Quartierzentrum als neues Herz von Blickensdorf
01.07.2026 GesellschaftLetztes Jahr gab die Schule ihre Räume im Murerhof auf. Dadurch entstand die Gelegenheit, in Blickensdorf ein Quartierzentrum mit grossem Potenzial zu eröffnen, wie an den Eröffungsfeierlichkeiten vom 20. Juni deutlich sichtbar wurde.
INGRID HIERONYMI
Über 30 Grad im Schatten! Und dennoch herrschte am Fest in Blickensdorf eine fröhliche Stimmung. Familien mit Kindern, Seniorinnen und Senioren sowie engagierte Quartierbewohnende feierten die Eröffnung des neuen Quartierzentrums im Murerhof an der alten Kappelerstrasse 8. Ein Ort, der Begegnungen ermöglicht, Ideen wachsen lässt und das Zusammenleben im Quartier stärken soll.
Ein Bedürfnis, das schon lange spürbar war
«Im Rahmen eines Quartierspaziergangs vom September 2024 wurde von vielen Teilnehmenden das Fehlen eines Treffpunkts in Blickensdorf erwähnt», sagt Gemeinderätin Barbara Schmid-Häseli auf Anfrage. Damals wurde deutlich, dass Blickensdorf seit dem Verschwinden des einzigen Restaurants keinen Treffpunkt mehr hatte. Als klar wurde, dass die Schulräume im Murerhof im Sommer 2025 frei würden, ergab sich die Chance, verschiedene an dezentralen Standorten bestehende Angebote an einem Ort zu bündeln. Bereits ab November 2024 bot die gemeindliche Informationsstelle für das Alter «falter» im Murerhof einmal pro Woche einen Seniorentreff an.
Ab August 2025 fanden im Murerhof erste Aktivitäten statt, vom Kindertreff über «Schenk mir eine Geschichte» bis zum Eltern-Kind-Treffpunkt. Mit dem Mitwirkungsanlass vom 26. September 2025, der von rund 40 Quartierbewohnenden besucht wurde, setzte dann eine intensive Phase der Mitgestaltung durch die Bevölkerung ein. Seither sind im Quartierzentrum Angebote von und für Blickensdorferinnen und Blickensdorfer entstanden, von Spiel-Treffs über neue Begegnungsformate bis hin zu gemeinsamen Projekten. Am Eröffnungsfest wurden nun die ersten Früchte dieser Mitwirkung sichtbar.
Engagement der Quartierbewohnenden wird gross geschrieben
Das Fest wurde um 13.30 Uhr eröffnet. In den Räumen und auf dem Vorplatz des Quartierzentrums warteten verschiedene Attraktionen auf die Besuchenden. So beispielsweise ein Puppentheater mit Andrea Gätzi und Hopp-la Fit für alle Generationen. Um 17 Uhr eröffnete Schmid-Häseli das Zentrum offiziell.
In ihrer Ansprache würdigte sie das grosse Engagement der Quartierbevölkerung, die seit dem Mitwirkungsanlass vom September 2025 massgeblich zur Entwicklung der Angebote beiträgt.
«Was ihr im Quartier bereits geleistet habt, ist unglaublich», sagte sie an die anwesenden Freiwilligen gewandt. Die Mitwirkenden hätten nicht nur neue Angebote entwickelt, sondern auch den Eröffnungsanlass organisiert. Ziel des Gemeinderates sei es, Generationen und Nachbarschaften zu verbinden. «Es geht nicht nur darum, sich zu treffen. Wichtig ist vor allem, einander zu unterstützen und sich auch an Regeln zu halten», ergänzte Schmid-Häseli.
Nach der Rede sorgte die Baarer Trachtensinggruppe für einen emotionalen Moment: Beim Lied «Baarer Meitli» wurde der eine oder andere Zuhörer sichtbar sentimental. Beim anschliessenden, von der Gemeinde offerierten Apéro hatten die Besuchenden Gelegenheit, mit alten und neuen Bekannten ins Gespräch zu kommen. Gegen Abend verkauften Quartierbewohnende Selbstgemachtes und nicht mehr Gebrauchtes. Auf der Bühne fanden zudem, bei mittlerweile angenehmen Temperaturen, verschiedene musikalische und tänzerische Darbietungen statt.
Begegnungen, die das Quartier verändern
Das neue Quartierzentrum soll ein Ort sein, an dem sich Menschen begegnen, voneinander lernen und gemeinsam Neues schaffen. Schmid-Häseli formuliert es so: «Die ge sellschaftliche Verbundenheit wird gestärkt und persönliche Beziehungen werden geknüpft, die das soziale Engagement untereinander fördern.» Besonders für Neuzuziehende könne das Zentrum ein wichtiger Anknüpfungspunkt sein.
Ein anschauliches Beispiel für gelebte Integration ist das Sprachförderungsangebot «Schenk mir eine Geschichte». Kindern mit Migrationshintergrund werden Geschichten in ihrer Muttersprache vorgelesen, unter anderem auf Tamilisch, Portugiesisch und Türkisch. Dazu wird gemalt und gespielt. Die Idee dahinter: Wer seine Muttersprache gut beherrscht, lernt später auch leichter Deutsch.
Beteiligung hat Luft nach oben
Ernst und Gina Borner, die regelmässig am Seniorentreff teilnehmen und auch an der Entwicklung von neuen Angeboten für das Quartierzentrum arbeiten, geniessen das Fest mit ihren Enkeln. «Wir haben durch die Seniorentreffen sehr viel über Blickensdorf und Baar erfahren», erzählt Gina Borner, die aus Hünenberg zugezogen ist. Die Gespräche seien bereichernd, aber es sei schade, dass jeweils nicht mehr als sechs bis elf Einwohnende teilnähmen.
Die Mitwirkenden planen bereits weiter: einen Feierabendtreff ein- bis zweimal pro Monat am späteren Nachmittag und Abend. Damit das neue Angebot realisiert werden kann, sucht das Team noch Freiwillige. Die Mitwirkung ist also in vollem Gang. Die Eröffnung markiert nicht den Beginn, sondern einen sichtbaren Meilenstein auf diesem Weg.
Ein Anfang, der Lust auf mehr macht
Trotz der Hitze war das Fest ein lebendiger Auftakt. Kinder tobten mit Wasserpistolen herum, bastelten und spielten; Erwachsene kamen ins Gespräch und die Stimmung war ausgelassen. Schmid-Häseli formuliert den Wunsch des Gemeinderates für den weiteren Weg so: «Die Bevölkerung soll Lust haben, sich im Zentrum zu engagieren.»
Und wie lässt sich die Wirkung der neuen Einrichtung messen? Wenn in fünf Jahren ein jährliches Quartierfest selbstverständlich ist und die Räume von Blickensdorfern mit eigenen Ideen gefüllt werden, dann sei das Quartierzentrum ein Erfolg, ist Schmid-Häseli überzeugt.


