Der «Tag der Nachbarschaft» hält Einzug in Baar

  03.06.2026 Gesellschaft

In fünf Quartieren wurde am vergangenen Freitag auf gute Nachbarschaft angestossen. Die Gemeinde unterstützte die Feste organisatorisch und finanziell. Damit möchte sie die Gemeinschaft im Dorf stärken.

ANNETTE KNÜSEL

Elena Lüthi von der Informationsstelle für Altersfragen «falter» ist sehr zufrieden. «Wir haben nicht gewusst, ob sich jemand traut, ein Projekt einzureichen», erinnert sie sich an die Ausschreibung vom vergangenen Oktober. Dass sie und ihre Kollegin Manon Rüfli jetzt gleich fünf Initiativen begleiten konnten, freut sie ungemein: «Es macht Spass, etwas anzureissen, was Anklang findet.»

Fast alle eingereichten Projekte konnten realisiert werden. Lüthi und Rüfli haben dabei vor allem im Hintergrund Abklärungen gemacht und Tipps gegeben. Sie hoffen, dass sie damit nicht nur in diesem Jahr schöne Feste ermöglicht haben, sondern auch genug Schwung mitgeben konnten für eine Fortsetzung in den kommenden Jahren. So dass sie im nächsten Jahr neue Projektideen bei der Umsetzung begleiten können.

Gemütliches Beisammensein und Schreibwerkstatt
In Inwil haben eine Privatperson, die Nabia und der Verein frohes Alter (VfA) zusammengespannt und zum Grill- und Spieleabend eingeladen. An der Rainhalde waren Tische und Bänke aufgestellt. Es gab Jasskarten und Bocciakugeln, später konnte man Hufeisen werfen. Auf einem Grill konnte jeder seine mitgebrachten Sachen grillieren, Kuchen wurde offeriert, Getränke konnte man kaufen. Dann ergriff Iris Siegel, Präsidentin des Vereins frohes Alter (VfA), das Wort und hielt eine Ansprache. Der Text dafür war zuvor von einer KI generiert worden. «Danke, Nabia, dass ihr Räume schafft, wo Menschen zusammenkommen können», las Siegel vor. Allgemeiner Applaus.

Neben Siegel sass Sofiia, die an der HSLU «Digital Ideation» studiert. Bei ihr konnte man einen «Prompt» – also eine Anweisung für die KI – in Auftrag geben. Damit liess Sofiia die KI den gewünschten Text schreiben, zum Beispiel eine Einladung. Aber man konnte auch selbst Texte verfassen oder einfach Grüsse und Wünsche auf kleine Karten schreiben. Diese wurden dann an Luftballonen befestigt und um 18.30 Uhr in den Abendhimmel geschickt – ein herrlicher Anblick.

Ein Flohmarkt mit Kuchenverkauf und Gratisgetränken
In der Chriesimatt findet in diesem Jahr schon zum dritten Mal ein Sommerfest statt. Deshalb wollte man am «Tag der Nachbarschaft» etwas Besonderes machen und entschied sich für einen Flohmarkt. Insgesamt 14 Stände waren am Freitagnachmittag aufgebaut. Die meisten waren von Kindern für Kinder gemacht. Noah und Emilia boten selbst gefertigte Dinosaurier und Echsen aus dem 3D-Drucker an. Ella und Johanna hatten einen Gemeinschaftsstand mit Büchern, einem Puppenhaus, verschiedenen Gummistiefeln und anderen Dingen. Julian und Max hatten die Idee gehabt, selbst gepflückte Blumensträusse anzubieten, und ergänzten ihr Sortiment fortlaufend. Zu Beginn des Flohmarkts wurde eifrig ge- und verkauft. Gegen Abend gingen die Kinder zu Tauschgeschäften über. Erst um 20.30 Uhr waren alle Stände wieder abgebaut, das gemütliche Beisammensein der Erwachsenen dauerte noch länger. Organisatorin Joëlle Vogt sagt: «Viele Eltern kennen sich vom Spielplatz. Aber es gibt immer auch Leute, die man noch nicht kannte.» Vielleicht sieht man sich dann im August beim Sommerfest wieder.

