Baar will flächendeckendes Veloverleihsystem

  12.08.2026 Sport

Baar könnte schon bald Teil eines gemeindeübergreifenden Veloverleihsystems werden. Geplant sind 15 Stationen mit insgesamt 51 Velos, die im ganzen Gemeindegebiet verteilt werden. Noch steht das Projekt unter dem Vorbehalt der Finanzierung durch den Kanton.

RAHEL HEGGLIN

Grundlage bildet eine vom Kanton und neun Gemeinden in Auftrag gegebene Studie, welche die Einführung eines stationsgebundenen Veloverleihsystems empfiehlt. Das System soll ausschliesslich aus Velos und E-Bikes bestehen. Auf E-Scooter wird bewusst verzichtet, nachdem frühere Pilotprojekte in der Region an von falsch abgestellten Fahrzeugen sowie Akzeptanzproblemen gescheitert waren.

Bereits früher gab es im Kanton Zug Bikesharing-Angebote. Diese verschwanden jedoch wieder, weil sie ohne öffentliche Finanzierung nicht wirtschaftlich betrieben werden konnten. Auch Baar hatte sich in der Vergangenheit gegen eine Beteiligung an einer privat getragenen Lösung ausgesprochen, da die Gemeinde zwar hätte mitfinanzieren, aber kaum Einfluss auf das Angebot nehmen durfte. Stattdessen beteiligt sich Baar nun aktiv an der kantonalen Projektentwicklung. In enger Absprache mit dem Gemeinderat vertrat Christof Gerig, Abteilungsleiter Sicherheit / Werkdienst die Bedürfnisse der Gemeinde Baar in der Arbeitsgruppe.

Stationen in der ganzen Gemeinde
Die vorgesehenen 15 Standorte orientieren sich an wichtigen Verkehrsknoten, Wohnquartieren, Sportanlagen und Arbeitsplatzgebieten. Besonders beim Bahnhof und beim Zuger Kantonsspital sollen grössere Stationen entstehen. Weitere Standorte verteilen sich über das gesamte Gemeindegebiet, damit möglichst viele Quartiere vom Angebot profitieren können. Die vorgeschlagenen Standorte sind allerdings noch nicht definitiv. Vor der Umsetzung müssen sie politisch beschlossen und teilweise noch mit Grundeigentümern abgestimmt werden.

Kein «Free-Floating-System»
Das System funktioniert ausschliesslich stationsgebunden. Wer ein Velo ausleiht, muss dieses an einer offiziellen Station wieder zurückgeben. Damit will man verhindern, dass Fahrzeuge ungeordnet im öffentlichen Raum abgestellt werden, was einem «Free-Floating-System» entsprechen würde. Die Velos könnten über eine App ausgeliehen werden. «Wie das Ganze umgesetzt wird, wird dann vom Betreiber festgelegt», sagt Gerig. Denkbar ist allerdings, dass lokale Sozialorganisationen wie beispielsweise die Caritas oder das GGZ den Unterhalt der Velos übernehmen. «Die Gemeinde hat somit mit dem eigentlichen Betrieb des Velosharings nichts mehr zu tun», erklärt Gerig.

Die Studie empfiehlt, rund 30 Prozent der Fahrzeuge als E-Bikes auszuführen. Damit sollen möglichst viele Nutzergruppen angesprochen werden. Gleichzeitig sieht das Konzept Freiminuten für die Bevölkerung vor, um den Einstieg ins neue Angebot zu erleichtern und möglichst viele Personen zum Ausprobieren zu bewegen. Auch Unternehmen könnten sich künftig finanziell beteiligen und ihren Mitarbeitenden zusätzliche Vergünstigungen anbieten.

Finanzierung entscheidet über Zukunft
Für Baar werden die Kosten für die ersten drei Betriebsjahre auf rund 225’000 Franken geschätzt. Darin enthalten sind die Infrastruktur, Kommunikation sowie auch Freiminuten für die Bevölkerung. Insgesamt rechnet die Studie für alle neun beteiligten Gemeinden mit Projektkosten von rund 1,5 Millionen Franken während der ersten drei Jahre.
Ob das Projekt tatsächlich umgesetzt wird, hängt jedoch entscheidend von der Beteiligung des Kantons ab. «Ich gehe davon aus, dass sich das Projekt ohne kantonale Unterstützung in Luft auflösen würde», sagt Gerig. Denn die Gemeinden wünschen sich, dass der Kanton sich nicht nur finanziell am Projekt beteiligt, sondern auch die kantonsübergreifende Umsetzung weiterhin koordiniert. In die Karten schauen lässt sich der Zuger Baudirektor, Florian Weber aber nicht: «Die Baudirektion prüft zurzeit, ob und wie eine kantonale Beteiligung am Veloverleihsystem definiert werden könnte.»

Zeitplan bleibt ambitioniert
Gibt der Kanton grünes Licht, könnte der Grundsatzentscheid der Gemeinden für die Einführung bereits in den kommenden Wochen erfolgen. Anschliessend sind eine Ausschreibung und die Vergabe an einen Anbieter vorgesehen. Der Betriebsstart ist derzeit für März 2027 geplant. Ob dieser Zeitplan eingehalten werden kann, ist aktuell noch fraglich. Gerig hält den Starttermin für ambitioniert, aber möglich.


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