Parteiforum Baar: Thema passend zur Hitzewelle
26.08.2026 Parteiforum, Politik«Wie soll Baar zukünftig mit Hitzewellen umgehen?»
Diesen Sommer halten mehrere Hitzewellen Europa und die Schweiz im Griff, ein Ausdruck der fortschreitenden Klimakrise. Neben schönem Bade- und Ausflugswetter zeigen sich auch die Schattenseiten: Bäche trocknen aus, Sportplätze verdorren, Gletscher schmelzen schneller, auf den Alpen fehlt den Kühen Wasser und Futter, und die Waldbrandgefahr steigt. Auch für Menschen wird die Hitze zunehmend gefährlich, im schlimmsten Fall sogar tödlich.
1. Welche Risiken sehen die Parteien speziell für Baar in künftigen Hitzeperioden? 2. Wie beurteilen sie die vorgesehenen Massnahmen der Baarer Hitzestrategie? Welche davon unterstützen sie ausdrücklich, welche sehen sie kritisch und weshalb?
3. Welche Massnahmen soll die Gemeinde prioritär umsetzen?
Die Frage kommt dieses Mal von der ALG.
Die Mitte
Anita Langenegger Kantonsratskandidatin (neu)
Die Mitte Baar
Risiken für Baar
Der Klimawandel macht auch vor Baar nicht halt. Hitzewellen werden häufiger und intensiver. Besonders ältere und vulnerable Menschen sind betroffen. Auch Natur, Grünräume und Aufenthaltsqualität leiden. Die Gemeinde soll dort handeln, wo verhältnismässige Massnahmen konkret etwas bewirken.
Sinnvolle Ansätze – mit Augenmass
Den Erhalt und die Pflanzung von Bäumen und Sträuchern sowie die Aufwertung von Grün- und Aufenthaltsflächen unterstützen wir. Auch eine höhere Grünflächenziffer ist sinnvoll. Gleichzeitig wächst Baar und braucht weiterhin Wohnraum. Klimaanpassung muss deshalb mit einer sinnvollen Siedlungsentwicklung vereinbar sein.
Keine pauschalen Vorgaben
Kritischer sehen wir die Pflicht zur Dach- und Fassadenbegrünung. Je nach Gebäude und Standort braucht es unterschiedliche Lösungen. Gerade bei bestehenden Gebäuden können Anpassungen teuer sein. Statt pauschaler Vorgaben braucht es praxistaugliche und tragbare Lösungen.
Gemeinde soll Vorbild sein
Die Gemeinde soll eigene Gebäude und öffentliche Räume klimaangepasst gestalten – mit Schatten, Bäumen und Grünflächen. Bei neuen Arealentwicklungen soll der Hitzeschutz früh berücksichtigt werden. Private Eigentümer sollen mit Beratung und freiwilligen Förderungen unterstützt werden.
Baar soll sich auf zunehmende Hitzewellen vorbereiten – pragmatisch, generationengerecht und mit Augenmass.
SVP
Markus Widmer, SVP Baar, Kantonsratskandidat und Mitglied der Sozialhilfekommission
Pragmatismus und Menschenschutz vor Ideologie
Auf häufigere Hitzeperioden muss sich Baar vorbereiten. Im Vordergrund steht dabei der Schutz besonders gefährdeter Menschen wie älterer und gesundheitlich angeschlagener Personen sowie Kinder. Deshalb sind Alterszentren, Spitäler und Schulen beim Hitzeschutz prioritär zu behandeln. Dazu gehören insbesondere vereinfachte bauliche und bewilligungsrechtliche Grundlagen für Klimaanlagen und andere Kühlsysteme sowie gezielte Beschattung und Baumpflanzungen.
Versiegelung begrenzen
Wie die SVP Baar bereits 2022 zur Hitzestrategie der Gemeinde festhielt, ist auch ein verantwortungsvoller Umgang mit unserem Boden zentral. Gerade für Quartiere am Siedlungsrand sieht die Strategie der Gemeinde vor, die Durchgrünung zu erhalten sowie Versiegelung und Unterbauung zu begrenzen. Auch deshalb lehnt die SVP Baar den geplanten Landkauf der Gemeinde am Rosenweg ab. Es ist widersprüchlich, wenn die Gemeinde einerseits die Versiegelung in Quartieren am Siedlungsrand begrenzen will und andererseits eine hochverdichtete Bebauung auf einer Wiese in einem solchen Gebiet fördert.
