Hier arbeitet der Chef noch selbst

  25.03.2026 Gesellschaft

In seiner Sattlerei in Baar lebt Patrick Mohler (54) seine Passion. Während der Arbeitszeit repariert er alles, was mit Leder zu tun hat. In der Freizeit geniesst er seine Oldtimer und fährt damit auf den Strassen in der Region um den Zugersee herum.

EDI WIDMER

Am Anfang war der Käfer. Patrick Mohler bekam mit 17 von seiner Grossmutter einen alten, orangen VW-Käfer zum Geburtstag. Zusammen mit seinem Vater restaurierte er das Fahrzeug. Dieser Käfer aus dem Jahr 1969 steht noch immer in seiner Werkstatt. Inzwischen ist er rot geworden und hat ein paar PS mehr auf dem Buckel.

«Wenn man seine Sachen pflegt, können sie Jahrzehnte überdauern», weiss Mohler. Sogar fast hundert Jahre überdauerte ein anderes Fahrzeug in der Sammlung des Sattlers. Es ist sein grösster Stolz: Ein Rolls-Royce Phantom I aus dem Jahr 1927. Mit ihm wurde der Besitzer ein Instagram-Star. Im letzten Jahr war er unterwegs mit seinem Oldtimer, der von hinten wie ein Schiff auf Rädern aussieht. Dabei filmte ihn ein erstaunter Töfffahrer, der das Video schliesslich auf Instagram stellte. Dort erreichte der Clip über 12 Millionen Aufrufe, und es wird sogar in Indien darüber berichtet. Ob das Schmuckstück auch mehrere Millionen Wert hat?

Mohler verrät dazu nur so viel: «Ein Auto ist einfach so viel wert, wie jemand dafür zahlt. Mir geht es nicht darum, wie viele Millionen darin stecken. Ich erfreue mich an der Geschichte meiner Fahrzeuge.» Und diese Geschichte hat es in sich: Der Rolls-Royce Phantom I aus dem Jahr 1927 gehörte zu Lebzeiten Queen Elizabeth II. Darin wurde die Königin zu besonderen Anlässen chauffiert.

Mit Disziplin Träume verwirklichen
Trotz des ganzen Glamours ist es Mohler wichtig zu betonen, dass er in erster Linie Handwerker sei. Es soll kein falsches Bild entstehen. «Handwerk, Disziplin und ein langer Atem machen Träume erreichbar», erklärt der Besitzer, «ich habe meinen Wagen zum Marktpreis ersteigert, finanziert aus vielen Jahren Arbeit und Sparsamkeit.»

Für den 54-Jährigen war der Berufswunsch schon früh klar. Dank seiner Faszination für Oldtimer erlernte er den Beruf des Sattlers. Er wollte das Handwerk erlernen, damit er auch seine eigenen Fahrzeuge in Bestform halten konnte. Weil es damals nur sechs Lehrlinge in der ganzen Schweiz gab, musste er in Bern in die Berufsfachschule. Aber er liess sich von nichts aufhalten. Bereits mit 20 Jahren machte er sich 1991 in Neuheim selbstständig. 1995 bezog er den jetzigen Firmensitz in Baar. Im Kanton Zug ist auch sein Zuhause. In der Region hat er alles, was er braucht. «Baar ist tolerant und weltoffen. Es ist ein guter Ort, um ein Geschäft zu haben», weiss Mohler.

Einfach ist es trotzdem nicht. Er arbeitet von Montag bis Freitag von 7.30 bis 17.30 Uhr in seiner Werkstatt. Selbstständig versteht er als «selbst und ständig». Mit viel Herzblut erfüllt er zusammen mit seiner langjährigen Mitarbeiterin Andrea Padrun vielfältige Wünsche seiner Kundschaft. Neben Autos und Motorrädern repariert er auch Boote, Möbel, Kleider, Handtaschen – einfach alles, was mit Leder zu tun hat. Es gibt nur wenige Sattler in der Schweiz. Deshalb und wegen seiner langjährigen Erfahrung landen viele Kunden bei ihm in der Werkstatt.

Patrick Mohler ist für alle da
Er erledigt Aufträge in allen Preissegmenten. So auch einfache Arbeiten wie das Reparieren eines kaputten Reissverschlusses. Bei ihm kann man fast alles vorbeibringen. «Wir versuchen, für alles eine Lösung zu finden», sagt der Baarer. Darum ist auch sein Kundenstamm sehr vielseitig. Zu seinen Auftraggebern gehören neben der Polizei, den Zugerland Verkehrsbetrieben, dem EVZ auch viele Expats. «50 Prozent der Kunden sprechen Englisch», erklärt Mohler.

Darunter sind auch immer wieder berühmte Kunden, deren Namen er jedoch nicht verraten darf. Auch die Wünsche können sehr speziell ausfallen. So kommt es vor, dass die Partnerin eines Kunden die passende Handtasche zum neuen Interieur möchte. Für den Sattler kein Problem. Auch Zigarrenetuis, die sich nur mit Fingerabdrucksensor öffnen lassen, hat der Baarer im Angebot.

Wer solche exquisiten Sachen im Sortiment hat, fällt auf. Im Kanton Zug kennt man ihn, vor allem natürlich wegen der antiken Rolls-Royce. Der Wiedererkennungswert dieser Autos ist sehr gross. Allerdings nur, wenn man damit auch draussen herumfährt. Es ist dem Fahrzeugliebhaber sehr wichtig, dass man die Oldtimer auch fährt. Sie sollen nicht in der Garage verstauben. «Das sind Fahrzeuge, keine Stehzeuge», sagt Mohler.


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