Auf Liederfahrt – das entspannte Gefühl einer Busfahrt

  21.10.2026 Musik/Kultur

Kultur Unter dem Motto «Uf Liederfahrt» lud der Jodlerklub Heimelig Baar zu seinem traditionellen Herbstkonzert 2026 ein zu einer virtuellen Reise von Lied zu Lied, nicht von Ort zu Ort.

HANS-PETER SCHWEIZER

Anstatt das Publikum auf eine geografische Reise durch verschiedene Regionen zu schicken, entführte der Jodlerklub unter Leitung der beiden Präsidenten Markus Bacher und Benjamin Kohler die Zuhörerinnen und Zuhörer auf eine gedankliche und emotionale Fahrt durch die Welt des Schweizer Brauchtums. Wie bei einer gemütlichen Busfahrt durch eine malerische Landschaft reihten sich die musikalischen Stationen aneinander. Jedes Lied erzählte seine eigene Geschichte, weckte Erinnerungen und lud zum Verweilen, Träumen, Geniessen und Mitsummen ein.

Einsteigen bitte – die musikalische Reise beginnt
Den Auftakt machte «Buschauffeur und Pöstler» Walter Eichelberger, der das Publikum auf seine ganz eigene Art begrüsste und im Geiste auf den Zugerberg führte. Dort nahm die musikalische Reise mit dem «Zugerberg-Jodel» von Robert Küttel ihren Anfang – freudig dirigiert von Tochter Andrea Küttel. Darauf folgte das Lied «Bis z’Friede» von Willi Valotti. Mit diesem Stück gedachte der Jodlerklub zugleich des kürzlich verstorbenen Schweizer Komponisten, Kapellmeisters sowie Klarinettenund Saxophonspielers Hans Aregger aus Horw. Sein musikalisches Schaffen hinterliess tiefe Spuren in der Schweizer Volksmusik und wurde mit diesem Vortrag in ehrendem Andenken gewürdigt.

Das Lied «Ledig» von Hans Walter Schneller, vorgetragen von der «Männer-Kleinformation», sorgte für einen weiteren musikalischen Halt. Mit dieser humorvollen Einlage, die das «Ledig-Sein» parodierte, erhielt das Programm eine weitere Facette und zeigte, wie vielseitig die Welt des Jodelgesangs sein kann. Mit «Abschied vo der Alp» von Emil Wallimann fand der erste Konzertteil einen stimmungsvollen Abschluss. Das Lied liess die Gedanken in die Berge schweifen und vermittelte jene besondere Mischung aus Heimatverbundenheit, Wehmut und Naturverbundenheit, die den Schweizer Jodelgesang so unverwechselbar macht.

Musikalische Gäste – aus Appenzell und Sattel
Auch die Gastformationen versprachen einen besonderen Hörgenuss. Mit den «Enderlin Chicks» war ein bekanntes Schweizer Musikduo aus dem Appenzellerland dabei. Die beiden Schwestern Martina und Lucky Enderlin verbinden in ihrer Musik Appenzeller Mundart, Folk, Country und traditionellen Jodelgesang zu einer unverwechselbaren Mischung. Mit ihrer musikalischen Vielfalt schlugen sie eine Brücke zwischen Tradition und modernen Einflüssen. Auch die Volksmusik kam dabei nicht zu kurz. Die «Örgelibandi Manser» aus Sattel, bestehend aus den Brüdern Michi und Sven Manser sowie Röbi Camenzind am Bass, bereicherte den Abend mit ihrer lüpfigen Ländlermusik. Ihre Klänge weckten die Lust aufs Tanzen und sorgten für jene beschwingte Atmosphäre, die zu einem gelungenen volkstümlichen Abend einfach dazugehört. Damit passten die beiden Gastformationen hervorragend zum Motto des Abends, bei dem unterschiedliche musikalische Stationen zu einer gemeinsamen Reise zusammenfanden.

Eine Reise, die in Erinnerung bleibt
Das bekannte Schweizer Volkslied «Mys Briefli» von Fred Stocker und der wunderbare Naturjodel «s’Nyydläzältli» von André von Moos aus dem Jahr 2016 stiessen beim Publikum auf tiefe Zuneigung. Die zwei weiteren musikalischen Leckerbissen der «Enderlin Chicks» und der «Örgälibandi Manser» entlockten den Zuhörenden den entsprechend intensiven Applaus, sodass den Wünschen nach Zugabe mit Freude entsprochen wurde. Zum «Grand Finale» des Konzerts griff auch die Dirigentin Andrea Küttel zum Mikrofon: «Es ist so schön, dass wir hier ein so lebendiges Publikum haben, das so mitmacht und mitgeht».

Für das emotionale Highlight sorgte der gemeinsame Vortrag des Liedes «Himmelsmoler» (oder Himmelsmaler) der Schwestern Enderlin zusammen mit dem Jodlerklub Heimelig. Dazu hatte Dirigentin Küttel für die Jodlerinnen und Jodler eigens ein Arrangement vorbereitet. Das Lied beschreibt in verschiedenen Facetten, wie schöne Farben und Muster an den Himmel gemalt werden. Damit war aber noch nicht genug. Andrea Küttel hielt eine Überraschung bereit, die zum Mitsummen einlud und die Konzertbesucherinnen und Konzertbesucher auf charmante Weise Teil des musikalischen Geschehens werden liess. Während sich die Jodlerinnen und Jodler im Saal unter die Besucher mischten, übte die Dirigentin unter Verwendung diverser Handzeichen mit dem Publikum Anstimmtöne ein. Mit dem Jodellied «Kamerade» von Mathias Zogg, einem Jodelhit, den praktisch jeder Jodelklub im Repertoire führt, gelang der modernen «Maestra» einmal mehr, mit einem «Saal voller lebhafter Stimmen» kurzerhand einen temporären «Grosschor» zum Gesang zu animieren.


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