Baarer Cannabis-Unternehmen in der Pole Position

  26.03.2025 Wirtschaft

Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates hat den Vorentwurf für ein Bundesgesetz zur Regulierung von Cannabis angenommen. Dieser Entscheid könnte für ein Baarer Unternehmen zu einem lukrativen Geschäft werden.

RAHEL HEGGLIN

Im Zentrum der Vorlage, die Mitte Februar verabschiedet wurde, steht der legale Konsum für Personen ab 18 Jahren. «Wird die Regulierung kommen, könnte dies nicht nur den Konsumenten, sondern auch der lokalen Wirtschaft und den öffentlichen Finanzen enorme Vorteile bringen», ist sich Dominic Sigrist, CEO der SwissExtract AG sicher.

Umsatzsprung dank Pilotprojekten
Sein Unternehmen baut seit 2017 Cannabis für CBD-Produkte mit einem THC-Gehalt von maximal einem Prozent an. 2023 hat die Firma vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Lizenz erhalten, Cannabis mit einem THC-Gehalt bis zwanzig Prozent für die kontrollierte Abgabe anzubauen und Produkte daraus herzustellen. Die Abgabe -dieser- Cannabisprodukte- findet- im-Rahmen der schweizweiten Pilotprojekte statt, welche es unter anderem in den Kantonen Zürich und Basel-Landschaft oder den Städten Biel und Zürich gibt. Bei einigen solcher Pilotprojekte – verteilt auf die ganze Schweiz - ist SwissExtract exklusiver Lieferant. «Dies, weil unser Cannabis den strengen Anforderungen des BAGs entspricht. Einerseits muss es hochwertig-biologisch angebaut sein, andererseits aus der Schweiz kommen. Nebst den klassischen Cannabisblüten und Haschisch werden auch Schokolade, Weingummis oder Vapes hergestellt. So genannte «Harm Reduction Produkte», wobei kein Verbrennungsprozess-stattfindet»,-so-Sigrist.-

Millionen an Steuereinnahmen
Durch diese Lizenzen ist der Umsatz von SwissExtract stark gestiegen und könnte sich mit einer künftigen Regulierung um ein Weites steigern. «Wir verfügen über die Kapazität, dreissig bis vierzig Tonnen Cannabis pro Jahr zu produzieren. Damit könnten wir den grössten Teil des Schweizer Bedarfs decken», erklärt der CEO und rechnet vor: «Aktuell liegt der Schwarzmarktumsatz in der Schweiz bei geschätzten 600 bis 800 Millionen Franken pro Jahr. Würde der Markt reguliert und eine Steuer von 25 Prozent erhoben, gäbe das jährliche Einnahmen von rund 200 Millionen Franken. Dieses Geld könnte für AHV, Jugendschutz und Gesundheitsprävention genutzt werden.»

Geschäftsentwicklung
Sigrist sieht auch Chancen für den Wirtschaftsstandort Zug und die Gemeinde Baar. «Bei einer Regulierung wäre eine Zusammenarbeit mit lokalen Landwirten möglich, die das Cannabis auf ihren Feldern oder in Gewächshäusern anbauen.» Diese müssten jedoch als Bio-Bauern zertifiziert-sein,-damit-die-strengen-Vorgaben, die für das Schweizer Cannabis- unter- der- Auflage- des- Bundesgelten, eingehalten werden können.

Zudem müsste die SwissExtract langfristig auch neue Arbeitsplätze schaffen. «Bei einer vollen Produktion wären achtzig bis neunzig Angestellte notwendig. Im Moment sind es zwanzig», so der Unternehmer. Vier Angestellte mit insgesamt zweihundert Stellenprozenten arbeiten in Baar, der Rest im Seeland, wo sich die Produktionsfelder der SwissExtract befinden.-

Nach dem Cannabis kommt das Radiesli
Angebaut wird in den Gewächshäusern von einem der grössten Biobauern in der Schweiz. Auf rund 12’000 Quadratmetern wachsen die biologischen- Cannabispflanzen- und- können zwei- bis viermal pro Jahr geerntet werden. Nach diesem Zyklus nutzt der Biobauer die Gewächshäuser für den Anbau von Gemüse. «Die Cannabispflanze-ist-ein-Tiefwurzlerund konkurriert nicht mit nachfolgenden Kulturen wie Nüsslisalat oder Radieschen. Im Gegenteil, die Bodenökologie wird um bis zu zwanzig Prozent verbessert», erklärt Sigrist.

Cannabis bekommt auch in der Medizin stetig mehr Akzeptanz. «Seit der Bund die Zugangsbestimmungen erleichtert hat, nutzen immer mehr Patienten Cannabis zur Behandlung von chronischen Schmerzen, Appetitlosigkeit nach Krebstherapien und anderen Indikationen» so der Unternehmer, der davon ausgeht, dass auch dieser Markt bei einer Regulierung wachsen wird.

Legaler Konsum bald möglich?
Sollte die Gesetzesänderung in der Herbst- oder Wintersession durchgewunken werden, ist immer noch möglich, dass das Referendum ergriffen wird. «Wir sind sehr gut vernetzt und werden entsprechend auch lobbyieren. Denn wir setzen uns für eine Cannabisregulierung mit klaren Qualitätsstandards ein», so der 62-Jährige. Er sieht in der Regulierung nur Vorteile, gesundheitliche-für-die-Konsumenten-und-finanzielle für den Staat. «So ist sicher, dass einwandfreie Qualität auf den Markt kommt und keine Blüten verkauft werden, die mit synthetischem THC besprüht sind.» Sigrist geht davon aus, dass eine Gesetzesänderung bereits Ende 2027 in Kraft treten könnte.


Im Kanton Zug gibt es aktuell kein Pilotprojekt zur legalen Abgabe von Cannabisprodukten. Das soll sich ändern. Ein überparteiliches Komitee hat einen Vorstoss eingereicht, welcher morgen an den Regierungsrat überwiesen wird.


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