Wie ist das Sicherheitsgefühl der Zuger Bevölkerung?

  12.08.2026 Gesellschaft

Der Baarer Ivan Abramović hat den «Zuger Sicherheitsmonitor» ins Leben gerufen. Mit der unabhängigen Bevölkerungsbefragung möchte er erfassen, wie sicher sich die Menschen im öffentlichen Raum des Kantons fühlen. Die Resultate sollen am 7. September veröffentlicht werden.

RAHEL HEGGLIN

Ein nächtlicher Spaziergang durch die Stadt Zug gab Abramović den Anstoss für sein Projekt. Der 33-Jährige war nach Mitternacht gemeinsam mit seiner Mutter unterwegs, als sie einer grösseren Gruppe junger Männer begegneten. Obwohl nichts vorfiel, fühlte er sich in dieser Situation unwohl. Ähnliche Schilderungen habe er zuvor bereits aus seinem Umfeld gehört.

Der Baarer begann deshalb nach Daten zu suchen, die Auskunft über das Sicherheitsempfinden der Zuger Bevölkerung geben. Dabei stellte er fest, dass die offiziellen Statistiken zwar Straftaten, Polizeieinsätze und weitere messbare Ereignisse erfassen, das subjektive Sicherheitsgefühl jedoch kaum abbilden. «Ich fragte mich, ob es nur ein Gefühl ist, oder ob dieses Unbehagen auch andere Menschen teilen», sagt er. Aus dieser Frage entstand der «Zuger Sicherheitsmonitor». Die Online-Befragung umfasst 43 Fragen und widmet sich der Sicherheit sowie der Lebensqualität im öffentlichen Raum. Neben vorgegebenen Antworten können die Teilnehmenden in Freitextfeldern persönliche Erfahrungen schildern. Gerade diese Berichte hält Abramović für besonders aufschlussreich.

Keine repräsentative Umfrage
Bis Ende Juli hatten rund 490 Personen an der Befragung teilgenommen. Etwa 335 von ihnen füllten den Fragebogen vollständig aus. Frauen und Männer sind dabei ungefähr gleich stark vertreten. Zudem haben sich Personen aus sämtlichen Zuger Gemeinden beteiligt. Die meisten Antworten stammen aus der Stadt Zug, gefolgt von Baar. «Dies entspricht ungefähr der Verteilung der Bevölkerungszahlen», erklärt der Initiant. Er weist jedoch darauf hin, dass es sich nicht um eine repräsentative Erhebung handelt. Die Teilnehmenden wurden nicht nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, sondern gelangten über Medienberichte sowie Werbung auf Facebook und Instagram zur Umfrage. Dadurch könne eine sogenannte Selbstselektion entstehen: Menschen, die sich vom Thema besonders angesprochen fühlen, nehmen möglicherweise eher teil als andere.

Inhaltliche Tendenzen will Abramović vor Abschluss der Befragung nicht bekannt geben. Damit möchte er verhindern, dass Zwischenresultate spätere Antworten beeinflussen.

Daten sollen öffentlich zugänglich sein
Nach Abschluss der Befragung will Abramović die Resultate auswerten und in einem Bericht zusammenfassen, der öffentlich einsehbar sein soll. Besonders sorgfältig wird er mit den persönlichen Schilderungen aus den Freitextfeldern umgehen. «In Kombination mit Angaben zum Alter, Geschlecht oder Wohnort könnten einzelne Personen erkennbar werden. Deshalb werde ich die Freitexte von den demografischen Angaben trennen.»

Der Baarer hofft, dass die Erkenntnisse von den Gemeinden, der Sicherheitsdirektion, der Polizei, der Politik und der Forschung aufgegriffen werden. Die Befragung könne zwar nicht allein als Grundlage für politische Entscheide dienen, aber Diskussionen anstossen. Denkbar sei auch, dass Hinweise auf bestimmte Orte oder Situationen künftig bei der Planung von Sicherheitsmassnahmen berücksichtigt werden.

Jährliche Durchführung geplant
Der «Zuger Sicherheitsmonitor» soll nicht bei einer einmaligen Erhebung bleiben. Abramović plant, die Befragung jährlich zu wiederholen. Erst der Vergleich über mehrere Jahre zeige, ob sich das Sicherheitsempfinden verändert und sich gewisse Entwicklungen abzeichnen. Das Projekt bezeichnet er als zivilgesellschaftliche Initiative, die er selbst finanziert und ohne Zusammenarbeit mit Parteien, der Polizei oder der kantonalen Sicherheitsdirektion aufgebaut hat. «Es ist mir wichtig, dass der Sicherheitsmonitor unabhängig bleibt», betont er. Gleichzeitig ist Abramović politisch aktiv und kandidiert für die Mitte für den Kantonsrat. Den Zeitpunkt der Veröffentlichung vor den Wahlen hat er bewusst gewählt: «In dieser Zeit ist das öffentliche Interesse an politischen Fragen besonders gross. Diese Aufmerksamkeit möchte ich auch für den Sicherheitsmonitor nutzen.» Dass er damit zugleich als Kandidat sichtbar werde, sei naheliegend. Entscheidend sei für ihn, dass das Projekt über die Wahlen hinaus Bestand habe: Der Sicherheitsmonitor soll unabhängig von seiner Kandidatur jährlich weitergeführt werden.

Wissenschaft und Sicherheit
Der in Zug geborene und in Baar aufgewachsene Abramović ist Chemiker. Nach dem Bachelor- und Masterabschluss an der ETH Zürich war er rund fünf Jahre in der Industrie und Forschung tätig. Derzeit absolviert er ein Doktorat in Chemie an der Universität Zürich. Daneben engagiert er sich seit 2014 in der Schweizer Armee, wo er Hauptmann und Kompaniekommandant ist. Zudem ist er stellvertretender Chef des Gemeindeführungsstabs in Baar. Ob das Projekt erfolgreich ist, wird sich für Abramović nach der Veröffentlichung vom 7. September zeigen. «Entscheidend ist, ob die Ergebnisse öffentlich diskutiert, von Medien aufgenommen und von politischen sowie zuständigen Stellen beachtet werden», sagt er.


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