Baarer Franken kosten 172’000 Franken extra
04.11.2026 GesellschaftIm Dezember dürfen sich 25’540 Baarerinnen und Baarer über ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk freuen. Sie erhalten von der Gemeinde einen Gutschein im Wert von 100 Franken. Einlösen können sie diesen bei den teilnehmenden Betrieben des Gewerbevereins Baar.
RAHEL HEGGLIN
Grund dafür ist der erfreuliche Rechnungsabschluss der Gemeinde. Diese hat das Jahr 2025 mit einem Ertragsüberschuss von 55,5 Millionen Franken abgeschlossen. An der Gemeindeversammlung vom 10. Juni wurde deshalb darüber diskutiert, ob ein Teil davon an die Bevölkerung zurückfliessen soll. Die Mitte schlug vor, jeder Einwohnerin und jedem Einwohner 15 Baarer Franken auszuzahlen. Die SP wollte grosszügiger sein und beantragte 100 Franken pro Person. Mit 138 zu 127 Stimmen setzte sich schliesslich dieser Vorschlag durch. Der Gemeinderat selbst hatte sich gegen eine Auszahlung ausgesprochen.
Bevölkerung und Gewerbe profitieren
Mit der Auszahlung sollen gleich zwei Ziele erreicht werden: Die Bevölkerung erhält einen Teil des Ertragsüberschusses zurück, gleichzeitig soll das lokale Gewerbe gestärkt werden. Eine direkte Auszahlung wurde nicht geprüft, da der angenommene Antrag ausdrücklich Baarer Franken vorsah. «Insgesamt sind 25’540 Personen anspruchsberechtigt. Das sind diejenigen, welche am 10. Juni 2026 um 17 Uhr in Baar angemeldet waren», erklärt Gemeindepräsident Walter Lipp. Daraus ergibt sich ein Gutscheinvolumen von 2,554 Millionen Franken.
Migros und Coop ausgeschlossen
Allerdings können die Gutscheine nicht überall eingelöst werden. Wie die Gemeinde auf Anfrage bestätigt, müssen teilnehmende Betriebe Mitglied des Gewerbevereins Baar sein. Migros und Coop gehören deshalb nicht zu den Einlösestellen. Andere Unternehmen können sich beteiligen, sofern sie dem Gewerbeverein angehören und bereit sind, die Gutscheine anzunehmen. Laut Gemeinde führt der Verein derzeit eine entsprechende Umfrage bei den Baarer Gewerbetreibenden durch. «Ob die Baarer Franken auch für gemeindeeigene Angebote wie das Hallenund Freibad Lättich verwendet werden können, wird derzeit noch geprüft», erklärt der Gemeindepräsident. Eine Übersicht sämtlicher teilnehmender Betriebe soll der Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden.
Wer profitiert schlussendlich?
Die unterschiedlichen Voraussetzungen der Branchen könnten sich auf die Verteilung der Gelder auswirken. Denn während beispielsweise Restaurants oder kleinere Lebensmittelgeschäfte regelmässig besucht werden, sind Malerarbeiten oder der Einbau eines Cheminées seltenere Ausgaben. Welche Branchen letztlich von dieser Aktion besonders profitieren, bleibt offen. Bei welchen der teilnehmenden Betriebe die Gutscheine eingelöst werden, entscheiden die Baarerinnen und Baarer schliesslich selbst. Die 100 Franken müssen auch nicht auf einmal ausgegeben werden. Der Betrag lässt sich auf mehrere Einkäufe und verschiedene teilnehmende Geschäfte verteilen.
Einfaches Einlösen, direkte Vergütung
Im Dezember werden die persönlichen Gutscheine per Post verschickt. Jeder Brief enthält einen individuellen QR-Code, der direkt als Gutschein verwendet werden kann. Ein Smartphone ist dafür nicht erforderlich. «Der Gutschein kann aber auch aufs Smartphone geladen und so eingelöst werden», erklärt Lipp. Auch für die teilnehmenden Gewerbebetriebe erfolgt die Abwicklung digital. Sie werden in das Gutscheinsystem e-guma eingebunden, über das die eingelösten Beträge erfasst und abgerechnet werden. Die Auszahlung an die Unternehmen erfolgt direkt durch die Gemeinde. Gebühren oder Kommissionen fallen für die Betriebe keine an. Sie erhalten den vollständigen Gegenwert der eingelösten Gutscheine. Nach Ablauf der zweijährigen Gültigkeitsdauer verfallen nicht eingelöste Gutscheine. Die entsprechenden Beträge werden der Gemeinde nicht belastet.
Zusätzliche Kosten für die Gemeinde
Nebst dem Gutscheinvolumen von gut 2,5 Millionen Franken kommen weitere Kosten auf die Gemeinde zu. Die Einführung des digitalen Systems, die Kommissionen, der Druck und Versand der Schreiben sowie die Entschädigung des Gewerbevereins kosten nochmals rund 172’000 Franken. Darin nicht enthalten sind die Personalkosten der Gemeindeverwaltung, wie es auf Anfrage heisst.
Allein der Gewerbeverein erhält für seinen Aufwand 20’000 Franken. «Der Gewerbeverein muss seine Mitglieder über die Aktion informieren und sie motivieren daran teilzunehmen», begründet die Gemeinde diesen Zustupf. Zudem seien die Vorstandsmitglieder des Gewerbevereins intensiv an den Vorbereitungsarbeiten und der Lancierung der digitalen Gutscheine beteiligt gewesen und würden die Verteilaktion begleiten und auch in der Nachbereitung mitarbeiten. «Diese Aufwände werden angemessen entschädigt», heisst es weiter.
Digitale Lösung bleibt bestehen
Mit dem Ende der Gutscheinaktion wird die digitale Plattform e-guma nicht verschwinden. Vielmehr soll das System anschliessend dem Gewerbeverein Baar übergeben werden, der den regulären Baarer Franken künftig ebenfalls digital, und nicht mehr ausschliesslich in Papierform anbieten will. Die Kosten für weitere Aktionen trägt der Verein dann selbst. Damit profitiert das Baarer Gewerbe auch längerfristig von der Einführung der digitalen Lösung.
Für die Gemeinde bietet das System zudem den Vorteil, dass sich die eingelösten Gutscheine genau erfassen lassen. Nach Ablauf der zweijährigen Gültigkeitsdauer wird sich somit feststellen lassen, wie viele der insgesamt 2,554 Millionen Franken tatsächlich ausgegeben wurden. «Eine Auswertung nach Branchen beziehungsweise Betrieben ist nicht vorgesehen», erklärt der Gemeindepräsident. Damit wird sich zwar beziffern lassen, wie viel Geld durch die Gutscheinaktion tatsächlich ins Baarer Gewerbe geflossen ist. Wie sich dieser Betrag auf die verschiedenen Branchen und Unternehmen verteilt hat, bleibt hingegen offen.



