Neuer Verein will grüne Oase im Zentrum

  14.01.2026 Gesellschaft

«Gemeindlicher Stadtgarten Baar» heisst der Verein, der vor Weihnachten gegründet wurde. Er will die Brache an der Leihgasse 15a beleben. Die Gemeinde steht dieser Nutzung positiv gegenüber.

FRANZ LUSTENBERGER

Zwischen dem Polizeiposten und der Kreuzung Leihgasse/Rigistrasse stechen ein altes Haus, ein brachliegender Kiesplatz sowie ein verwilderter Garten ins Auge – und dies seit Jahren. Manche Baarerinnen und Baarer fragen sich, wem das Gelände mit dem Haus eigentlich gehört und was damit passiert. Zwei Antworten: Die Parzellen gehören der Gemeinde, und es hat sich ein neuer Verein gebildet, nämlich der Verein «Gemeindlicher Stadtgarten Baar», welcher das Geviert aus seinem Dornröschenschlaf aufwecken will.
Insgesamt zwölf Baarerinnen und Baarer versammelten sich zur Vereinsgründung. Barbara Ulrich, Eigentümerin eines der drei zusammengebauten Häuser und treibende Kraft hinter dem Projekt Stadtgarten, sagte: «Es ist lässig, dass es nun endlich vorwärts geht.» Zum ersten Mal seit der Unterschutzstellung des Wohnhauses Leihgasse 15a (siehe Kasten «Das Haus und seine Geschichte») sehe sie eine Perspektive für das Gelände.

Nutzungsvereinbarung als nächster Schritt
Die Gemeinde als Grundeigentümerin «steht dieser Zwischennutzung des Aussenraums positiv gegenüber», wie Gemeinderätin Sonja Zeberg-Langenegger festhält. Nach Gesprächen mit dem neuen Verein werde nun eine Nutzungsvereinbarung erarbeitet und festgelegt. Zeberg-Langenegger dazu: «Für die Gemeinde ist es wichtig, dass der Verein ein verlässlicher Partner ist und sich um den Betrieb und den Unterhalt des Stadtgartens kümmert.»

In einem Grundlagendokument, erarbeitet von der Baarer Kreativagentur Gäggeligääl, haben die Initiantinnen und Initianten ihre Vision des Stadtgartens dargelegt. Es soll ein «urbaner Begegnungsort mitten in Baar» entstehen. Die Gartenparzelle samt dem Kiesplatz sollen naturnah umgenutzt werden, niederschwellig zugänglich, also «ein lebendiger Treffpunkt für alle». Entsprechend einfach und offen gehalten sind die Spielregeln. Das Papier spricht von einem «gemeinschaftlich genutzten Freiraum», der von der Bevölkerung mitgestaltet und intuitiv genutzt werde. Der Garten richtet sich nach den Kriterien «nachhaltig» und «umweltbewusst».

Start im Frühling 2026
Die Gemeinde übernimmt Stand heute als Vorleistung auf dem Gelände den Rückbau des alten Schopfes sowie der freistehenden Blechgarage. Gefordert ist dann der Vorstand, damit Mitglieder für den Verein und die Idee «Stadtgarten» gefunden werden. Co-Präsidentin Ulrich: «Mit der Vereinsgründung sind wichtige Grundlagen gelegt.» Damit aus dem Kiesplatz ein einladender Garten für Baarerinnen und Baarer wird.


Vorstand und Homepage

Die Gründungsversammlung wählte auch den Vorstand. Diesen bilden Barbara Ulrich und Klemenz Andermatt (Co-Präsidium) sowie Heidi Capellini, Maria Greco und Rolf Groenquist. Ab heute, Mittwoch, 14. Januar ist die Homepage des Vereins aufgeschaltet www. stadtgarten-baar.ch. Auf dieser kann man sich als Vereinsmitglied registrieren.


Das Haus und seine Geschichte

Das Haus Leihgasse 15a stammt aus der Barockzeit; gebaut wurde es im Jahre 1676. «Allein schon seines hohen Baualters wegen kommt dem Hausteil Leihgasse 15a auf lokaler Ebene ein sehr hoher kultureller Wert zu» – so urteilte im Rahmen des Rechtstreits um die Unterschutzstellung die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege. Das Gebäude mit seiner Ausstattung ist seit über hundert Jahren kaum verändert worden. Es sei als geschichtlicher Zeuge erkennbar und habe einen hohen heimatkundlichen Wert. In der napoleonischen Zeit um das Jahr 1800 befand sich im Inneren des Gebäudes eine einfache Schenke. Die Gemeinde hatte das Haus im Jahre 2012 erworben, um bei einem Neubauprojekt im Geviert Rigistrasse/Leihgasse ein Mitspracherecht zu haben. Nach einem längeren Rechtsverfahren wurde das Haus im Frühling 2020 unter Denkmalschutz gestellt. Ideen für die Nutzung des historischen Gebäudes gab es mehrere – so bildete sich eine Interessengemeinschaft, welche sich für ein Heimatmuseum Baar stark machte. Als weitere Möglichkeit wurde etwa die Schaffung eines Lehrlings- und Studentenwohnheimes genannt. Barbara Ulrich, Co-Präsidentin des neuen Vereins und direkte Nachbarin, setzte sich immer für eine «öffentliche Nutzung des Hauses und seines Gartens» ein, wie sie dem Zugerbieter im November 2020 gesagt hatte. Für das Areal rund ums Haus besteht nun die Aussicht auf eine Zwischennutzung. Was mit dem Haus selber passiert, ist weiterhin völlig offen. Gemeinderätin Zeberg-Langenegger dazu: «Es bestehen noch keine konkreten Pläne.» Die Gemeinde werde «zu gegebener Zeit Studien in Auftrag geben, um die Weiterentwicklung des Gevierts zu planen». Konkret heisst das: Es wird Jahre dauern, bis das denkmalgeschützte Haus Leihgasse 15a zugänglich, und genutzt werden kann. Im Investitionsprogramm bis zum Jahr 2030, das die Gemeindeversammlung im letzten Dezember zur Kenntnis genommen hat, finden sich keine Angaben zur Liegenschaft Leihgasse 15a.


Image Title

1/10

Möchten Sie weiterlesen?

Ja. Ich bin Abonnent.

Haben Sie noch kein Konto? Registrieren Sie sich hier

Ja. Ich benötige ein Abo.

Abo Angebote