Bienen brauchen unseren Schutz

  03.06.2026 Natur/Umwelt

Umwelt Bienen sind wichtig für unser Ökosystem, das ist unbestritten. Ebenso, dass sie in ihrer Existenz bedroht sind. Viele Menschen engagieren sich für ihren Schutz, auch in Baar. Ein Besuch im Bienenhaus.

ANNETTE KNÜSEL

Bienen haben eine starke Lobby: international, national und auch lokal. Jedes Jahr am 20. Mai erinnert der «Weltbienentag» an die Bedeutung der Biene für uns Menschen. Ausgerufen wurde er 2018 von den Vereinten Nationen. In Bundesbern lädt eine der grössten parlamentarischen Gruppen – die parlamentarische Gruppe «Bienen» – seit 2019 alljährlich zum «Honigfrühstück» ein. Und gerade hat der Dachverband der Schweizerischen Bienenzüchtervereine eine «Bienen-Initiative» lanciert, die Bund und Kantone in die Pflicht nehmen will.

In Baar engagiert sich zum Beispiel Lukas Dossenbach für die Bienen. Bereits 14-jährig hat er seine Liebe zu diesen «faszinierenden Wesen» entdeckt. Seit einigen Jahren lädt Dossenbach aus Anlass des Weltbienentags zum «Tag des offenen Bienenhauses» auf den Hof Arbach ein.

Mehr als 600 Bienenarten in der Schweiz
So auch in diesem Jahr. Es ist ein heisser Tag, und doch haben sich einige Interessierte eingefunden. Bevor Dossenbach seine Besucher zum Bienenhaus führt, wo er mehrere Honigbienenvölker hält, ist es ihm ein Anliegen, auch die Wildbienen zu erwähnen.

Es gibt in der Schweiz mehr als 600 verschiedene Wildbienenarten, weltweit sind es etwa 25’000. Honigbienen existieren fast nur noch in domestizierter Form. «Die wild lebende Honigbiene ist vom Aussterben bedroht», hält Dossenbach fest. Aus ihr haben die Menschen ein sanftmütiges, viel Honig produzierendes Nutztier gezüchtet, das in freier Natur nur geringe Überlebenschancen hat. Unter der Obhut der Menschen lebt sie in Bienenstöcken, in Völkern mit 10’000 bis 40’000 Arbeiterinnen und 2’000 bis 3’000 Drohnen. Sie sammelt Nektar und Pollen. Dafür fliegt sie bis zu zehn Kilometer weit. Aus dem gesammelten Nektar mit etwa 80 Prozent Wassergehalt produziert sie Honig mit maximal 18 Prozent Wassergehalt. Sie ist ein «Generalist» und sammelt Nektar von den verschiedensten Pflanzen.

Spezialisierte Wildbienen haben es schwer
Anders die vielen, oft solitär lebenden Wildbienenarten. Sie sind wenig flexibel, wenn es um die Anpassung an neue Lebensumstände geht. Sie benötigen artspezifische Nistplätze (oft im Boden), haben einen Flugradius von lediglich 50 bis 300 Metern. Sie legen ihre Eier in kleine Gänge, die sie mit einem Pollen-Nektar-Depot verschliessen. Es dient der Brut als Nahrung, bis sie im nächsten Jahr schlüpft. Manche Arten polstern die Nistplätze mit Blättern, andere benötigen eine bestimmte Art von Erde.

Auch bei der Ernährung sind Wildbienen «Spezialisten». Viele Arten sind auf eine spezifische Pflanze angewiesen, und oft sind sie die einzigen, die weit genug in die Blüte hinein krabbeln können, um sie zu bestäuben. Die Abhängigkeit ist also beidseitig: Stirbt die Pflanze aus, stirbt die Bienenart mit. Und umgekehrt. Und so wundert es nicht, dass rund 45 Prozent aller Wildbienenarten auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten stehen.

«Nehmen die Honigbienen den Wildbienen die Nahrung weg?», fragt ein Besucher kritisch. Dossenbach lüpft die Braue: «Wir Menschen haben den Lebensraum und die Nahrungsangebote aller Insekten reduziert, somit sollten wir dort anfangen zu unterstützen und diese wieder aufzubauen.» Während der Führung durch sein Bienenhaus gibt er viele Hinweise, wie jeder einzelne Bienen unterstützen kann. Man kann lokal und biologisch kaufen, zum Beispiel Obst von Streuobstwiesen. Mut zur Unordnung im eigenen Garten haben und Pflanzenabfälle nicht gleich wegräumen. Sie können den Insekten als Wohnstätte dienen. Den Garten mit einheimischen Pflanzen gestalten. Einen Teil des Rasens durch eine Wiese mit wilden Blumen ersetzen. Löcher ausheben und mit Bienensand füllen oder Lehmsteilwände errichten. Denn: «Biodiversität hilft oft mehreren Lebewesen, so auch den Honig- und Wildbienen», hält Dossenbach fest. Das sind sehr kleine Massnahmen, aber immerhin.


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