Zäune und Netze retten Fröschen und Kröten das Leben
13.03.2025 RathauspostDie Zeit der Amphibienwanderung beginnt. Damit Frösche und Kröten sicher über die Strasse kommen, setzen sich ein Verein und Freiwillige ein. Die Gemeinde unterstützt die Amphibien mit einer weiteren Massnahme.
In feuchten, nicht allzu kalten Nächten trifft man aktuell besonders viele Amphibien an. Sie befinden sich auf ihrer jährlichen Wanderung zu ihrem Laichgewässer. Dabei kreuzen sie teilweise Verkehrswege, wo sie Gefahr laufen, von Fahrzeugen überfahren zu werden. Um sich tödliche Verletzungen zuzuziehen, müssen Amphibien nicht buchstäblich unter die Räder kommen. Was die wenigsten wissen: Mehrheitlich sterben Amphibien im Strassenverkehr nicht deshalb, weil sie überrollt werden, sondern durch die Druckwelle, die ein Fahrzeug erzeugt. Diese ist umso höher, je schneller das Fahrzeug unterwegs ist. Man schätzt, dass Amphibien auf diese Weise bereits bei Tempo 30 Schaden nehmen können und bei Tempo 50 die Überlebenschancen nicht mehr gross sind. Engagierte Baarerinnen und Baarer entschärfen deshalb zwei Strassenabschnitte, auf welchen besonders viele Amphibien unterwegs sind. Entlang der Sihlbruggstrasse und der Deinikonerstrasse errichten sie Schutzzäune, sammeln die Amphibien in Eimern ein und tragen sie sicher über die Strasse. In Deinikon übernehmen diese Arbeit engagierte Anwohnerinnen und Anwohner, an der Sihlbruggstrasse der Verein Gugermöndli. Unterstützt werden sie dabei vom gemeindlichen Werkdienst.
Strassenschächte sind eine Gefahr
Auf die Amphibien lauern aber noch andere menschenverursachte Gefahren, die jedoch weniger sichtbar und deshalb nicht allgemein bekannt sind. Häufig landen Amphibien nämlich in Strassenschächten, aus welchen sie es allein nicht mehr herausschaffen. Jean-Baptiste Evard von der Naturschutzorganisation amphibienschutz.org ist Biologe und war selbst als Kanalreiniger tätig. Er ist diesem Problem schon oft begegnet. Mit seinem Wissen und der praktischen Erfahrung in der Kanalreinigung hat er deshalb ein einfaches System entwickelt, das den Amphibien einen selbständigen Ausstieg aus den Schächten ermöglicht. Er hat Kunststoffgeflechte, wie sie in Böschungen und Ufern verwendet werden, zu Amphibienausstiegshilfen umfunktioniert. Diese sind sehr wirksam, gleichzeitig beeinträchtigen sie den Unterhalt der Schächte nicht. Für die Naturschutzorganisation amphibienschutz.org montiert er diese Ausstiegshilfen an der Innenwand von Schächten entlang von Amphibienzugstellen.
Bis 2026 soll Baar komplett ausgerüstet sein
Im Rahmen seines Engagements ist auch eine Zusammenarbeit mit der Gemeinde Baar entstanden. In Baar gibt es bedeutende Amphibienlaichgebiete. Entsprechend sind auf zahlreichen Strassenabschnitten Amphibien unterwegs, nicht nur im Gebiet Lättich oder in Deinikon. Entlang solch kritischer Abschnitte montiert Jean-Baptiste Evard seine Amphibienausstiegshilfen. Es ist vorgesehen, in mehreren Phasen bis 2026 alle kritischen Strassenabschnitte mit solchen Ausstiegshilfen auszurüsten. Die Planung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Werkdienst. Dieser nimmt zuerst eine allfällige Sanierung der gemeindlichen Schächte oder der Schachtdeckel vor, bevor die Ausstiegshilfen angebracht werden. Sollten Baarerinnen und Baarer feststellen, dass auch Schächte in Privatstrassen Amphibienfallen sind, darf der Fachstelle Energie / Umwelt der Gemeinde gerne eine Mitteilung gemacht werden (Telefon 041 769 04 60, E-Mail franz.steffen@ baar.ch). Die ersten Schächte wurden bereits 2024 mit Ausstiegshilfen ausgestattet. Davon profitieren können Amphibien nicht nur jetzt, während der aktuellen Wandersaison. Bereits bei der Montage im Herbst fand Evard einige Erdkröten in Schächten in Blickensdorf, Inwil und Allenwinden vor und konnte sie befreien. Zum Schutz der Amphibien können aber alle beitragen. Falls Sie auf Ihrer Autofahrt auf Amphibien treffen, versuchen Sie ihnen nicht nur auszuweichen, sondern drosseln Sie dabei auch das Tempo. Und wenn Sie es besonders gut machen möchten, dürfen Sie gerne aussteigen und ein paar Tieren über die Strasse helfen. Sie müssen sie ja nicht gleich küssen.
Franz Steffen, Fachstelle Energie / Umwelt, Abteilung Planung / Bau
Weitere Informationen auf www.amphibienschutz.org