Keine staatliche Überreglementierung
Ebenso kritisch sehen wir flächendeckende neue Vorschriften und kostentreibende Auflagen für Private. Der Staat soll gute Rahmenbedingungen für den Umgang mit Hitze schaffen und nicht jede einzelne Massnahme vorschreiben.
SP
Ronahi Yener, Kantonsrätin und Vorstandsmitglied SP Baar
Hitzeschutz ist auch eine soziale Frage
Die zunehmenden Hitzewellen zeigen: Die Klimakrise ist deutlich spürbar auch in Baar angekommen. Besonders betroffen sind ältere Menschen, Kinder und gesundheitlich vulnerable Personen. Hitze ist deshalb auch eine soziale Frage: Nicht alle können ihr gleich gut ausweichen. Wer keinen kühlen Wohnraum oder privaten Garten hat, ist umso mehr auf schattige und attraktive öffentliche Räume angewiesen.
Die SP Baar unterstützt die Baarer Klimastrategie. Begrünung, Beschattung, weniger Versiegelung und eine bessere Versickerung von Regenwasser sind wichtige Massnahmen. Der Schulhausplatz Inwil zeigt aber exemplarisch, wo noch Potenzial besteht: wenig Grün und vor allem zu wenige schattige Aufenthaltsbereiche. Gerade bei Schul- und Spielplätzen soll die Gemeinde mit gutem Beispiel vorangehen.
Wirksamer Hitzeschutz braucht verschiedene Lösungen: natürliche und bauliche Beschattung, klimaresiliente Grünflächen und das Schwammstadtprinzip. Schatten muss bereits bei Wettbewerbsverfahren ein verbindliches Qualitätskriterium sein. Auch Innenräume sind wichtig. Schulen sowie Alters- und Pflegeheime müssen während Hitzewellen gesundheitlich verträgliche Temperaturen gewährleisten können. Wo passive Kühlung nicht ausreicht, soll auch eine effiziente Klimatisierung möglich sein – sinnvoll kombiniert mit lokalem Solarstrom.
Mit der Hitzestrategie hat Baar frühzeitig eine fundierte Grundlage geschaffen und die richtigen Handlungsfelder erkannt. Darauf gilt es aufzubauen und die Massnahmen konsequent weiterzuentwickeln. Für eine lebenswerte Gemeinde - auch an heissen Tagen.
GLP
Arne Tvedt Vizepräsident GLP Zug
Packen wir es an
1,5 bis 2 Grad, dies der Anstieg der mittleren Jahrestemperatur gegenüber der vorindustriellen Zeit. Das klingt nach wenig, entspricht aber einer Verschiebung der historischen Klimazonen um mehrere hundert Kilometer. Der «italienische Sommer» ist keine Laune des Klimas, sondern die neue Norm, und diese bekommt nicht allen gleich gut. Abhilfe tut Not, und diese erfordert mehr Sorgfalt bei der Planung und Konsequenz bei der Umsetzung.
Hitzeinseln vermeiden und die Stadt wieder begrünen
Mineralische Oberflächen wie Asphalt, Beton, Stein erwärmen sich deutlich stärker als Wiesen, Büsche, Bäume. Zudem spenden letztere Schatten und verbessern so das lokale Mikroklima. Leider wird immer mehr Fläche versiegelt, um dem steigenden Verkehrsaufkommen gerecht zu werden und weil versiegelte Flächen pflegeleicht sind und weniger Aufwand erfordern. Hier braucht es ein Umdenken, sind Fantasie und Engagement gefordert – oder wir verschreiben uns, wie unsere südlichen Nachbarn, eine Siesta und holen abends/nachts nach, was wir tagsüber versäumt haben.
Waldbrände und andere Katastrophen
Der mitteleuropäische Mischwald ist recht widerstandsfähig in Bezug auf das Entstehen grossflächiger Waldbrände, aber wir müssen ihm Sorge tragen, ihn nicht durch ertragsoptimierte Baumäcker ersetzen und als Freizeitnutzer des Waldes die vorgegebenen Anweisungen (kein Feuer...) strikt einhalten. Dies ist ein bescheidenes Opfer für den Erhalt einer intakten Natur.
