Auf dem Spinnerei-Areal tut sich etwas

  11.02.2026 Politik

Im Dachstock des markanten Langhauses der Spinnerei entstehen Kleinwohnungen. Das entsprechende Projekt lag bis Ende Januar öffentlich auf.

MARCO MOROSOLI

Im aktuell vom Gewerbe genutzten ehemaligen Hauptgebäude der Spinnerei an der Lorze sollen bis Mitte 2028 im Dachstock 34 Wohnungen entstehen. Dies ging aus dem Baugesuch hervor, welches diese Zeitung kürzlich einsehen durfte.

Es ist das erste Projekt auf dem Spinnerei-Areal der Gemeinde Baar, das Baureife erlangt. Doch bei der öffentlichen Auflage waren die geplanten Umrisse des Vorhabens kaum sichtbar.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Es handelt sich beim Projekt um einen Dachausbau. Da die Baute ein denkmalgeschütztes Objekt ist, welches Mitte des 19. Jahrhunderts entstand, müssen die teilweisen Umnutzungen mit grösster Sorgfalt vor sich gehen.

Die Bauherrschaft präsentierte in der öffentlichen Auflage ihr Konzept für den Dachausbau. Es sind insgesamt 34 Wohnungen vorgesehen. Dabei handelt es sich um kleinere Objekte. Die Grundflächen der Mietwohnungen betragen zwischen 42 und 70 Quadratmetern. Es handelt sich um Eineinhalb- respektive Zweieinhalbzimmerwohnungen. Zwanzig Wohneinheiten werden als 1.5-Zimmerwohnungen, der Rest als 2.5-Zimmerwohnungen in ein paar Jahren im Angebot sein.

Im Dachstock der Spinnerei gibt es kleinere Wohnungen
Was die projektierte Fläche pro Wohneinheit speziell macht: Die Wohnungen sind durchwegs zweistöckig ausgelegt. Das Gros der dereinst dort wohnenden Menschen kann nord- oder südwärts schauen. Spannend dürfte sein, wie hoch die Mietpreise dieser neuen Wohnungen ausfallen. Angaben dazu fehlen im Auflagedossier.

Es liegt auf der Hand, dass wegen der geringen Wohnfläche Einpersonenhaushalte angesprochen werden sollen. Gerade in diesem Segment sind in letzter Zeit eher weniger Wohnungen auf den Zuger Markt gekommen.

Die Bauherrschaft gibt als Preis für die Umnutzung des Dachbereichs der denkmalgeschützten Baute einen Betrag von rund 15 Millionen Franken an. Gemäss den Ausschreibungsunterlagen sollen die Arbeiten für die 34 Wohnungen in diesem Sommer beginnen. Ihre Dauer geben die Projektverantwortlichen mit zwei Jahren an. Es handelt sich hier um eine optimistische Berechnung, wenn Einsprachen weitgehend ausbleiben.

Ebenfalls ergibt die Sichtung der Projektunterlagen, dass die durch den Wohnungsbau auf das Tragwerk wirkenden Kräfte eine Verstärkung desselben bedingen. Dies deshalb, weil die Wohnungen im Dachstock eingebaut werden.

Alle zusätzlich eingebrachten Bauteile sind so ausgelegt, dass sie gesetzlich vorgeschriebenen Brandschutzvorschriften Genüge tun.

Interessant ist, dass sich auf einem Plan der öffentlich ausgelegten Unterlagen der Hinweis findet, dass die Bauherrschaft auf die Markierung der Dachfenster verzichte. Dies geschehe in Rücksprache mit der Einwohnergemeinde Baar. Als Grund für diese Massnahme werden «die hohen Sicherheitsrisiken im Zusammenhang mit der Zugänglichkeit des Daches» angegeben. Ob dadurch ein potenzieller Drohnenflug verhindert werden soll? Das wäre eine mögliche Erklärung.

Für die Mieterschaft einer Wohnungseinheit ist jeweils ein Parkplatz vorgesehen. Hinzu kommen noch vier Parkplätze für Besucher.

Mit dem jetzt präsentierten Vorhaben könnte das Projekt der Umgestaltung des ehemaligen Geländes der Spinnerei an der Lorze Fahrt aufnehmen. Es entstehen dort rund 370 Wohnungen, vom Studio bis zu 5.5 Zimmern. Zirka 70 davon sind preisgünstig und 80 sind als Familienwohnungen ausgewiesen. Zudem ist den Projektunterlagen zu entnehmen, dass zusätzlich noch rund 70 altersgerechte Wohnungen geplant sind.

Entsteht auf dem Spinnerei-Areal ein neuer Dorf- oder Stadtteil?
Die Gewerbefläche wird von rund 17’200 Quadratmetern auf 22’200 Quadratmeter ausgeweitet. Zudem sollen 495 Parkplätze in ein noch zu bauendes Untergeschoss verfrachtet werden.

Die Umgestaltung und Aufwertung des Areals der Spinnerei an der Lorze haben die Stimmbürger und die Stimmbürgerinnen der Gemeinde Baar Ende 2023 mit einem Ja-Stimmen-Anteil von zwei Dritteln angenommen. Nach der Projektumsetzung stellt sich dann nur noch die Frage, ob das Spinnerei-Areal bald ein Dorf- oder ein Stadtteil von Baar ist.

Bei der Präsentation des gesamten Projektes vor der Abstimmung Ende 2023 liess sich der Baarer Bauvorstand Zari Dzaferi wie folgt zitieren: «Das über einen mehrjährigen Prozess sorgfältig ausgearbeitete Projekt bietet eine grosse Chance zur Aufwertung und Belebung des für Baar wichtigen Areals.» Bis dorthin ist es noch ein langer Weg, aber ein grosser Schritt ist nunmehr gemacht.


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