Eine Tonne Äpfel für alle Schülerinnen und Schüler

  29.01.2025 Bildung

Sie hat in Baar schon Tradition, die Apfelwoche an den Schulen. Während fünf Tagen erhalten alle Kinder in der Vormittagspause einen Apfel als Verpflegung. Viele greifen dankbar zu.

FRANZ LUSTENBERGER

Der blaue Pavillon im Schulhaus Wiesental. Pünktlich um viertel vor zehn strömen die Schülerinnen und Schüler in die Pause. Unten an der Treppe wartet bereits Andrea Thalmann. Die Lehrerin der Primarstufe ist im Wiesental für die Organisation der traditionellen Apfelwoche zuständig. Joleen, Laura, Laila und Fabio, alle aus der 6. Klasse, sind von der Apfelwoche angetan. «Die Äpfel sind saftig und gut, sie schmecken fein», sagen die vier übereinstimmend. Äpfel gehören bei ihnen immer wieder zur üblichen Pausenverpflegung; sonst halt auch Karotten und Gurken oder Sandwiches und Kuchen. Je nach Jahreszeit und «was es so gerade hat im Kühlschrank daheim».

Mit der Apfelaktion als Zwischenmahlzeit wollen die Schulen Baar eine gesunde Ernährung unterstützen, vor allem in der kalten Jahreszeit. Zudem leistet die Aktion – so die Medienmitteilung – «einen Beitrag, der jungen Generation unsere einheimische Produktion näherzubringen». Die Äpfel werden von der Landi Zug zum Selbstkostenpreis zur Verfügung gestellt.

«Essen statt Vertrinken»
Pate der schweizweiten Pausenäpfel-Aktionen war die Eidgenössische Alkoholverwaltung, welche im Auftrag des Bundes die Regeln für die Produktion, den Vertrieb und die Besteuerung des Alkohols erarbeitete und kontrollierte. Über kaum ein anderes Thema stimmte die Stimmbevölkerung mehr ab als über Alkohol – vom Absinth-Verbot bis zu Werbeeinschränkungen. Im 20. Jahrhundert wurden alkoholpolitische Massnahmen in die neu aufkommende Ernährungs-, Agrar- und Gesundheitspolitik integriert. Nach dem Motto «Essen statt Vertrinken» förderte die Alkoholverwaltung beispielsweise die Nutzung von Kartoffeln, Obst und Beeren zu Ernährungszwecken. So unterstützte sie wesentlich die Pausenapfel-Aktionen anfangs der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts, um die Jugend für einen vermehrten Obstkonsum zu sensibilisieren. Man propagierte Pausenäpfel, und parallel dazu sollten vermehrt auch Obstbäume gefällt werden. Immer mit dem Ziel, den Schnapskonsum in der breiten Bevölkerung zu reduzieren.

Zurück in die Gegenwart, und damit ins Schulhaus Wiesental. Die verantwortliche Lehrerin hält ein Schneidbrett und ein Rüstmesser bereit. «Vor allem die jüngeren Schülerinnen und Schüler sollen die Möglichkeit haben, auch nur einen halben Apfel oder gar nur einen Viertel des feinen Obstes zu nehmen.» Die angebotenen Äpfel sollten auch nicht zu gross sein. Es sei wichtig, dass die Abgabe «kindergerecht» gemacht werde. Das gelingt bestens – halbgegessene oder weggeworfene Äpfel finden sich beim Augenschein keine.

In den Baarer Schulhäusern werden im Rahmen dieser Woche insgesamt 161 Kistchen mit Äpfeln à je 6 Kilogramm verteilt. Das sind knapp eine Tonne Äpfel. Bildungs- und Gesundheitsdepartemente stehen hinter der Aktion, genauso wie der Schweizer Obstverband mit Sitz in Zug. Mit einem Infoblatt macht der Verband Schulen und Schulbehörden auf die Aktion aufmerksam. Während in einzelnen Gemeinden oder Kantonen die Eltern sich an den Kosten der Aktion beteiligen, ist dies in Baar anders: die Gemeinde übernimmt die gesamten Kosten für alle Äpfel.


Beliebteste Frucht

Schweizerinnen und Schweizer essen mehr als 16 Kilo Äpfel pro Kopf und Jahr – ob roh, als Saft oder getrocknet. Äpfel sind gesund: Sie enthalten viele Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Vitamin B1 ist wichtig fürs Gehirn, den Herzmuskel und für die Nerven. Die Aufmerksamkeit nach der Vormittagspause sollte so im Schulzimmer wieder erhöht sein. Für unterwegs ist ein Apfel die ideale Zwischenmahlzeit. Er gibt Energie und löscht den Durst. Und ist, dank einer grossen Sortenvielfalt und guter Lagerungsfähigkeit, das ganze Jahr erhältlich. Ein Apfel am Tag hält den Doktor fern, so eine alte Volksweisheit aus England. In englischer Sprache reimt sich dies nämlich viel besser: «An apple a day keeps the doctor away.»


Image Title

1/10

Möchten Sie weiterlesen?

Ja. Ich bin Abonnent.

Haben Sie noch kein Konto? Registrieren Sie sich hier

Ja. Ich benötige ein Abo.

Abo Angebote