Antonio Bozzi verabschiedet sich vom FC Baar

  17.06.2026 Sport

Fussball Während zwölf Jahren stand Antonio Bozzi an der Seitenlinie des FC Baar, entwickelte Talente, führte junge Spieler an den Aktivfussball heran und schrieb mit dem Aufstieg in die 2. Liga Vereinsgeschichte. Nun endet seine Ära.

RAHEL HEGGLIN

Wenn der 52-Jährige auf seine Zeit beim FC Baar zurückblickt, denkt er zuerst an den Sommer 2024. Der Aufstieg in die 2. Liga gilt als grösster Erfolg seiner Trainerkarriere. Zahlreiche Mannschaften und Trainer hatten zuvor versucht, den Traditionsverein zurück in höhere Regionen zu führen. Bozzi gelang dieses Kunststück mit einer Mannschaft, die zu grossen Teilen aus Spielern aus dem eigenen Nachwuchs bestand. Besonders die Stimmung rund um die entscheidenden Spiele bleiben ihm in Erinnerung. «Es waren über tausend Zuschauer auf der Anlage. Selbst unter der Woche kamen hunderte Menschen. Die ganze Euphorie rund um die Mannschaft war unglaublich», erzählt er. Für den langjährigen Trainer war genau diese Begeisterung ein Zeichen, wie sehr der FC Baar in der Region verankert ist.

Vom Nachwuchstrainer zur Identifikationsfigur
Dass Bozzi Trainer wurde, ist eher einem Zufall zu verdanken. «Ich habe mich ab dem sechsten Lebensjahr aktiv im Fussballverein engagiert. Aufgehört habe ich erst mit 36 Jahren.» Bereits als Spieler habe er sich auf dem Platz oft wie ein Trainer verhalten. «Mein damaliger Trainer fragte mich, ob ich die Senioren des FC Zugs trainieren wolle.» Nach ersten Erfahrungen im Seniorenfussball führte ihn sein Weg über Team Zugerland zum FC Baar, wo er zunächst Juniorenteams betreute.

Schritt für Schritt entwickelte er sich zu einer bekannten Persönlichkeit im Innerschweizer Fussball. Bis heute versteht sich Bozzi vor allem als Ausbildner. «Die Entwicklung junger Spieler stand für mich immer über dem kurzfristigen Erfolg. Technik, Taktik und Athletik sind wichtig, doch ebenso entscheidend ist die persönliche Entwicklung der Spieler», so der Trainer.

Fussball soll Spass machen
Hinter den Trainings steckt weit mehr als spontane Übungen auf dem Platz. Bozzi arbeitet äusserst strukturiert und plant seine Trainings über Monate hinweg. Für jede Phase der Saison definiert er taktische, technische, konditionelle und mentale Ziele. «Ich mache jeweils einen Halbjahresplan und überlege genau, welche Inhalte wir wann trainieren», erklärt er. Besonders grossen Wert legt er auf klare Spielprinzipien. Zufällige Tore gefallen ihm weniger als sauber herausgespielte Angriffe. «Ich mag es, wenn man erkennt, dass eine Aktion trainiert wurde», sagt er. Seiner Philosophie blieb er dabei stets treu: Spieler sollen sich fussballerisch und menschlich entwickeln können. Besonders wichtig ist ihm, dass die Freude nicht verloren geht. «Wir sind nicht im Profibereich. Die Jungs arbeiten, machen eine Lehre oder gehen zur Schule. Das Training ist ihre Freizeit. Sie sollen gerne kommen.» Diese Haltung hat ihm stets grossen Rückhalt innerhalb der Mannschaften gegeben.

Hohes Trainerdiplom
Neben seiner Arbeit beim FC Baar investierte Bozzi während Jahren viel Zeit in seine Weiterbildung. Er absolvierte sämtliche Trainerstufen bis zum UEFA-A-Diplom in Magglingen, der höchsten Schweizer Trainer-Ausbildungsstätte. Dafür musste er unter anderem Analysen bei Super-League-Vereinen durchführen und internationale Spiele detailliert auswerten. Mit diesem Diplom besitzt er eine Qualifikation, die ihn theoretisch sogar für Aufgaben im Profifussball befähigen würde. Parallel zum Fussball arbeitet der 52-Jährige seit über dreissig Jahren als Teamleiter im Verkauf bei einer Hünenberger Firma. Eine Belastung war Fussball für ihn während der Ausbildung oder Arbeit nie: «Fussball ist meine Leidenschaft und war nie Pflicht. Ich habe die Zeit dafür immer gerne investiert.»

Neue Ära ennet der Reuss
Nun hat er sich, gemeinsam mit dem FC Baar entschieden, den Verein zu verlassen. «Veränderungen gehören im Fussball dazu. Es ist wichtig und richtig, wenn neue Impulse kommen.» Ohne Fussball geht es aber für Bozzi nicht weiter. Er wechselt zum FC Sins und übernimmt dort die 1. Mannschaft in der 3. Liga. Obwohl die Mannschaft eine Liga tiefer spielt als jene in Baar, betrachtet er die Aufgabe keineswegs als Rückschritt. Sein Ziel ist es nun, Schritt für Schritt eine neue Entwicklung anzustossen. «Kurzfristig geht es darum, dass die Spieler gerne ins Training kommen und Freude am Fussball haben.» Langfristig schliesst er aber auch sportliche Erfolge nicht aus. Ob der Aufstieg in die 2. Liga auch dem Aargauer Team glückt, wird sich zeigen.

Der Vertrag von Bozzi läuft Ende Monat aus.


Image Title

1/10

Möchten Sie weiterlesen?

Ja. Ich bin Abonnent.

Haben Sie noch kein Konto? Registrieren Sie sich hier

Ja. Ich benötige ein Abo.

Abo Angebote