ALG gewinnt einen Sitz, SP verliert einen

  07.10.2026 Politik

Die Baarer Vertretung im Zuger Kantonsrat verändert sich: Die Alternative – die Grünen stellt künftig drei Mitglieder, die SP nur noch eines. Mit Lars Affentranger von der SVP und Simon Uster von der ALG ziehen zudem zwei neue Baarer Vertreter ins Kantonsparlament ein.

RAHEL HEGGLIN

Vier Jahre lang war die politische Kräfteverteilung innerhalb der Baarer Kantonsratsdelegation klar: Die SVP verfügte über vier Sitze, Mitte und FDP über je drei, ALG und SP über je zwei und die GLP über einen. Mit den Gesamterneuerungswahlen vom Sonntag verschiebt sich dieses Verhältnis erstmals wieder. Während bei SVP, Mitte, FDP und GLP die Anzahl Mandate unverändert bleibt, kommt es zwischen ALG und SP zu einer Verschiebung.

ALG gewinnt dritten Sitz
Zu den Gewinnerinnen der Baarer Kantonsratswahlen gehört die ALG. Sie kommt auf 15’660 Parteistimmen und sichert sich drei der 15 Baarer Mandate. Wiedergewählt wurden die beiden bisherigen Kantonsratsmitglieder Andreas Lustenberger mit 3’335 Stimmen und Malena Raud mit 2’248 Stimmen. Neu schafft Simon Uster den Sprung ins kantonale Parlament. Der 28-jährige Jurist erzielte 2’339 Stimmen und damit das zweitbeste Ergebnis auf der ALG-Liste. Uster, der gleichzeitig Präsident der ALG Baar ist, führt den Sitzgewinn unter anderem auf die Themen zurück, welche die Partei im Wahlkampf ins Zentrum gestellt hat. «Bezahlbarer Wohnraum und der Kampf gegen die Klimakrise sind den Baarerinnen und Baarern wichtig.» Mit einer vielfältigen und engagierten Liste habe man die Bevölkerung von den eigenen Ideen überzeugen können. Geholfen habe zudem die Regierungsratskandidatur von Andreas Lustenberger. «Mit dem zusätzlichen Mandat kann die Partei die Baarer Anliegen im Kantonsrat breiter vertreten», sagte Uster nach den Wahlen. «Das ist für die ALG auch deshalb von Bedeutung, weil sie im Baarer Gemeinderat nicht vertreten ist.» Gleichzeitig verweist er darauf, dass die ALG neu die drittstärkste politische Kraft in Baar ist.

Wie der Vater vor 40 Jahren
Für Uster hat die Wahl aber auch eine persönliche Bedeutung. «Es ist eine grosse Ehre und Verantwortung, neu im Kantonsrat mitzuwirken.» Besonders freue ihn eine Parallele zu seiner Familiengeschichte: Genau 40 Jahre nach seinem Vater und im gleichen Alter wie dieser damals zieht Uster für Baar in den Kantonsrat ein.

Inhaltlich will Uster im Kantonsparlament vor allem die Themen bezahlbarer Wohnraum, Integration, Umwelt und Bildung einbringen. Angesichts des starken Wachstums von Baar sei es wichtig, dass Wohnen für alle Generationen bezahlbar bleibe. «Nur so bleibt Baar durchmischt, und nur so finden die Vereine genügend engagierte Menschen.» Zudem müsse sich Baar auf heissere Sommer und extreme Wetterlagen vorbereiten und gleichzeitig die Ursachen der Klimakrise bekämpfen.

SP verliert einen ihrer beiden Sitze
Auf der anderen Seite steht die SP. Sie kommt in Baar auf 8’693 Parteistimmen und erhält noch einen Sitz. Diesen verteidigt die bisherige Kantonsrätin Ronahi Yener mit 1’498 Stimmen. Der ebenfalls bisherige Kantonsrat Alois Gössi erreicht 1’385 Stimmen und wird nicht wiedergewählt. Damit halbiert sich die Baarer SP-Vertretung im Kantonsrat von zwei auf einen Sitz. Die SP-Baar-Präsidentin, Gaby Billing verweist darauf, dass die Partei kantonsweit ihre acht Sitze halten konnte. «Der verlorene Baarer Sitz ging innerhalb der Partei nach Steinhausen. Gegenüber den Wahlen von 2022 hat die SP in Baar 1,7 Prozentpunkte eingebüsst. Dieser vergleichsweise geringe Rückgang hat dennoch ausgereicht, um eines der beiden Mandate zu verlieren.» Für die SP Baar sei der Sitzverlust insbesondere mit Blick auf das Ausscheiden von Alois Gössi bedauerlich. «Er hat die Zuger Politik über Jahre geprägt», so Billing. Sie gibt jedoch an, dass in Baar neue Kräfte aufgebaut worden sind, weshalb die SP Baar zuversichtlich auf die kommende Legislatur blickt.

