Akkordeonklänge faszinieren im Baarer Gemeindesaal
03.06.2026 Musik/KulturMusik Als sich der Gemeindesaal am 30. Mai in einen Klangraum voller Überraschungen verwandelte, stand ein Instrument im Mittelpunkt, das leider eher selten die ganz grosse Bühne erobert: das Akkordeon!
HANS-PETER SCHWEIZER
Das Akkordeon-Orchester Zug-Baar (AOZB) steht in seinem 90. Vereinsjahr und wird daher nächstes Jahr seine «Granithochzeit» feiern dürfen. Doch vorerst stand das Jahreskonzert 2026 an, welches wiederum eine breite Palette an internationaler Musik beinhaltete. Die musikalische Reise führte von Chicago über die Schweiz nach Russland und zurück über den Balkan. Via Karibik nach Argentinien, und von da sogar in den Wilden Westen, bevor sie in Italien und Paris ihren Abschluss fand.
Reise über Kontinente
Mit dem Titel «Chicago Festival» von Markus Götz lud Moderator Urs Roth den musikalischen Leiter des AOZB, Sergej Simbirev ein, das Jahreskonzert 2026 zu eröffnen. Der deutsche Komponist Markus Goetz besuchte im Dezember 2007 die «Mid West», eines der wichtigsten Festivals für Blasmusik in den USA, welches jedes Jahr in der Metropole am Michigan-See stattfindet. Die positive Energie dieses Musikfests inspirierte Götz zur Komposition «Chicago Festival».
Der Bauernstand bildet das solide Fundament unserer Gesellschaft. Dieter Schmitz und Jörg Draeger komponierten die «Bauern-Suite» im Jahr 1965, welche die bäuerlichen und traditionellen Bilder des Films «I bi Puur» (1963) musikalisch untermalen. Die vierteilige Suite besteht aus den Sätzen «Haus und Hof», «Auf der Viehweide», «Des Bauern Tagewerk» sowie dem «Erntefest» und bildet damit eine direkte musikalische «Ode an den Bauernstand».
Als dritten Teil spielte das AOZB eine Komposition des Dirigenten Sergej Simbirev: «Russisches Mosaik». Jeden Sonntag haben sich Menschen in einem russischen Park getroffen und spontan zusammen Lieder gesungen. Sergej Simbirev hat die Musse gehabt, den Gesängen, dem Lachen und den Gesprächen der Menschen zuzuhören. Aus seinen Eindrücken ist die Komposition «Russisches Mosaik» entstanden.
Gastformation mit einheimischen Nachwuchsmusikern
Die erste Gastformation, das Ensemble «Ost Express» unter der Leitung von Sergej Simbirev, offerierte Melodien aus Osteuropa. Aus Mazedonien stammte das Stück «Jovano, Jovanke», ein musikalisches Gedicht über die unerfüllte Liebe zu Jovanka, einer angebeteten, «sehr hübschen» jungen Frau, und aus Kroatien «Vrtlog», was in deutsch «Wirbel» bedeutet. Eine musikalische Aura voller Gefühle entstand beim Auftritt des Duos Dragan Miletic und Sergej Simbirev, welche mit dem Titel «Doina din transilvania» das Publikum verzauberten. Als Doina bezeichnet wird ein Lied, oft gesungen in der Einsamkeit, um «die Seele zu erleichtern». Doinas haben einen lyrischen Aspekt zu den Themen Melancholie, Sehnsucht, Liebe, Natur und die Bitte an Gott, seelischen Schmerz zu lindern. Transsilvanien, eine Region in Zentralrumänien, auch bekannt als «Siebenbürgen», leitet sich aus dem lateinischen «trans silva» ab, was «jenseits der Wälder» bedeutet.
Gastformation aus Strassburg
Die zweite Gastformation, «Les Ensembles d’accordéons de L’Ill Strasbourg-Robertsau et Gunstett» unter der Leitung von M. Denis Daeffler, bot Akkordeontöne feinster Güte an.
Mit dem Stück «La Storia» des niederländischen Komponisten Jacob de Haan wurde den Zuhörenden die Möglichkeit gegeben, die jeweils eigene Geschichte zur Musik zu erfinden. Jacob de Haan widmete «La Storia» einem der berühmtesten Filmkomponisten aller Zeiten – Ennio Morricone.
Der nachfolgende kurze Satz «Säbeltanz» von Aram Khachaturian stammt aus dem Ballett «Gayaneh». Abhängig von der jeweiligen Interpretation hat der Säbeltanz lediglich eine Dauer von zirka zweieinhalb Minuten. Der Säbeltanz dient bis heute auch als beliebte musikalische Untermalung in unzähligen Cartoons und Trickfilmen.
«Don’t cry for me Argentina» ist das wohl populärste Stück aus dem Musical «Evita» von Andrew Lloyd Webber. Es ist auch die Titelmelodie des gleichnamigen Films mit Madonna in der Hauptrolle und erzählt die Geschichte der glamourösen argentinischen Präsidentengattin Eva Duarte de Perón (1919–1952)
Mit der «Bohemian Rhapsody» würdigten die Akkordeonisten eine der grössten Ikonen der Rockgeschichte. Freddie Mercury, der stimmgewaltige Frontmann der Band Queen, schuf 1975 mit diesem Werk ein musikalisches Meisterwerk, das Rock, Oper und Ballade auf einzigartige Weise zusammen verschmelzen liess.
In abenteuerlicher Atmosphäre, nämlich mit den «Pirates of the Caribbean» liess sich das Publikum in den wilden Westen führen zu «Morricone Spezial», einem Medley aus seinen bekanntesten Melodien.
Mit der «Poesia di Venezi» des Kammerorchesters «Rondo Veneziano» und «Paris Melodie» gelangte das musikalisch verwöhnte Publikum wieder nach Europa.
Zum Abschluss des Jahreskonzertes spielten die beiden Orchester als Grossformation zusammen unter der Leitung von Denis Daeffler die Rockballade «Music» von John Miles. Dieser Songtext drückt die niemals endende Liebe zur Musik aus. «Musik war meine erste Liebe und wird auch meine letzte sein», heisst es zu Beginn der Vokalversion des Stücks.



