Baar bleibt auf Erfolgskurs und plant Millionenüberschuss

  04.11.2026 Politik

Der Baarer Gemeinderat hat kürzlich sein Budget fürs Jahr 2027 veröffentlicht. Die Gewinnphase setzt sich fort, obwohl die Ausgaben deutlich steigen. In einer Disziplin sind die Baarer besonders gut.

MARCO MOROSOLI

In der Zeit vor Weihnachten machen die Gemeinden Kassensturz. Gleichzeitig wagen die Exekutivpolitiker einen Blick in die Zukunft. Sie gehen sozusagen eine Wette ein, bei der sie sich alle Mühe geben, bei den Zahlen möglichst nicht wie ein begossener Pudel auszusehen. In dieser Disziplin sind die Verantwortlichen in Baar in den letzten Jahren sehr verlässlich. Das letzte Minus schrieb die Gemeinde im Jahr 2015. Das war eine Zeit, in der Zuger Gemeinden wie auch der Kanton darbten und Sparprogramme anstossen mussten. Das Blatt wendete sich im Jahr 2016. Baar kennt seither nur noch schwarze Zahlen.

Baars Ausgaben steigen deutlich
Schwarz plant der Baarer Finanzchef Mark Gustafson auch fürs Budget des Jahres 2027. In einer Mitteilung schreibt der Gemeinderat, dass im kommenden Jahr bei einem Aufwand von 160,3 Millionen Franken und Erträgen in der Höhe von 207,3 Millionen Franken ein Überschuss von 46,9 Millionen Franken resultieren soll. Dabei fällt bei einem Vergleich mit den Vorjahren auf, dass Baar in Bezug auf den Aufwand seit Längerem relativ konstante Zahlen ausweist. Für 2027 ist jedoch ein deutlicher Anstieg vorgesehen. Mit rund 160 Millionen Franken liegt der budgetierte Aufwand um 11,6 Millionen Franken höher als im Budget 2026. Ein Grund dafür ist der Beitrag an den Zuger Finanz- und Lastenausgleich, der von 5,3 auf 11,5 Millionen Franken steigt. Auch die Beiträge an öffentliche Unternehmungen sowie die Pflegekosten nehmen zu. Der Personalaufwand bleibt hingegen stabil.

Gustafson wird sich dazu am 9. Dezember 2026 anlässlich der nächsten Baarer Gemeindeversammlung im Gemeindesaal äussern. Er erklärt aber schon jetzt in einer Medienmitteilung, wieso die Gemeinde Baar positiv in die Zukunft schauen kann: «Wir können unsere Investitionen auch in Zukunft aus selbst erwirtschafteten Mitteln finanzieren und müssen uns nicht verschulden.»

Freudig dürften die stimmberechtigten Baarer zudem zur Kenntnis nehmen, dass die Rechnung im laufenden Jahr 2026 sogar noch besser ausfallen könnte. Der Baarer Finanzvorstand nennt dabei die Zahl von 63,3 Millionen Franken. Dieser Zustupf gehe, so der Gemeinderat, auf die definitive Veranlagung einer Handänderung aus dem Jahr 2020 zurück. Die dabei anfallende Grundstückgewinnsteuer muss die Gemeinde Baar mit keinem anderen Gemeinwesen teilen.

Grundstückgewinnsteuer als willkommener Zustupf
Handänderungen bei Grundstücken sorgen bei den Gemeinden im Kanton immer mal wieder für ungeplante Ausreisser nach oben. Mark Gustafson nennt die betroffene Liegenschaft – wohl aus Gründen des Datenschutzes – nicht. Die von der Gemeinde gemachten Angaben lassen den Schluss zu, dass der aussergewöhnliche Geldsegen aus einem Grundstückkauf im Grenzgebiet Göbli zwischen den Gemeinden Baar und Zug herrührt. Das Zuger Verwaltungsgericht hat in einem wegweisenden Urteil (A 2021 9) den Schätzwert der Baarer Grundstückgewinnsteuerkommission bestätigt.

Strittig war zwischen den Parteien der Verkehrswert des insgesamt rund 25’000 Quadratmeter grossen Grundstücks vor 25 Jahren. Die Käuferschaft – eine Zuger Pensionskasse – legte für das Bauland rund 138 Millionen Franken auf den Tisch. Das ergibt einen Quadratmeterpreis von rund 5’500 Franken.

Die Bauarbeiten an den sechs Mehrfamilienhäusern laufen bereits. Dort sind 186 Mietwohnungen vorgesehen. Die Bausumme für die Überbauung beträgt rund 116 Millionen Franken. Der Bezug soll ab 2028 möglich sein. Inwiefern die dort einziehenden Menschen für noch mehr Ertrag in Baar sorgen werden, wird sich wohl erst im nächsten Jahrzehnt zeigen.

Dass die Gemeinde Baar weiterhin viel investiert, macht Sinn. Die Investitionen kommen zu einem grossen Teil den Sektoren Schule, Freizeit und Sportinfrastruktur zugute. Allein für 2027 sind Nettoinvestitionen von 60,7 Millionen Franken vorgesehen. Trotz des budgetierten Überschusses ergibt sich ein Finanzierungsfehlbetrag von 11,4 Millionen Franken.

An der Steuerschraube will der Baarer Gemeinderat nicht weiter drehen. Er beantragt, den Steuerfuss bei 49 Prozent zu belassen. Aufgrund eines bereits beschlossenen Steuerrabatts würde der tatsächlich angewendete Steuerfuss jedoch bei 47,53 Prozent liegen. Die Finanzkommission fordert jedoch an der Dezember-Versammlung eine weitere Senkung des Steuerfusses auf 47 Prozent der einfachen Steuer. Es bleibt spannend in «alt Fry Baar». Die entscheidende Versammlung findet am 9. Dezember 2026 im Gemeindesaal statt. Sie beginnt um 19.30 Uhr.


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