Schnitzeljagd für die Kleinen und Picknick für alle
In der Überbauung Vogelwinkel war der Tag der Nachbarschaft das erste gemeinsame Fest. Magdalena Stelzer und ihr Mann hatten den Aufruf der Gemeinde gehört und einen Antrag für ein Nachbarschaftspicknick eingereicht. Sehr schnell hatte die Gemeinde sich zurückgemeldet und Unterstützung zugesagt. Ein Treffen in der Fachstelle für Altersfragen «falter» wurde vereinbart, wo das Ehepaar nützliche Tipps für die Organisation erhielt. «Das war sehr unkompliziert und ganz hilfreich», erinnert sich Stelzer. Sie informierte mit einem Save-the-date-Flyer alle Nachbarn. Drei andere Parteien wollten gerne bei der Organisation mitmachen. Weitere Nachbarn meldeten sich, um einfach zu sagen, dass sie sich auf das Fest freuen. Und so kamen am «Tag der Nachbarschaft» knapp 50 Nachbarn an einem schattigen Platz im Vogelwinkel zusammen. Jeder brachte etwas zu essen mit, und es gab eine Schnitzeljagd mit acht Stationen für die Kinder. Als Belohnung lockten Bonbons und grosse Eimer mit Seifenlauge. Für riesige, wunderschöne Seifenblasen. Als die letzten Nachbarn gegen 21 Uhr zusammenpackten waren sie sich einig: «So etwas machen wir nächstes Jahr auf jeden Fall wieder.»

Auch die Kirchen pflegten die Nachbarschaft
Auch die beiden Kirchen haben sich angeschlossen und – ohne die Unterstützung der Gemeinde – einen Anlass ausgerichtet. Die Reformierte Kirche als «älteste Nachbarin seit 1867» hatte zu einem offenen, ungezwungenen Znacht auf dem Kirchplatz Haldenstrasse mit Brot, Wurst und etwas Süssem eingeladen. Auch bei der Katholischen Kirche konnte man sich treffen. In der «Offenen Wohnstube unter dem St. Martinszelt» gab es neben Kaffee und Kuchen auch eine Anleitung zum gemeinsamen Malen eines Bildes.


Ein Bild der Gemeinschaft

Für einen Nachmittag wurde das Martinszelt zum Wohnzimmer der Nachbarschaft. Bei strahlendem Sonnenschein kamen Menschen aller Generationen zusammen, um Zeit miteinander zu verbringen, miteinander ins Gespräch zu kommen und die besondere Atmosphäre eines offenen Miteinanders zu geniessen. Auf den Sofas unter dem Zelt wurde gelacht, gespielt, Musik gehört und das Leben für ein paar Stunden gemeinsam geteilt. Kaffee, Kuchen, Eis und ein Apéro rundeten den Tag ab.

Im Mittelpunkt stand jedoch ein Projekt, das viele Besucherinnen und Besucher länger beschäftigte als ursprünglich gedacht: Auf einer übergrossen Leinwand entstand ein gemeinsames Kunstwerk mit Ginkgo-Blättern als Motiv. Mit Acrylfarben wurde gemalt, ausprobiert und gestaltet. Die eigentlichen Hauptkünstlerinnen und Hauptkünstler waren dabei die Kinder. Mit bemerkenswerter Ausdauer, grosser Kreativität und ansteckender Begeisterung arbeiteten sie fast vier Stunden lang an dem Bild. Während Erwachsene immer wieder einzelne Pinselstriche beisteuerten, waren es vor allem die Kinder, die dem Werk seine Farben, seine Dynamik und seinen Charakter verliehen.

Als das Gemälde schliesslich fertig war, war der Stolz deutlich spürbar. Die Kinder präsentierten ihr Werk mit leuchtenden Augen und sichtlicher Freude – ein Moment, der zeigte, wie viel entstehen kann, wenn Menschen gemeinsam etwas gestalten.

Dass ausgerechnet Ginkgo-Blätter das Motiv des Bildes waren, passte dabei erstaunlich gut zum Charakter des Tages. Das Ginkgo-Blatt gilt als Symbol für Beständigkeit, Zusammenhalt und die Schönheit der Vielfalt. Jedes Blatt ist einzigartig und doch Teil eines grösseren Ganzen. Genau dieses Bild spiegelte sich auch auf der Leinwand wider: Viele einzelne Beiträge fügten sich zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Was für das Kunstwerk galt, liess sich an diesem Nachmittag auch in der Gemeinschaft erleben.

Wer das Ergebnis selbst entdecken möchte, hat dazu in den kommenden Wochen Gelegenheit: Das Gemälde wird für eine gewisse Zeit im Pfarreiheim ausgestellt sein und dort an einen Tag erinnern, an dem aus vielen Begegnungen, Farben und Ideen etwas Bleibendes entstanden ist.
Für die Pfarrei: Lilly Leo


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