SBB-Charme-Offensive soll Verzögerungen verhindern
11.03.2026 PolitikBeim SBB-Basistunnel von Baar Litti nach Thalwil Nidelbad geht es vorwärts. Die Bahnbauer wollen Ende 2027 das Plangenehmigungsverfahren beim Bund starten. Am vergangenen Donnerstag, 5. März gab es vor der Gemeindeversammlung einen Informationsanlass dazu. Er war hervorragend besucht.
MARCO MOROSOLI
Es ist kaum zu glauben, aber wahr: Als die Schweizer Stimmbürger 1992 den Bau eines Basistunnels durch den Gotthard wie auch den Ceneri guthiessen, war das Projekt Zimmerberg-Basistunnel II ein Bestandteil der für die Schweiz wichtigen Nord-Süd-Achse. Es war auch damals schon klar, dass der Einspurabschnitt zwischen Baar Litti und Horgen Oberdorf keine Zukunft mehr hatte.
Mittlerweile sind 34 Jahre vergangen, ohne dass sich an diesem Flaschenhals etwas bewegt hätte. Die SBB haben die Strecke in den letzten Jahren technisch ertüchtigt. Aber diese Verbesserungen im Betriebsablauf haben einen wunden Punkt: Ist ein Zug unpünktlich, gerät das ganze Fahrplankonzept aus den Fugen. Dazu können Baar-Zürich-Pendler ein Lied singen. Jetzt zeichnet sich ab, dass sich – optimistisch veranschlagt – am aktuell werktäglichen Hochseilakt ab 2040 eine fundamentale Änderung ergibt. Mit der Eröffnung des Zimmerberg-Basistunnels II (ZBT II) verkürzt sich einerseits die Fahrzeit nach Zürich HB um rund sechs Minuten. Da dieser zweispurig ausgelegt ist, vereinfacht sich dereinst die Arbeit der Fahrdienstleiter markant.
Bis es so weit ist, müssen die Projektverantwortlichen der SBB noch einiges in die richtige Reihe bringen. Am vergangenen Donnerstag informierten die Projektleiter der Staatsbahn vor Beginn der ordentlichen Gemeindeversammlung über den Planungsstand des rund 1,8 Milliarden Franken teuren Tunnelprojekts durch den Zimmerberg. Der Gemeindesaal war beim Informationsanlass gut gefüllt.
Vor der Versammlung sagte der Baarer Bauvorstand Zari Dzaferi: «Wir sind ernsthaft an einer guten Lösung interessiert.» Da schlagen die SBB in die gleiche Kerbe, wie der SBB-Gesamtprojektleiter Benjamin Karli vor den Zuhörern im Gemeindesaal erklärte: «Wir haben sehr viel daran gesetzt, um zu einer gangbaren und verträglichen Lösung zu kommen.»
Die für das Südportal des ZBT II zuständige SBB-Projektleiterin Kelly Heilmann hat dabei einen schweren Job. Sie ist dafür besorgt, dass die Interessenträger im Baarer Gebiet Deinikon über die Schritte beim Bauprojekt stets orientiert sind. Die grösste Herausforderung stellt die Ablage des Tunnelausbruchs dar. Dieser kann aus logistischen Gründen nicht abgeführt werden. Der Baustellenverkehr würde Baar massiv belasten. Um dies zu verhindern, will die Bauherrschaft die rund 2,2 Millionen Kubikmeter ausgebrochenes Molasse-Gestein vor Ort verwenden.
Aushub ist kein Kies
Ideal wäre es gewesen, wenn die herausgebrochenen Steine als Kies hätten verwendet werden können. Doch diese Gesteinsart ist zu weich und zudem sehr witterungsanfällig. Deshalb eignen sich diese Gesteine nicht für die Auskleidung der zwei Tunnelröhren. Es musste eine andere Lösung her.
Das Zauberwort heisst hier: Geländemodellierung. Die genaue Lage dieser Aufschüttung hat sich gegenüber früheren Plänen geändert. Diese hatten vorgesehen, den auf dem für die Deponierung vorgesehenen Gelände fliessenden Chlingenbach umzuleiten. Diesem Ansinnen schoben übergeordnete Behörden einen Riegel vor. Es brauchte eine neue Idee. Weitere, zu beachtende Punkte flossen ebenso in die Tunnelplanung ein.
Ein weiterer Knackpunkt bei den Vorbereitungsarbeiten des Milliardenprojekts ist die Ableitung des Verkehrs auf die Autobahn A4a. Auch in diesem Bereich müssen gangbare Lösungen her.
Die Planungs-Crews müssen sich aber nicht nur um solche Probleme kümmern. Das Bewusstsein, an einer heiklen Stelle zu bauen, macht noch etwas anderes zur Chefsache: die Verständigung mit den Nachbarn und den Landeigentümern. Auf dieser Ebene finden immer wieder Treffen statt, wie die Projektleiterin des Südportals, Kelly Heilmann, erklärt. Dieser Austausch ist bedeutsam für die Akzeptanz des Projekts.
Die zeitintensive Arbeit der Bauherrschaft trägt Früchte, wie ein Statement von Philipp Hotz zeigt. Er sprach im Namen der Interessengemeinschaft Zimmerberg-Basistunnel II (IGZBT2): «Wir vertreten die Interessen der Anwohner. Wir fühlen uns ernst genommen und können uns auch einbringen.» Wichtig ist ihm und seiner IG, dass das Gebiet Deinikon ein Naherholungsgebiet bleiben soll.
Klar ist, dass die Planungsunterlagen weiter zu verfeinern sind. Wie der Gesamtprojektleiter Benjamin Karli den anwesenden Baarerinnen und Baarern erklärte, sollen das Projekt, zu dem auch die Anschlussbauwerke in Thalwil gehören, in der zweiten Hälfte 2027 öffentlich aufgelegt werden.
Ziel: im Jahr 2030 mit dem Bohren beginnen
Die projektierten Bauten auf dem Gelände beim Albistunnel aus dem Jahr 1897 sollen dann gleichzeitig in Baar einsehbar sein. Der Gesamtprojektleiter rechnet mit einer Behandlungszeit von zwei Jahren. Geht alles glatt, dann könnten die Bauarbeiten im Jahr 2030 beginnen. Sie könnten dann um 2040 enden.
Die Eckpunkte für den Zimmberg-Basistunnel II sind jedoch bekannt: Die Strecke von Baar Litti nach Thalwil Nidelbad misst 10,8 Kilometer. Mit dem bereits bestehenden Zimmerberg-Basistunnel I (Thalwil – Zürich) entsteht nach dem Gotthardund Lötschberg-Basistunnel sowie dem Simplon der viertlängste Tunnel der Schweiz (19,2 Kilometer). So viel Tunnel zwischen Zug respektive Baar und Zürich gab es noch nie. Unklar ist einzig der Bau des dritten Streckengeleises zwischen Zug und Baar. Es droht der nächste Flaschenhals. Aber das Geld reicht wieder nicht, um die geplante Infrastruktur zu bauen. Und das ist wiederum Stoff für viele weitere Geschichten.

