Baar macht die Schule fit für KI
26.08.2026 Schule/MusikschuleSchule Künstliche Intelligenz wird das Schuljahr 2026/27 prägen. Zum Auftakt des neuen Schuljahres zeigte sich: Die Schule will die neue Technologie nicht einfach in die Klassenzimmer holen, sondern einen verantwortungsvollen Umgang damit vermitteln.
RAHEL HEGGLIN
Der Claim der Schule Baar lautet: «Wir bilden, wir begeistern». In der letzten Woche der Schulferien fand wie jedes Jahr der Auftakt in das neue Schuljahr mit sämtlichen Lehrund Fachkräften statt. Rektor Paul Stalder betonte in seiner Begrüssungsrede, dass der Jahresschwerpunkt, die Künstliche Intelligenz, nicht über den Erfolg der Schule entscheidet. «Schule findet nur dann erfolgreich statt, wenn Lehr- und Fachpersonen die Schülerinnen und Schüler bilden und begeistern.» Auch Gemeindepräsident Walter Lipp betonte bei seiner Ansprache die Wichtigkeit der Lehrpersonen. «Moderne Räume und neue Technologien können gute Voraussetzungen schaffen, entscheidend sind jedoch jene Menschen, die täglich unterrichten, erklären, motivieren und den Kindern etwas für ihre Zukunft mitgeben», so Lipp. Zum Schuljahresbeginn wurden 33 neue Lehr- und Fachpersonen willkommen geheissen. Insgesamt beschäftigt die Schule Baar rund 325 Lehrkräfte.
Investitionen in Räume und Technik
«Parallel zur pädagogischen Entwicklung verändert sich die Schulinfrastruktur», erläuterte Rektor Stalder. In den vergangenen Jahren seien neue Räume entstanden, weitere Projekte würden vor dem Abschluss stehen. Abgeschlossen ist zudem ein wichtiger Teil der IT-Strategie 2023 bis 2027. Nachdem bereits Schülerinnen und Schüler verschiedener Stufen mit Laptops und iPads ausgestattet worden waren, erfolgte in diesem Sommer nun die Ausrüstung der Kindergärten mit E-Boards. Gleichzeitig wurde die Schul-, Disziplinar- und Absenzenordnung grundlegend überarbeitet. Die bisherige Regelung stammte aus dem Jahr 2004. «Das war eine Zeit, in der generative KI im Schulalltag noch keine Rolle spielte», so der Rektor.
Klare Regeln für Künstliche Intelligenz
Für den Umgang mit KI hat die Schule fünf Leitsätze definiert. Die Technologie soll im Unterricht aufgegriffen und eingeordnet werden, die Verantwortung bleibt jedoch beim Menschen. Grundkompetenzen und Fachwissen bilden weiterhin das Fundament, denn nur wer selbst über Wissen verfügt, kann Antworten einer KI kritisch beurteilen. Zudem sollen alle Schülerinnen und Schüler vergleichbare Zugangsmöglichkeiten erhalten. Bei Leistungsnachweisen muss transparent sein, ob und wie KI eingesetzt wurde. «KI ergänzt unsere pädagogische Arbeit. Sie ersetzt aber weder Beziehung noch Urteilskraft», lautete seine zentrale Botschaft. Auch der Datenschutz spielt an den Baarer Schulen eine wichtige Rolle. Je sensibler Informationen sind, desto stärker muss der Einsatz von KI eingeschränkt und geprüft werden. Weiterbildungen sollen die Lehrpersonen dabei unterstützen, damit sie neue Möglichkeiten kennenlernen und diese sinnvoll in den Unterricht integrieren können.
KI als Copilot statt Autopilot
Wie tiefgreifend die Veränderungen sein könnten, zeigte Gastreferent Primo Amrein, AI National Skills Director von Microsoft Schweiz. Für ihn ist KI keine vorübergehende Modeerscheinung, sondern eine Basistechnologie, vergleichbar mit Elektrizität oder dem Internet. Entscheidend ist für ihn allerdings, welche Rolle der Mensch der Technologie gibt. Amrein verwendete dafür das Bild des Copiloten: «Es ist nicht der Pilot, und es ist auch nicht der Autopilot», sagte er. KI könne Menschen unterstützen, Vorschläge machen und Routinearbeiten übernehmen. Die Entscheidung müsse aber beim Menschen bleiben. Als Beispiel nannte er einen erfahrenen Chirurgen, der bei komplexen Eingriffen KI zur zusätzlichen Absicherung nutzt.
«Diese Entwicklung lässt sich nicht allein durch Ablehnung gestalten», argumentierte Amrein. Entscheidend seien deshalb klare Regeln sowie die gezielte Förderung von Kompetenzen, damit die Bevölkerung sicher, kritisch und verantwortungsvoll mit der Technologie umgehen kann. Microsoft hat sich daher auch zum Ziel gesetzt, bis 2027 eine Million Menschen in der Schweiz in KI-Grundlagen zu schulen.
Grundkompetenzen werden wichtiger
Für Schulen stellt sich damit die Frage, welche Fähigkeiten Kinder und Jugendliche künftig benötigen. Amrein warnte davor, Lesen, Schreiben oder Problemlösen wegen leistungsfähiger KI-Systeme geringer zu gewichten. Das Gegenteil sei der Fall: Gerade weil Maschinen immer überzeugendere Antworten liefern, brauche es Wissen, um diese überprüfen und einordnen zu können.
Verändern dürfte sich hingegen die Arbeitswelt. Repetitive Wissensarbeit könne zunehmend durch KI unterstützt oder teilweise automatisiert werden. Tätigkeiten, die handwerkliches Können, zwischenmenschliche Fähigkeiten, Kreativität oder ein breites Verständnis verlangen, dürften dagegen weiterhin stark gefragt sein. Entscheidend werde die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine. Amrein nannte dabei drei besonders wichtige Fähigkeiten: Kommunikation, Neugier und Kreativität.
Mehr als digitale Kompetenz
Zum Abschluss rückte Schulpräsident Vital Hotz die technologische Euphorie nochmals in einen grösseren Zusammenhang. «KI-Kompetenz wird zweifellos zu einer wichtigen Zukunftskompetenz. Sie allein reicht jedoch nicht aus. Ebenso wichtig sind Respekt, Verantwortung, kritisches Denken, eine realistische Selbsteinschätzung und Einfühlungsvermögen.» Damit verbindet die Schule Baar ihren KI-Schwerpunkt bewusst mit ihrem pädagogischen Auftrag. Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, neue Werkzeuge zu nutzen, ohne ihnen blind zu vertrauen.


