KI zwischen Alltag und Verantwortung

  22.04.2026 Gesellschaft

Dass das Thema «Künstliche Intelligenz» auf grosses Interesse stösst, zeigte sich am vergangenen Donnerstag in der Rathus-Schüür. Rund 60 Teilnehmende konnten zum Donschtig-Träff-Vortrag «Künstliche Intelligenz – Chancen und Risiken kennen» begrüsst werden.

RAHEL HEGGLIN

Eingeladen war Referent Nijo Scheibner, der dem interessiertem Publikum zeigte, wie rasant sich die neuen Werkzeuge rund um KI entwickeln, wo sie den Alltag erleichtern und weshalb trotz aller Begeisterung der Mensch in der Verantwortung bleibt.

Ein Thema, das alle betrifft
Künstliche Intelligenz sei längst nicht mehr Zukunftsmusik, sondern Teil des Alltags, machte Scheibner gleich zu Beginn deutlich. Ob beim Schreiben, Übersetzen, Programmieren, Gestalten oder Organisieren: Die Möglichkeiten würden von Woche zu Woche grösser. Gleichzeitig betonte er, dass viele Menschen noch immer eine falsche Vorstellung davon haben, wie solche Systeme funktionieren. «KI denkt nicht wie ein Mensch und versteht die Welt nicht im eigentlichen Sinn. Vielmehr setzt sie auf Wahrscheinlichkeiten, auf Muster und auf das Aneinanderreihen von Wörtern, Bildern und Zusammenhängen, die sie aus grossen Datenmengen gelernt hat», so Scheibner.

Vom Brief bis zur Bildbearbeitung
Besonders anschaulich wurde das Referat, als Scheibner konkrete Anwendungen aus dem Alltag zeigte. KI kann handschriftliche Texte lesen, Briefe verständlich machen oder unterwegs mit der Smartphone-Kamera helfen, Produkte und Umgebungen einzuordnen.

Auch im kreativen Bereich hat sich in kurzer Zeit viel verändert. Was vor wenigen Monaten bei Bildern oder Symbolen noch regelmässig falsch dargestellt worden ist, funktioniert inzwischen deutlich besser. Als Beispiel nahm er eine Luftaufnahme von Baar, die er mithilfe von KI in der Zeit zurückversetzte. Oder er komponierte ein Jazz-Lied innerhalb von Sekunden. Das Staunen, aber auch Schmunzeln über das Resultat war im Raum gut hörbar.

Weniger Aufwand, aber kein Ersatz
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie KI die Arbeitswelt verändert. Scheibner schilderte, dass vor allem beim Programmieren ein markanter Wandel stattfindet. «Noch vor einiger Zeit haben viele Fachleute die KI-Möglichkeiten getestet und dann wieder verworfen, weil die Resultate nicht genügt haben. Mit den neuen Modellen hat sich das stark geändert.» Heute sei KI im technischen Bereich oft ein nützliches Werkzeug, das Prozesse beschleunige und gewisse Arbeiten vereinfache. Der Referent veranschaulichte dies mit einem Beispiel: Eine Website, für die früher mehrere tausend Franken bezahlt worden sei, lasse sich heute mithilfe von KI in sehr kurzer Zeit vorbereiten. Das bedeute aber nicht, dass Fachwissen überflüssig werde. Vielmehr brauche es weiterhin Menschen, die Resultate beurteilen, korrigieren und in einen grösseren Zusammenhang stellen können.

Datenschutz, Recht und Verantwortung
Neben der Begeisterung für neue Möglichkeiten fehlten auch die kritischen Aspekte nicht. Aus dem Publikum kamen Fragen zu Datenschutz, zu gespeicherten Inhalten und zur Nutzung kostenloser Angebote.

Scheibner wies darauf hin, dass Gratisversionen häufig mit Daten arbeiten, die potenziell für das weitere Training von Modellen verwendet werden können, während kostenpflichtige Angebote eher andere Bedingungen bieten.

Zeitdruck brachte abruptes Ende
Zu den Gefahren hätte sich die Organisatorin noch mehr Informationen gewünscht. Leider war dies aus Zeitgründen nicht möglich. «Obwohl wir den Raum schon vor einem Jahr gebucht haben, wurde die Rathus-Schüür für einen anderen Anlass ab 10.30 Uhr vergeben», erklärte Monica Riedi. Sie war etwas enttäuscht, denn gerne hätte sie den Anwesenden die nötige Zeit für Fragen und Antworten gegeben. Stattdessen musste auch der Referent ab 10 Uhr einige Folien weglassen und relativ abrupt zum Schluss kommen. Dennoch war es ein aufschlussreicher, informativer und interessanter Donschtig- Träff, der eine verständliche Annäherung an ein Thema bot, welches Wirtschaft, Bildung und Alltag gleichermassen prägt.


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