Auch beim Wein nimmt Baar eine Spitzenposition ein
17.06.2026 VermischtesSeit der Jahrtausendwende entwickelt sich der Weinbau im Kanton Zug prächtig. In der Gemeinde Baar gibt es vier Betriebe. Einer sticht besonders hervor.
MARCO MOROSOLI
Eine Fotografie, die während des Jahrhundertsturms «Lothar» Ende Dezember 1999 entstand, machte den Baarer Fotografen Andreas Busslinger (69) weit herum bekannt. Das Bild zeigt meterhohe Wellen, die sich am Zugerseeufer in der Nähe der Zuger Katastrophenbucht abarbeiteten.
Der Sturm ist längst abgeebbt, der Stern des Baarer Fotografen leuchtet noch immer. Wer die Web-Adresse des Künstlers aufruft, staunt, wie viele Bilder dort zu sehen sind. Der ehemalige Sekundarlehrer lieferte schon früh Bilder aus der Vogelperspektive. Dafür ging er mit dem Gleitschirm in die Luft. Mittlerweile lässt er auch Drohnen fliegen.
Zahlreiche perfekte Bilder von oben sind auch in seinem neuesten Buch «Weinkultur am Zugersee» zu finden. Er kombiniert diese mit Menschen, welche auf die eine oder andere Art dafür sorgen, dass die Rebstöcke Jahr für Jahr die erhoffte Traubenmenge hervorbringen. Dazu ist viel Handarbeit notwendig. Das kürzlich in einer Auflage von rund 1’500 Exemplaren erschienene Buch befasst sich mit dem Weinbau im Kanton Zug während der vier Jahreszeiten.
Weinbauflächen im Kanton Zug wachsen beständig
Im Kanton waren 1996 nur gerade 0,3 Hektaren Rebfläche ausgewiesen. Mittlerweile bewirtschaften Weinbäuerinnen und Weinbauern fast zehn Hektaren landwirtschaftliche Fläche mit Rebbau. Die Zehn-Hektar-Marke könnte bald geknackt werden.
Aktuell treffen Weinbauern auf dem Guggihügel in der Stadt Zug erste Vorkehrungen, um dortige Rebflächen umzuquartieren. Der dort gekelterte Rebensaft kommt jedoch nicht in den freien Verkauf.
Das ist beim nach der bewirtschafteten Fläche zweitgrössten Weinproduzenten in Baar nicht so. Dieser befindet sich im Gebiet Deinikon. Philipp Hotz bewirtschaftet dort rund 1,8 Hektaren Rebbaufläche. Auf seinem Areal wachsen Trauben, welche er zu Weiss- wie auch Rotwein verarbeitet. Die bei ihm wachsenden Souvignier-Gris-Trauben ergeben Weisswein.
Diese Souvignier-Gris-Trauben gehören zur Familie der pilzwiderstandsfähigen Sorten (Piwi-Sorten). Sie zeigen sich gegenüber gängigen Reb-Schädlingen also immun. So kann die Zahl der Pflanzenschutzmassnahmen minimiert werden. Diese Piwi-Trauben machen, so geht aus dem Buch von Andreas Busslinger hervor, den Löwenanteil (88 Prozent) der im Kanton Zug wachsenden Traubensorten aus. Im Kanton ist zudem der Weisswein die gängige Sorte.
Buch bietet Hingucker im Seitentakt
Der Fotograf aus Baar ist durch seine Arbeit an der Linse indirekt auch Markenbotschafter für den Zuger Wein. Dieser hebe sich von anderen Rebenerzeugnissen im In- und Ausland ab, weiss er zu berichten. Der Zuger Wein sei nicht gerade billig, aber einzigartig. Ein Teil der Kosten fällt für die Kelterung in der Fremde an. Diese schlägt mit rund 10 Franken zu Buche. Trotz dieser Aufschläge kommt der Zuger Wein im Kantonsgebiet ausgezeichnet an. Das Buch «Weinbau im Kanton Zug» sorgt bei der Leserschaft für Lust, auch einmal Wein aus dem Zuger Terroir zu geniessen.
Busslinger bewegte sich für sein neuestes Buch Stunden innerhalb der vier Jahreszeiten in den Flächen der verschiedenen Rebbauern und Rebbäuerinnen. Die rund 150 abgedruckten Fotos haben die verschiedensten Bildsprachen. Das macht das Stöbern im Buch so spannend: «Ich habe gestaunt, wie viel man für den Weinbau aufwenden muss.» Das trifft, allerdings in einem anderen Bereich, auch auf seine Bilder zu.
Der Fotograf ist im Rahmen seiner Arbeit auch mit vielen Menschen in und um die Reben ins Gespräch gekommen: «Ich habe innovative, spannende Leute angetroffen.» Diese sähen ihr Engagement für die Reben als langfristiges Projekt. Das zeigt sich darin, dass sich vier Frauen zu Winzerinnen ausbilden lassen.
Dass der Weinbau im Kanton Zug wieder im Kommen ist, hat auch mit dem seit den 1980er Jahren einsetzenden Klimawandel zu tun. Das Zuger Weinbuch, dessen Texte der Hünenberger Dominik Stocker schrieb, erwähnt in diesem Zusammenhang, dass Zug auf dem 47. nördlichen Breitengrad liege. Auf dem gleichen Breitengrad ernten französische Winzerinnen und Winzer die bekannten Burgunderweine. Stocker kennt sich bei Reben und dem Wein bestens aus, denn er stammt aus einer im Getränke- und Weinhandel tätigen Familie. Zudem liess er sich im Metier Wein ausbilden.
Weiter schreibt Stocker, dass der Kanton Zug mit rund 1’700 Sonnenstunden in der Zentralschweiz eine Spitzenposition einnehme. Auch die Nähe zu Gewässern wirke sich positiv auf das Rebenwachstum aus.
Aber alle Vorsicht kann nichts ausrichten, wenn äussere Einflüsse, wie 2024, zu Herausforderungen führen. Ein Jahr später war der temporäre Frust bereits wieder verflogen. Es konnten, wie im Buch zur Zuger Weinkultur zu lesen ist, 41,2 Tonnen Trauben in hervorragender Qualität geerntet werden. Das ist ein neuer Rekord.

