten die polizeilichen Sicherheitsassistenten einen wichtigen Beitrag, indem sie auf öffentlichen Anlagen und Plätzen patrouillieren, um Ruhe und Ordnung zu gewährleisten. Dies ist eine gemeindliche Aufgabe, die wir bei Bedarf weiter ausbauen können, um das Sicherheitsgefühl in Baar nachhaltig zu stärken.


ALG

Simon Uster, Präsident ALG Baar

Sicherheit braucht mehr als Polizei
Zuerst ein Dank an die Zuger Polizei, die täglich für unsere Sicherheit sorgt. Doch gute Polizeiarbeit allein reicht nicht. Einbrüche und Diebstähle entstehen nicht im Vakuum. Sie sind oft Ausdruck von Armut, Perspektivlosigkeit und zerrissenen sozialen Netzen.

Vorbeugen statt nur bestrafen
Vorbeugen ist mindestens so wichtig wie Bestrafen. Investitionen in Sozialarbeit, Suchtberatung und niederschwellige Anlaufstellen zeigen langfristig mehr Wirkung als reine Strafverfolgung.

Wer junge Menschen in schwierigen Phasen begleitet, mit offener Jugendarbeit und verlässlichen Anlaufstellen, verhindert, dass aus Orientierungslosigkeit Fehlverhalten wird. Auch Menschen, die in Baar ankommen, brauchen soziale Einbindung und Arbeit. Wer ausgegrenzt bleibt, findet schwerer einen Platz in der Gesellschaft. Gelungene Integration schützt vor Isolation und senkt das Risiko von Delikten nachweislich. Baar hat hier gute Ansätze, die es auszubauen und besser zu finanzieren gilt.

Wirtschaftskriminalität nicht vergessen
Und noch etwas fehlt in dieser Debatte: Betrug, Geldwäscherei und Steuerhinterziehung verursachen erhebliche volkswirtschaftliche Schäden. Die Strafverfolgungsbehörden brauchen auch hier ausreichend Ressourcen. Im Kanton Zug wird darüber auffällig wenig geredet.

Baar ist dann sicher, wenn die Gemeinde gezielt investiert: in Sozialarbeit, Jugendarbeit, Integration. Nicht in Angstmache.


SVP

Selina Simmen Kantonsratskandidatin SVP Baar

Gemäss Sicherheitsbericht der Zuger Polizei wird ein neues Mass an Skrupellosigkeit festgestellt.

Die Anzahl von Gewalt- und Eigentumsdelikten, Velodiebstählen, Einbrüchen und Entreiss-Diebstählen ist stark angestiegen.

Schwangere, Mütter mit Kleinkindern sowie Seniorinnen und Senioren sind besonders wehrlos und verletzlich.

Als Mutter eines Kleinkindes ist man oft abgelenkt und damit beschäftigt, den Nachwuchs zu beaufsichtigen.

Zusätzlich noch nach Tätern Ausschau zu halten, übersteigt die mögliche Aufmerksamkeitsspanne komplett.

In Baar soll sich jede Bevölkerungsgruppe sicher fühlen, und dafür trägt die Gemeinde (polizeiliche Grundversorgung) die Verantwortung.

Es liegt in ihrem Auftrag, zusammen mit der Zuger Polizei die Sicherheit in allen Bereichen für die Baarer Bevölkerung zu gewährleisten – dies unter anderem in Form von Prävention, Massnahmenplänen, Polizeipatrouillen und Polizeipräsenz.

Weiter sollen schlecht beleuchtete Gehwege und Gebiete, welche Gefahrenpotenzial bergen, überprüft werden.

Die Gemeinde Baar soll aufzeigen, in welcher Form sie in die öffentliche Sicherheit investiert.

Im Februar hat die SVP diesbezüglich eine Motion eingereicht: «Zug soll sicherster Kanton der Schweiz werden!»

Der Regierungsrat wird beauftragt, eine umfassende Sicherheitsstrategie zu erarbeiten und die Polizeipräsenz im öffentlichen Raum, zu Nachtzeiten und an kriminalitätsbelasteten Orten zu erhöhen. Das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung muss wieder gestärkt werden.


Das Parteiforum

Diese Rubrik soll den Ortsparteien die Möglichkeit geben, zu einem aktuellen Thema Stellung zu beziehen. Vorgegeben werden die Themen reihum von den Parteien selbst.

Das Parteiforum erscheint sechsmal im Jahr in der Baarer Zytig. Für das vorgegebene Thema, wie auch für die Antworten, sind die Parteien, und nicht die Baarer-Zytig-Redaktion verantwortlich.


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