Baarer Kammerorchester lässt den Frühling erklingen
25.03.2026 Musik/KulturKultur «Ba(a)rocker Frühling» – unter diesem Titel führte das Baarer Kammerorchester am letzten Wochenende Werke aus verschiedenen Jahrhunderten auf. Denn der Frühling war und bleibt ein wiederkehrendes Motiv in der Musik, über die engere Barockzeit hinaus.
FRANZ LUSTENBERGER
Zu den beiden Stichworten «Frühling» und «klassische Musik» geben Suchmaschinen und die Künstliche Intelligenz eine rasche Antwort, nämlich die «Vier Jahreszeiten» von Antonio Vivaldi. Damit begann auch das Konzert des Orchesters in der St. Thomas-Kirche in Inwil – allerdings nicht mit dem Vivaldi-Original, sondern mit «Spring 1», einer minimalistischen Neuinterpretation des Komponisten Max Richter; der Brite sorgte mit «Vivaldi Recomposed» weltweit für Furore; das Album belegte zeitweilig in den USA gar Platz 1 der Tunes-Charts. David Hubov, Dirigent und künstlerischer Leiter der 40 Musikantinnen und Musikanten des Baarer Orchesters, begründete diesen Einstieg ins Konzert so: «Wir wollen den Fächer des Barocks öffnen und dem Publikum neue Blickwinkel auf diese Musik aufzeigen.»
Unterwegs mit Don Quixote
Mit der Suite «Don Quixote» von Georg Philipp Telemann folgte das Herzstück des Programms. In acht Sätzen setzt Telemann Episoden und Szenen aus dem Roman von Miguel de Cervantes musikalisch um. Der Komponist arbeitet mit tonmalerischen Effekten; durch rasche
Rhythmen und bildhafte Figuren werden die Abenteuer des Ritters von der traurigen Gestalt lebendig. Das Orchester setzte das Erwachen – wie am Schluss der Suite den
Schlaf der Hauptfigur –, seinen Kampf gegen Windmühlen, die Liebeseufzer nach der Prinzessin Dulcinée oder den Galopp des klapprigen Reitpferdes Rosinante gekonnt um.
Als Nächstes folgte wiederum ein Zeitsprung aus der Barockzeit in die Neuzeit, nämlich zu Ottorino Respighi und seiner Suite Nr. 3 aus dem Jahre 1931, einem neobarocken Werk, das auf Lautenmusik des 16./17. Jahrhunderts basiert. Das viersätzige Werk verbindet die melancholischelegante Atmosphäre der Renaissance und des Barocks mit einem üppigen modernen Klang. Es schlug eine Brücke zwischen den Jahrhunderten. Der gebürtige Chilene Victor Castillo Luna trug mit seinem Spiel auf der Laute wesentlich zum Hörerlebnis für das Publikum bei.
Abschluss mit Vivaldi und Grieg
Ein Kammermusikabend ohne Vivaldi? Schwer vorstellbar – also erwies das Baarer Ensemble auch dem italienischen Komponisten die Ehre, mit dem Concerto für Streicher in G-Moll. Das Werk zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass es ohne hervorgehobene Solisten auskommt. Ein bewusster Entscheid, wie Vereinspräsidentin Sarah Kehl bei der Einführung ins Programm sagte: «Das gesamte Orchester macht die Klangwelt aus.» Das Zusammenspiel aller Musikantinnen und Musikanten ist auch für den Dirigenten wichtig. «Es ist die Grundlage für ein erfolgreiches Projekt, das mit der Aufführung seinen Höhepunkt erreicht.»
Den Abschluss des Konzertes bildete das Opus 34, Nr. 2 von Edvard Grieg, mit dem Titel «Der letzte Frühling». In diesem Werk wie im parallel dazu entstandenen Werk «Herzwunden» greift der norwegische Komponist auf Lieder des Dichters Aasmund Olavsson Vinje zurück und setzt dessen Lyrik in Musik um: «Ja, noch einmal ist das Wunder geschehn, das Glück mit beschieden, wieder in all seiner Wonne zu sehn, den Frühling hienieden!» Greig schuf ein Meisterwerk skandinavischer Spätromantik; die Streicherinnen und Streicher des Kammerorchesters schufen damit eine melancholische Stimmung und eine emotionale Tiefe, welche die Zuhörerinnen und Zuhörer mit in die Frühlingsnacht nach Hause nehmen konnten.



