Baarer Bundesratskandidat Martin Pfister

  12.02.2025 Politik

Die Bundesversammlung wollte eine Auswahl und hat sie nun. Der Baarer Regierungsrat Martin Pfister (Die Mitte) tritt gegen den St. Galler Nationalrat und Bauernpräsidenten Martin Ritter (Die Mitte) an. Der Entscheid fällt am 12. März im Berner Bundeshaus.

MARCO MOROSOLI

Um alles rund um die Bundesratswahl in Erfahrung zu bringen, muss der Baarer Bundesratskandidat Martin Pfister nur in sein Archiv an seinem Wohnort Allenwinden steigen. Der heute 61-jährige Zuger Regierungsrat und Gesundheitsdirektor schloss sein Geschichtsstudium in Fribourg vor 30 Jahren ab. Das Thema seiner – nicht veröffentlichten – Lizenziatsarbeit «Die Wahl von Philipp Etter (1891–1977) in den Bundesrat 1934». Der erste Zuger Bundesrat – seit der Gründung der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Jahre 1848 – zeigte Sitzleder und blieb bis 1959 in der Landesregierung.

Einen solchen Dauerlauf in Bern plant Pfister nicht. An seiner ersten Pressekonferenz seit seinem Entschluss, für den Bundesrat zu kandidieren, sagte er: «Man muss eine Perspektive haben und sich Zeit für eine Analyse nehmen.»

Der Mitte-Kandidat überlegte länger, ob er sich bei der Bundesratswahl am 12. März zur Verfügung stellen soll. Demütig sagte er am Pressemeeting: «Ich gehe als Aussenseiter ins Rennen.» Diese Zurückhaltung überrascht nicht, denn er steigt gegen den St. Galler Nationalrat Martin Ritter (57) ins Rennen. Der Landwirt politisiert seit 2012 in der grossen Kammer. Der in Altstätten im St. Galler-Rheintal wohnhafte Bundesparlamentarier ist ein Netzwerker. Das zeigt sich immer wieder, wenn er als Präsident des Schweizerischen Bauernverbands für die Belange der Landwirtschaft kämpft – und sehr oft siegt.

Womit gesagt ist, dass der Ostschweizer Ritter weiss, wie Nationalbeziehungsweise Ständeräte zu packen sind. Diese beiden Kammern wählen als Bundesversammlung vereint am 12. März den nächsten Bundesrat.

Derweil sagt der Baarer Bundesratskandidat: «Ich bin in Kasernen besser aufgehoben als im Bundeshaus.» Pfister machte in der Armee Karriere und brachte es bis zum Oberst. Sein Widersacher ist auf der Plattform parlament.ch als Gefreiter gelistet. Diesen Rang erhält ein Soldat, wenn er sich durch jede Handlung hervortut.

Während Corona einen guten Job gemacht
Der Zuger Gesundheitsdirektor sagte an der Medienorientierung: «Ich habe grossen Respekt vor Martin Ritter.» Schwierige politische Situationen zu meistern, das schaffte Pfister auf Stufe Kanton auch. Als er Anfang 2016 in den Regierungsrat gewählt wurde, musste er als neuer Gesundheitsdirektor gleich ein Sparprogramm mittragen. Die nächste Herausforderung wartete mit der Corona-Pandemie auf ihn. Eine Phase, die für viele Menschen schon weit entrückt ist.

Der Zuger Bundesratskandidat erwähnte vor der Presse wiederholt, dass er weiss, wo er noch zulegen muss. Er ist dabei kein Einzelkämpfer und sagte: «Ich habe ein Team um mich herum, das sich für mich einsetzt.» Die grösste Baustelle des Kandidaten ist leicht auszumachen: die Bundesparlamentarier. Wichtig sind für ihn auch die Hearings durch die verschiedenen Fraktionen im Bundeshaus. Das dort praktizierte Aufden-Zahn-Fühlen müssen Kandidatinnen oder Kandidaten souverän meistern.

Unabhängig von Rochaden im aktuellen Bundesrat und der Tatsache, dass die abtretende Bundesrätin Viola Amherd das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) führt respektive führte, machte sich der Zuger Kandidat schon Gedanken über ein künftig mögliches Arbeitsgebiet.

Pfister als Brückenbauer
Priorität hat für ihn der Ausbau der Armee. Er sagte dazu knapp: «Je schneller, desto besser.» Wohl wissend, dass diese Trendumkehr nach Jahren des Armeeabbaus eine Mammutaufgabe darstellt.

Peter Rust, Präsident der Mitte-Partei des Kantons Zug, beschrieb Pfister vor der Presse so: «Er ist der ruhige Pol im Regierungsrat und sucht den Kompromiss.» Im Zusammenhang mit dem Zuger Bundesratskandidaten fallen oft Ausdrücke wie «er sucht den Kompromiss» oder «er ist ein Vermittler», auch der Ausdruck «Brückenbauer» ist zu hören. Schnellschüsse entsprächen nicht seinem Naturell.

Für Rust hat sein Parteikollege seine Kandidatur für ein Spitzenamt im Bundeshaus auch wohl überlegt. Der Mitte-Kantonsparlamentarier gibt sich demütig: «Pfister startet nicht in der Pole-Position, aber er kommt noch.» Pfister sei einer, der stets das Amt in den Mittelpunkt stelle. Der Vater von vier erwachsenen Kindern hat für Rust die Voraussetzungen, um Bundesrat zu werden: «Ja, er will das. Ja, er kann das.»

Der Baarer Bundesratskandidat hat bei seiner täglichen Arbeit oft mit der Kommission für Gesundheit und Soziales zu tun. Der Präsident dieser Kommission ist Andreas Lustenberger (Alternative - die Grünen). Er wohnt wie Pfister in der Gemeinde Baar. Die Präsenz des Kandidaten aus der Zentralschweiz beschreibt Lustenberger mit drei Wörtern: «Besonnen, gut vorbereitet und zuhörend.» Der grüne Politiker weiss auch, was Pfister stört: «Unkorrekte Aussagen.» Aber selbst bei solchen Vorkommnissen «bleibt er äusserlich gelassen». Lustenberger weiss auch, dass Pfister dossierfest ist, selbst «wichtige Details» seien ihm bekannt sind. Der Kantonsrat der Grünen sagt zudem: «Er hat kein Problem mit Kritik. Was ihn stört, sind eher Ungerechtigkeiten oder wenn die Voten aus dem Parlament nur die halbe Wahrheit» präsentieren.» Pfister weiss also unter dem Strich, worauf es ankommt. Das wäre auch im Bundeshaus nicht anders.

Der Baarer Gemeindepräsident Walter Lipp findet es stark, dass sich Pfister zur Wahl stellt: «Es ist höchste Zeit für einen Zuger Bundesrat, und ich traue es Martin Pfister zu, dieses hohe Amt mit Leib und Seele auszuführen.» Der Parteikollege des Bundesratskandidaten sagt zu Pfisters Stil: «Was er anpackt, macht er mit Engagement und Herzblut. Er verfügt zudem über einen guten Humor.» Der Gemeindepräsident spricht für die Baarer Bevölkerung und sagt: «Ganz Baar wünscht ihm bei den Bundesratswahlen viel Erfolg und wir freuen uns, wenn wir die Feier ausrichten dürfen.»


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