Also dann, es gibt viel zu tun, packen wir es an.
FDP
Jenny Beeler, Kantonsratskandidatin
Hitze ernst nehmen
Zugegeben, mediterrane Sommerabende haben ihren Reiz. Doch zunehmende Hitzewellen bringen Mensch, Tier und Natur an ihre Grenzen.
Baar hat mit der Hitzestrategie wichtige Grundlagen geschaffen
Mehr Begrünung, entsiegelte Flächen und hitzeangepasste Arealentwicklungen verbessern die Lebensqualität. Wichtig ist, Prioritäten zu setzen: Aktuell ist die dringendste Aufgabe, vulnerable Menschen zu schützen. Verzichten können wir auf bürokratische Hürden und überholte Vorurteile gegenüber technischen Lösungen. Zielkonflikte gilt es pragmatisch anzugehen: Begrünte Flachdächer schützen vor Hitze, können aber mit Photovoltaik konkurrieren. Bäume brauchen Platz für Krone und Wurzeln, was beim verdichteten Bauen zu Schwierigkeiten führen kann. Die Förderung freiwilliger Massnahmen ist begrüssenswert. Oft entstehen gute Lösungen dort, wo Gemeinden, Unternehmen und Private gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Nicht nur Folgen, sondern auch Ursachen angehen
Der Klimawandel ist Realität. Es braucht Technologieoffenheit statt Denkverbote. Die zunehmende Elektrifizierung erhöht den Strombedarf, saubere Energie wird immer wichtiger. Den Klimawandel können wir nicht alleine lösen, internationale Klimaabkommen setzen wichtige Leitplanken. Als Hightech-Land können wir aber Verantwortung übernehmen und mit Forschungsnetzwerken und innovativen Cleantech-Start-ups vorangehen.
Klimawandel und Klimaanpassung sind keine Frage der Ideologie, sondern der Verantwortung!
ALG
Michael Enz, Kantonsratskandidat und Vorstandsmitglied ALG Baar
Hitze ist kein Sommerproblem, sondern eine Zukunftsaufgabe
Hitzewellen werden häufiger und auch Baar ist betroffen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder und gesundheitlich angeschlagene Personen. Gleichzeitig leiden Bäume, Gewässer und Grünflächen. Dicht bebaute und versiegelte Quartiere heizen sich stark auf. Jetzt gilt es, unsere Gemeinde so weiterzuentwickeln, dass sie auch in Zukunft lebenswert bleibt.
Strategie ist gut – jetzt braucht es Tempo
Die ALG Baar unterstützt die Hitzestrategie des Gemeinderats. Mehr Bäume, weniger versiegelte Flächen, klimaangepasstes Bauen und attraktive Grünräume sind die richtigen Ansätze. Wir dürfen nicht warten, bis eine Strasse oder ein Quartier ohnehin saniert wird. Es müssen Begrünungen, Beschattungen und Entsiegelungen rasch realisiert werden. Der heisse Sommer zeigt, dass der Handlungsbedarf bereits heute besteht.
Prioritäten setzen
Für die ALG Baar haben drei Massnahmen Vorrang: Erstens mehr schattenspendende Bäume und Grünräume im Siedlungsgebiet. Zweitens die konsequente Entsiegelung öffentlicher Flächen, damit Regenwasser versickern kann und natürliche Kühlung entsteht. Drittens müssen alle gemeindeeigenen Bauprojekte als Vorbild vorangehen und die Klimaanpassung verbindlich berücksichtigen.
Wer heute investiert, schützt die Gesundheit sowie die Lebensqualität und spart morgen hohe Folgekosten. Jeder gepflanzte Baum und jeder entsiegelte Quadratmeter machen Baar bereit für die Zukunft.
Das Parteiforum
Diese Rubrik soll den Ortsparteien die Möglichkeit geben, zu einem aktuellen Thema Stellung zu beziehen. Vorgegeben werden die Themen reihum von den Parteien selbst.
Das Parteiforum erscheint sechsmal im Jahr in der Baarer Zytig. Für das vorgegebene Thema, wie auch für die Antworten, sind die Parteien, und nicht die Baarer-Zytig-Redaktion verantwortlich.