SVP mit Rekordergebnis in Baar
Einen personellen Wechsel gibt es bei der SVP. Weil der bisherige Kantonsrat Oliver Wandfluh nicht mehr zur Wahl antrat, war auf der SVP-Liste ein Sitz neu zu besetzen. Diesen holt sich Lars Affentranger mit 2’780 Stimmen. Er landet damit hinter den drei bisherigen Kantonsräten Hans Küng, Michael Riboni und Adrian Rogger auf dem vierten Platz. Küng erzielt mit 3’917 Stimmen das beste Ergebnis der SVP-Liste, gefolgt von Riboni mit 3’512 und Rogger mit 3’158 Stimmen. Die SVP verteidigt damit ihre vier Baarer Sitze. Vize-Präsident der SVP Baar Michael Riboni spricht von einem «sensationellen Ergebnis». Mit einem Wähleranteil von über 27 Prozent sei die SVP in Baar so stark wie noch nie. Einen Teil des Erfolgs führt er auf den nationalen Trend zurück. Gleichzeitig sieht er darin eine Bestätigung der Arbeit der Baarer Partei in den vergangenen vier Jahren. «Wir haben auch in Baar bewiesen, dass wir sehr bodenständig und nahe bei den Leuten politisieren.»

Auch kantonsweit kann die SVP zulegen. Sie gewinnt zwei Sitze hinzu und stellt künftig 20 der insgesamt 80 Kantonsratsmitglieder. Damit ist sie neu die stärkste politische Kraft im Zuger Kantonsparlament.

Lars Affentranger neu im Kantonsrat
Mit seiner eigenen Wahl hatte Affentranger nicht gerechnet. Aufgrund seines Listenplatzes sei ihm bewusst gewesen, dass er einen anderen Kandidaten überholen müsse. Geholfen habe ihm wohl, dass er in Baar aufgewachsen und in Vereinen aktiv sei und dadurch über ein grosses Netzwerk verfüge. «Mir fehlen im Moment noch die Worte. Ich bin überwältigt vom Riesenvertrauen, das ich von der Wählerschaft bekommen habe», sagte Affentranger am Sonntagabend.

Inhaltlich will der neu gewählte Kantonsrat einen Schwerpunkt bei der Sicherheit setzen. Gleichzeitig ist ihm wichtig, dass Baar seinen Dorfcharakter beibehält und ein Ort bleibt, «wo man sich im Dorf auch begegnen kann und keine Angst haben muss». Ein weiteres Anliegen ist ihm die Wirtschaft. Diese solle nicht durch unnötige Regulierungen behindert werden.

Bei Mitte, FDP und GLP bleibt alles beim Alten
Keine Veränderungen bei der Anzahl Mandate gibt es für Mitte, FDP und GLP. Die Mitte verteidigt ihre drei Sitze mit Thomas Gwerder, Barbara Schmid-Häseli und Mirjam Arnold-Herrmann. Gwerder erzielt mit 2’192 Stimmen das beste Resultat auf der Mitte-Liste.

Auch die drei bisherigen FDP-Kantonsräte schaffen die Wiederwahl. Michael Arnold erhält 2’726 Stimmen, Karl Bürgler 2’540 und Urs Andermatt 2’411 Stimmen.

Bei der GLP verteidigt der bisherige Kantonsrat Martin Zimmermann den einzigen Baarer Sitz seiner Partei. Er erreicht 1’446 Stimmen.

ALG legt am stärksten zu
Ein Vergleich mit den Kantonsratswahlen von 2022 zeigt, wie sich die politischen Kräfte in Baar verschoben haben. Am deutlichsten legt die ALG zu: Ihr Wähleranteil steigt von 12,4 auf 18,3 Prozent. Auch die SVP gewinnt hinzu und erhöht ihren Anteil von 24,5 auf 27,2 Prozent. Die Mitte fällt von 23,1 auf 20,3 Prozent zurück, die FDP von 19,8 auf 17,7 Prozent und die SP von 11,9 auf 10,2 Prozent.

Leicht gestiegen ist die Wahlbeteiligung. Von den 14’539 Stimmberechtigten beteiligten sich 6’132 an der Wahl. Das entspricht einer Beteiligung von 42,18 Prozent. 2022 waren es 41,9 Prozent.


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