Ein neues Kapitel für die Baarer Frauen
11.03.2026 GesellschaftNach 107 Jahren ist Schluss: Der Reformierte Frauenverein löst sich an der Generalversammlung vom 24. März offiziell auf. Doch verschwindet die traditionsreiche Gemeinschaft nicht. Künftig treffen sich die Frauen als offener Frauentreff zweimal im Monat im Kirchgemeindehaus.
RAHEL HEGGLIN
Gegründet wurde der Evangelisch-Reformierte Frauenverein Baar im Jahr 1919. In einer Zeit, in der Reformierte in Baar eine Minderheit waren, übernahmen die Frauen wichtige soziale Aufgaben. Sie strickten für Bedürftige, packten Weihnachtspäckchen für Familien und Altersheime oder unterstützten Hilfswerke im In- und Ausland. «Früher hatte man wichtige Aufgaben», sagt Sybilla Graf, Co-Präsidentin. Mit dem Ausbau von Sozialdiensten und kirchlichen Angeboten haben sich diese Tätigkeiten jedoch stark verändert. Viele Aufgaben sind von professionellen Stellen übernommen worden, womit der Frauenverein zunehmend zu einem Ort der Begegnung wurde.
Der Bazar als Herzstück
In den vergangenen Jahrzehnten stand vor allem der jährliche Bazar im Dezember im Zentrum. Die Frauen zogen im Kirchgemeindehaus gemeinsam Kerzen und verkauften selbstgemachte Socken, Karten, Taschen und andere Handarbeiten. Der Erlös ging vollständig an soziale Projekte, unter anderem an die Kinderspitex oder an Hilfswerke mit Bezug zum Kanton Zug. Auch die Mission am Nil wurde unterstützt.
Doch auch dieses Standbein kann ins Wanken geraten. Immer weniger Frauen können langfristig Handarbeiten herstellen. «So lange wir noch genügend Frauen sind, die etwas machen, führen wir den Bazar weiter», sagt Brigitte Graf, ebenfalls Co-Präsidentin. Doch der Verkaufsstand werde von Jahr zu Jahr kleiner «und irgendwann geht es ohne neue Kräfte nicht mehr.» Für dieses Jahr ist der Bazar aber bereits geplant. Er wird in der Woche vom 28. November bis zum 4. Dezember stattfinden.
Vom Verein zum Frauentreff
Aktuell treffen sich die 17 Mitglieder zweimal im Monat am Dienstagnachmittag von 14 bis 16 Uhr im reformierten Kirchgemeindehaus. Die jüngste Teilnehmerin ist 60 Jahre alt, die älteste 97. Nachwuchs zu finden, sei schwierig. Viele jüngere Frauen seien berufstätig oder familiär stark eingebunden. Auch die Handarbeiten haben über die Jahre an Bedeutung verloren. Dazu kommt, dass es im Vorstand Rücktritte gibt und kein Ersatz unter den Mitgliedern gefunden werden konnte. Deshalb wurde im vergangenen Jahr einstimmig der Entscheid zur Auflösung des Vereins gefällt. Für die Mitglieder war aber entscheidend, dass die Gemeinschaft weiterbestehen kann. «Deshalb entsteht nun anstatt eines Vereins mit Vorstand, Generalversammlung und Mitgliederbeitrag ein offener Frauentreff», erklärt Brigitte Graf. So können sich die Frauen weiterhin zweimal im Monat im Kirchgemeindehaus treffen. Das bestehende Vereinsvermögen bleibt der Gruppe erhalten, solange der Frauentreff besteht.
Ein Ort für Gemeinschaft
Im Zentrum steht künftig noch stärker das Zusammensein. Viele der Frauen sind verwitwet und leben allein. Der Austausch bei Kaffee und Kuchen ist für sie ein wichtiger Fixpunkt im Monat. Der neue Frauentreff steht aber allen Frauen offen, unabhängig von Konfession oder Alter. Verpflichtungen gibt es keine. Wer möchte, bringt eine Handarbeit mit. Wer einfach plaudern will, ist ebenso willkommen. Mit der Auflösung des Frauenvereins endet zwar ein Stück Baarer Vereinsgeschichte. Gleichzeitig beginnt eine neue, einfachere Form des Miteinanders, unter derselben Idee wie vor über 100 Jahren: füreinander da zu sein.




