Baarer Bundesraaaaat!
13.03.2025 PolitikDie Freude ist riesig bei den Baarern und der Zentralschweiz. Martin Pfister hat es geschafft und wurde im zweiten Wahlgang mit 134 Stimmen zum neuen Mitte-Bundesrat gewählt.
RAHEL HEGGLIN
Der Allenwindner und Zuger Gesundheitsdirektor setzte sich gegen seinen Parteikollegen Markus Ritter aus der Ostschweiz durch. Mit Pfister hat der Kanton Zug nun nach 43 Jahren erstmals wieder einen Bundesrat.
Fast im ersten Wahlgang geschafft
Pfister hätte die Wahl fast im ersten Wahlgang entschieden. Ihm fehlte für das Absolute Mehr nur eine Stimme. Pfister erhielt 122 gültige Stimmen, sein Konkurrent 105 Stimmen. Somit erklärte die Nationalratspräsidentin Maya Riniker, dass ein zweiter Wahlgang nötig sei.
Wiederum wurden Wahlzettel verteilt und ausgezählt. Um 9 Uhr 15 verkündete die Nationalratspräsidentin: «Gewählt mit 134 gültigen Stimmen ist Martin Pfister!» Die Freude im Saal, vor allem bei der Baarer Delegation, war riesig. Die gesamte Vereinigte Bundesversammlung erhob sich und applaudierte, als der neu gewählte Bundesrat den Saal betrat.
Die Vereidigung
Mit einem Lachen, und ziemlich sicher erleichtert, nahm Pfister die Gratulationen entgegen und trat an das Rednerpult. In seiner Erklärung zur Wahlannahme sagte er unter anderem, dass er sich auf die Zusammenarbeit mit den neuen Kolleginnen und Kollegen freue. Es sei ihm eine Ehre, dass er gewählt wurde. Dann der entscheidende Schlusssatz: «Ich nehme die Wahl an», und der Schwur. Damit nimmt der Noch-Regierungsrat aus Zug per 1. April in der Landesregierung Platz.
Dritter Zuger Bundesrat
Nach Philipp Etter (1934 bis 1959) und Hans Hürlimann (1973 bis 1982) ist Martin Pfister der dritte Zuger Bundesrat.
In Zug beschreibt man Pfister als bescheiden, sachlich und unaufgeregt. Ein ruhiger Politiker, der nicht durch laute Töne, sondern durch Beharrlichkeit überzeugt. Er wurde bereits dreimal (Ersatzwahl 2016, 2018, 2022) in die Zuger Kantonsregierung gewählt, was zeigt, dass seine Art bei der Wählerschaft ankommt. Als Gesundheitsdirektor des Kantons Zug hat er auch in herausfordernden Zeiten, wie während der Corona-Pandemie, entschlossen gehandelt und sich nicht gescheut, Massnahmen zu verschärfen. Seine Fähigkeit, in Krisensituationen rasch Entscheidungen zu treffen, hat er auch im Militär unter Beweis gestellt, wo er als Oberst die Katastrophenhilfe der Territorialregion 3 leitete.
Akademische Tiefe und praktische Erfahrung
Nach einer Ausbildung zum Lehrer studierte er an der Universität Freiburg Geschichte und Germanistik. Besonders bemerkenswert: Seine akademische Laufbahn war stark auf die Geschichte des Bundesrates ausgerichtet. In seiner Lizenziatsarbeit befasste er sich intensiv mit der Wahl des ehemaligen Bundesrats Etter und erhielt als erster Zugang zu dessen Familienarchiv. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitete er für den renommierten Historiker Urs Altermatt, der als führende Koryphäe bezüglich Geschichte des Bundesrates gilt.
Doch Pfisters Karriere beschränkte sich nicht auf den akademischen Bereich. Er sammelte umfassende Erfahrung als Betreuer von Beratungsdossiers für NGOs und als Geschäftsführer verschiedener Verbände. Diese sind in der Automobilbranche bis hin zur Förderung energieeffizienter Technologien angesiedelt. 2011 absolvierte Pfister zudem einen Zertifikatslehrgang in politischer Weiterbildung an der Universität St. Gallen, was seine gezielte Vorbereitung auf höhere politische Ämter unterstreicht.
Politischer Karrierestart in Baar
Den Einstieg in die Politik schaffte Pfister als Mitglied der Vormundschafts- und Sozialhilfekommission der Gemeinde Baar. Zudem war er von 2005 bis 2012 Präsident der CVP Baar. 2006 wurde er in den Kantonsrat gewählt, wo er Mitglied der Raumplanungs-, der Gesundheitsund von 2011 bis 2016 Präsident der Bildungskommission war. Nachdem Peter Hegglin 2015 in den Ständerat gewählt wurde, wurde Pfister in der Ersatzwahl 2016 in den Zuger Regierungsrat gewählt. 2019/2020 war der Mitte-Politiker Statthalter und 2021/2022 Landammann des Kantons Zug.
Privatleben
Der 62-jährige Pfister ist verheiratet mit Cacilda Giacometti Pfister und hat vier erwachsene Kinder: Drei Töchter und einen Sohn. Zudem ist er Grossvater von vier Enkelkindern. In seiner Freizeit liest er gerne, mag es kulturell und geht wandern oder joggen. Er wohnt in Allenwinden und ist unter anderem Mitglied der Guggenmusik Snäfuu sowie vom Verein Dorfladen Allenwinden.