Sicherheitsgefühl und Realität klaffen auseinander

  07.10.2026 Gesellschaft

Der Bahnhof Baar taucht in einem privaten Sicherheitsmonitor mehrfach als Ort auf, an dem sich Menschen unwohl fühlen. Polizei und Gemeinderat sehen jedoch keine aussergewöhnliche Sicherheitsproblematik.

RAHEL HEGGLIN

Wer abends am Bahnhof Baar auf den Zug wartet, fühlt sich nicht immer wohl. Diesen Eindruck vermitteln zumindest mehrere Antworten aus dem erstmals durchgeführten «Zuger Sicherheitsmonitor». Bei dieser Umfrage handelt es sich um das private Projekt des Baarer Mitte-Politikers Ivan Abramović. Insgesamt gaben 154 der 409 ausgewerteten Personen an, bestimmte Orte im Kanton Zug wegen eines Unsicherheitsgefühls zu meiden. Dabei wird in den Freitextantworten mehrfach Baar genannt. Erwähnt werden unter anderem der Bahnhof am Abend, schlecht beleuchtete Orte sowie einzelne Bereiche in Inwil und im Oberdorf. «Es handelt sich dabei um persönliche Wahrnehmungen, und nicht um statistisch belegte Gefahrenorte», bekräftigt der Initiant. Dennoch sollte man die Antworten ernst nehmen, findet er: «Dass derselbe Ort in mehreren Antworten unabhängig voneinander auftaucht, ist für mich ein Hinweis darauf, dass dort bei einem Teil der Befragten ein ungutes Sicherheitsgefühl besteht.»

Polizei beurteilt Lage als normal
Die Zuger Polizei beurteilt die Sicherheitslage am Bahnhof Baar aufgrund ihrer Daten als «normal». «Die registrierten Ereignisse betreffen hauptsächlich Diebstähle, Hilfeleistungen, Kontrollen und polizeiliche Abklärungen. Gewaltdelikte machen nur einen kleinen Teil der registrierten Ereignisse aus», sagt Ursin Dosch, Mediensprecher bei der Zuger Polizei. Zwar haben die polizeilich registrierten Ereignisse in den vergangenen Jahren leicht zugenommen. Die Polizei relativiert dies jedoch: «Eine Zunahme der Ereignisse ist nicht mit einer entsprechenden Zunahme von Straftaten gleichzusetzen. Erfasst werden sämtliche Aktivitäten im Polizeisystem, also beispielsweise auch Hilfeleistungen und Kontrollen.» Einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Unsicherheitsgefühl der Befragten und den registrierten Ereignissen erkennt die Polizei nicht. «Insbesondere die Anwesenheit randständiger Personen kann bei einzelnen Menschen ein Unsicherheitsgefühl auslösen, ohne dass von diesen Personen per se eine Gefahr ausgeht oder ein rechtswidriges Verhalten vorliegt», sagt Dosch. Laut Zuger Polizei können neben den polizeilichen Ereignissen auch Faktoren wie die Verkehrssituation, die Übersichtlichkeit oder die Gestaltung des Bahnhofareals das subjektive Sicherheitsempfinden beeinflussen.

Die Zuger Polizei ist regelmässig am Bahnhof präsent. Dazu gehören auch Sicherheitsassistentinnen und Sicherheitsassistenten, die tagsüber und abends eingesetzt werden. Die Situation wird laut Dosch regelmässig beurteilt, notwendige Massnahmen würden mit der Gemeinde abgesprochen.

Gemeinderat beurteilt Situation als stabil
Ähnlich tönt es aus dem Gemeinderat. Er hält fest, dass zwischen dem subjektiven Sicherheitsgefühl und der objektiven Sicherheitslage klar unterschieden werden muss. «Subjektive Wahrnehmungen sind ernst zu nehmen, erlauben für sich allein aber keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Gefährdungslage oder Kriminalitätsbelastung eines Ortes», sagt der Baarer Sicherheitsvorsteher Hans Küng. Massgebliche Grundlagen für die Beurteilung sind für den Gemeinderat deshalb die offizielle Kriminalstatistik sowie die regelmässigen Lagebeurteilungen der Sicherheitsbehörden. Zudem weist der Gemeinderat darauf hin, dass es sich beim Zuger Sicherheitsmonitor um keine repräsentative Onlinebefragung handelt.

Da dem Gemeinderat keine Hinweise auf eine aussergewöhnliche Sicherheitsproblematik im Bereich des Bahnhofs bekannt sind, sieht er diesen auch nicht als Brennpunkt. «Für den Gemeinderat besteht kein Anlass, den Bahnhof Baar als besonderen Unsicherheitsort einzustufen. Die Situation rund um den Bahnhof Baar wird als stabil beurteilt, die regelmässigen Kontrollen werden beibehalten.»

«Zuger Sicherheitsmonitor 2026»
Von den 409 Antworten, die für den «Zuger Sicherheitsmonitor 2026» ausgewertet wurden, stammen 111 Personen aus Baar. Nur aus der Stadt Zug nahmen mit 115 Personen noch etwas mehr teil. Damit stammt mehr als jeder vierte ausgewertete Fragebogen aus Baar. Die kantonalen Ergebnisse lassen sich dennoch nicht auf die Baarer Bevölkerung übertragen. Denn der Sicherheitsmonitor ist keine repräsentative Studie. Die Teilnahme an der Online-Umfrage war freiwillig, eine zufällige Auswahl der Teilnehmenden fand nicht statt.

Initiant Abramović sieht den Rücklauf seiner Befragung dennoch positiv: «Für eine privat initiierte, offene und nicht repräsentative Befragung ist das aus meiner Sicht eine gute Grundlage, um Wahrnehmungen und Anliegen sichtbar zu machen.» Laut Abramović haben Personen aus allen elf Zuger Gemeinden teilgenommen, die unterschiedliche politische Nähen angegeben haben. Auch im kommenden Jahr will er mit dem «Zuger Sicherheitsmonitor» wieder den Puls der Bevölkerung messen.


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