Mobbing nimmt zu – und wird auch heftiger

  22.04.2026 Schule/Musikschule, Jugend

Schule Das Klima in der ist rauer geworden. Das spürt auch die Schule: Sie stellt eine steigende Tendenz bei Mobbing-Vorkommnissen fest. Mit einer Information an die Eltern will die Schulleitung zur Sensibilisierung beitragen.

FRANZ LUSTENBERGER

Wenn wir uns an die Kinder- und Jugendzeit erinnern, dann verknüpfen die meisten die Schule und den Schulweg mit schönen Erlebnissen. Das Zusammensein und das gemeinsame Lernen in einer positiven Atmosphäre sind wichtig für die Entwicklung in der Schule. Doch es kann auch ganz anders sein; die Schülerin oder der Schüler wird von seinen Gspänli gemobbt. Über einen Fall von Mobbing in Baar hat im März die Zeitung «zentral+» berichtet. Ein Bub wurde von seinen Mitschülern physisch und psychisch, rassistisch und mit Cybermobbing geplagt, Die Vorfälle sind bei der Schulsozialarbeit protokolliert. Verschiedenste Massnahmen seitens der Schulen Baar – etwa Gespräche mit allen Involvierten oder eine schriftliche Verwarnung an einen mobbenden Schüler oder eine Schülerin – wurden ergriffen und durchgeführt.

Die Schulen Baar halten in der Antwort auf Fragen der BaarerZytig fest: «Die Schulen Baar verfügen seit Jahren über ein einheitliches, schulhausübergreifendes und verbindliches Vorgehen bei Mobbingfällen.» Und weiter: «Dabei steht nicht die Schuldzuweisung, sondern die nachhaltige Beendigung des Mobbings und der Schutz der betroffenen Schülerin bzw. des betroffenen Schülers im Vordergrund.» Im konkreten Fall konnte aber das Mobbing nicht beendet werden. Es eskalierte nach dem Übertritt in die Oberstufe weiter; es folgten rassistische Beleidigungen. Mittlerweile besucht der Schüler eine ausserkantonale Privatschule. Der Fall stellt die grundsätzliche Frage, wie auf Mobbing in der Schule reagiert werden muss.

Respektvoller Umgang in der Schule
Entscheidend sind Prävention und auch das frühe Erkennen von Mobbing. In der Broschüre «Mobbing-Hilfestellung» für Schulen, herausgegeben vom Amt für Gesundheit, heisst es: «Eine Schulkultur, die einen respektvollen Umgang fördert und einfordert sowie die Aufklärung zu Mobbing breit abstützt, trägt wesentlich zur Mobbing-Prävention bei.» Prorektor Rafael Schaffhuser dazu: «Wir sind noch sensibler geworden.» Die Schulen Baar wollen sich in diesem Bereich weiterentwickeln, auch angesichts der stark zunehmenden Möglichkeiten für Mobbing in den Sozialen Medien. Mit dem Beginn des neuen Schuljahres wird ein Informationsschreiben zum Thema «Mobbing» an alle Erziehungsberechtigten versandt. Gedacht wird auch an spezifische Elternabende.

Der Prorektor verweist auch auf die Verantwortung der Erziehungsberechtigten von mobbenden Kindern: «Die Schule ist nicht allein in der Verantwortung.» Mobbing fände auch immer seltener im Schulzimmer statt und verlagere sich mit dem Aufkommen der Sozialen Medien in die Freizeit. Es kommt selten vor, dass sich Eltern bei der Schule mit dem Hinweis melden, sie seien in Sorge, dass ihr Kind andere mobbt. «Mobbing, mein Kind doch nicht», ist die verbreitete Haltung. Das Amt für Gesundheit setzt daher in seiner Hilfestellung ein Augenmerk auf die «kontinuierliche Elternbildung und -information».

Angst der betroffenen Kinder
Ein Verdacht oder Meldungen von Mobbing-Handlungen müssen ernsthaft überprüft werden. Erste Anlaufstellen sind die Klassenlehrpersonen und die Schulsozialarbeit. Oft würden gemobbte Kinder und Jugendliche Mobbing verneinen, etwa aus Angst, dass die Situation noch schlimmer werden könnte, wenn sie von den Mobbing-Angriffen berichten. Nadine Schuler, Schulsozialarbeiterin, betont die Bedeutung niederschwelliger Angebote, um Mobbing möglichst frühzeitig zu erkennen. Sie verweist auf den in Baar angewandten «No Blame Approach»: «Dabei wird ohne Schuldzuweisung und Bestrafung konsequent lösungsorientiert gearbeitet, mit dem Einbezug einer Unterstützergruppe, also Helferinnen und Helfern aus der Klasse.» Die Ideen, wie die Helfergruppe den betroffenen Kindern und Jugendlichen helfen könnte, bringen sie selber an der Helfersitzung ein. Die Klasse oder Gruppe wie auch die betroffenen Eltern sind im Prozess einbezogen.

Dieser Lösungsansatz kommt vor allem in der Frühphase von Mobbing und in der Unter- und Mittelstufe zum Tragen.

Für die Oberstufe und bei verfestigtem und eskaliertem Mobbing verweist das Amt für Gesundheit auf die «erweiterte Farsta-Methode». Diese setzt auf klare Grenzziehung durch Gespräche, bei denen Täter mit ihrem Fehlverhalten konfrontiert werden, ohne gleich auf Bestrafung zu setzen.

Auch ein Klassen- oder Schulhauswechsel ist nicht einfach die Lösung; denn Baar ist trotz seiner Grösse halt letztlich klein; die Gründe für einen Wechsel sprechen sich bei Kindern und Jugendlichen schnell herum. So bleibt nur: Konsequentes Engagement aller am Schulprozess Beteiligten. Die Schulsozialarbeiterin: «Wir sind gefordert, zum Wohle der Kinder und Jugendlichen.»


Was ist Mobbing?

Im Vergleich zu herkömmlichen Konflikten geschieht Mobbing systematisch, wiederholt und subtil. Mobbing beinhaltet ein Machtungleichgewicht. Typische Mobbing - Orte sind Schulwege oder Pausenplätze, vermehrt passiert Mobbing in digitalen Räumen. Mobbing ist immer ein Gruppenphänomen. Die Folgen von anhaltendem Mobbing reichen von psychosomatischen Beschwerden, Schulpassivität und Verweigerung bis hin zu sozialem Rückzug, Depression sowie Suizidgedanken. Das Amt für Gesundheit hat unter dem Titel «Mobbing-Hilfestellung» eine Broschüre für Lehrkräfte und Schulen herausgegeben.


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