Parteiforum Baar: Ist Baar kinderfreundlich genug?

  25.03.2026 Politik, Parteiforum

Hand aufs Herz: Fühlen sich Kinder und Jugendliche in Baar wirklich wohl, wenn sie draussen unterwegs sind? Wo können sie sich treffen, abhängen, spielen – ohne dass sie stören? Was läuft in Baar bereits gut, und wo müsste die Gemeinde aus eurer Sicht nachlegen? Die Frage kommt von der SP.

Damit Baar kinderfreundlich bleibt
Baar darf sich mit gutem Grund als kinder- und jugendfreundliche Gemeinde bezeichnen. Die Investitionen in moderne Schulhäuser, Sportanlagen und Freizeitangebote schaffen eine hervorragende Grundlage. Ob beim Schulsport, in der Musikschule oder in einem der zahlreichen Vereine – Kinder und Jugendliche finden viele Möglichkeiten, sich sportlich und kreativ zu entfalten. Die neuen Anlagen bei der Sternmatt zeigen zudem, wie gelungen Schule, Sport und Begegnung miteinander verbunden werden können.

Sichere Wege für kleine Füsse
Dass so vieles gut funktioniert, kann auch als Ansporn dienen. Ein Thema ist die Sicherheit im Strassenraum. Auf Schulwegen oder bei Baustellen kann es vereinzelt Situationen geben, in denen noch Verbesserungen möglich wären. Besonders an schlecht beleuchteten Kreuzungen oder bei Baustellen lohnt sich ein prüfender Blick auf sichere Wege für Kinder. Smarte Beleuchtung oder gut ausgebaute Velowege – auch für Lastenvelos – könnten hier zusätzliche Sicherheit schaffen.

Bei neuen Überbauungen wäre es wünschenswert, Spielplätze öffentlich zugänglich zu gestalten und Treffpunkte für Jugendliche einzuplanen.

Insgesamt steht Baar sehr gut da. Wenn die Anliegen bei kommenden Projekten – etwa bei der Gestaltung von Bahnhofplatz-Bahnmatt oder im Gebiet Lättich-Spinnerei – mitgedacht werden, kann die Gemeinde ihre Stärken weiter ausbauen und ihrem Anspruch als kinder- und jugendfreundliche Gemeinde weiterhin gerecht werden.

Zu wenig öffentliche, naturnahe Spielplätze und fehlende Begegnungsorte
Meine Kinder sind inzwischen junge Erwachsene. Als Waldspielgruppenleiterin interessiert es mich nach wie vor, wo Kinder in Baar spielen können und welche natürlichen Elemente vorhanden sind. In Baar habe ich wenige öffentliche Spielplätze gefunden. Offensichtlich hat es dafür zu wenig Platz. Und da verschiedene Kitas keine Aussenräume mit Spielmöglichkeiten haben, sind die öffentliche Spielplätze oft durch Kita-Gruppen besetzt. Es gibt aber zahlreiche private Spielplätze, die ausschliesslich für die Bewohnenden der jeweiligen Überbauung bestimmt sind. Würde eine stärkere Durchlässigkeit zwischen den Überbauungen nicht auch Begegnungen zwischen Kindern und Eltern ermöglichen? Viele dieser Spielplätze wirken für mich beinahe ausgestorben; steril gestaltet, mit Gummimatten und wenig Raum für Fantasie! Es fehlt an Inspiration und an natürlichen Elementen, die Kinder zum freien kreativen Spiel anregen.

«Meh Dräck»
Viele Aussenflächen sind asphaltiert und werden als Parkplätze oder Strassen genutzt. Naturnahe Orte werden immer seltener. Ein öffentlicher Naturspielspielplatz im Zentrum mit Erde, Steinen, Holz und einfachen Werkmaterialien wäre eine grosse Bereicherung. Ein Ort zum unbeschwert spielen, an dem «Meh Dräck» ausdrücklich erlaubt ist. Nicht alle Familien haben Zeit oder Möglichkeiten, regelmässig in den Wald zu gehen oder natürliche Spielumgebungen zu besuchen.

Baar hat grosses Potenzial. Vielleicht ist es an der Zeit, Spielräume neu zu denken: Naturnah, offen und generationenverbunden.

Einführung Jugendforum
Die SP fragt, ob sich Kinder und Jugendliche in Baar wohl fühlen. Sollte diese Frage nicht direkt an die Kinder und Jugendlichen gerichtet werden? Können wir Erwachsene uns dazu eine Meinung anmassen?

Wie aber erhalten wir mehr Informationen zu diesen Bedürfnissen? Indem wir eine Jugendforum schaffen, wie es von der Mitte Baar gefordert und an der letzten Gemeindeversammlung auch von den Stimmbürgern genehmigt wurde. Dieses Jugendforum wurde von der SP nicht unterstützt – jetzt mit der Frage nach den Bedürfnissen dieser Altersgruppe zu fragen, ist scheinheilig.

Einbezug von Kindern und Jugendlichen
Was der Gemeinderat bei neuen Projekten bereits sehr gut macht, wünsche ich mir auch für die Zukunft: den aktiven Einbezug der Kinder und Jugendlichen z.B. bei Bauprojekten oder anderen Projekten, welche die Jugend betreffen. Beim Projekt «Sternmatt 2» wurde dies toll umgesetzt: So beinhaltet das Projekt nun unter anderem einen Pumptrack, ein Aussenschulzimmer, ein Basketballfeld, was durch die Kinder und Jugendlichen in Baar genutzt werden kann. Das nächste Projekt sollte das Lättich sein: Auch hier wünschen wir uns den aktiven Einbezug von Kindern und Jugendlichen.

Umsetzung Jugendforum
Wir sind nun gespannt auf die Umsetzung des Jugendforums und freuen uns, wenn wir dank diesem noch viel genauer erfahren können, was unsere Jugendlichen beschäftigt und wo der Schuh drückt – sie sind nämlich diejenigen, welche dazu am besten Auskunft geben können.

Ist Baar kinderfreundlich genug?
Freizeitangebote verändern sich – Engagement bleibt entscheidend.

Baar verfügt heute über ein breites und vielfältiges Angebot für Kinder und Jugendliche. Ob Sportvereine, kulturelle Aktivitäten oder Brauchtum wie die Fasnacht – die Möglichkeiten sind zahlreich und im Vergleich zu früher sogar deutlich gewachsen. Besonders im Sportbereich zeigt sich grosses Engagement.

Gleichzeitig hat sich das Freizeitverhalten verändert. Jugendliche leben heute oft gesundheitsbewusster, geben weniger Geld für Ausgang aus und verbringen ihre Zeit anders als noch vor einigen Jahren. Klassische Treffpunkte wie das Jugendcafe verlieren an Bedeutung, während flexible und unverbindliche Angebote zunehmen. Viele Aktivitäten verlagern sich zudem stärker in den digitalen Raum, was beeinflusst, wie junge Menschen ihre Freizeit gestalten und miteinander in Kontakt bleiben.

Eine zentrale Rolle spielen dabei die zahlreichen Vereine in Baar. Sie leisten einen wichtigen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und bieten Kindern und Jugendlichen Räume zur Entfaltung. Dieses Engagement basiert jedoch stark auf Ehrenamtlichkeit, und genau hier zeigt sich eine Herausforderung: Die Bereitschaft, sich langfristig zu verpflichten, nimmt ab.

Deshalb braucht es neben einem vielfältigen Angebot engagierte Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und sich verbindlich zu engagieren, damit Baar auch künftig kinder- und jugendfreundlich bleibt.

Für die FDP ist klar: eine kinder- und jugendfreundliche Gemeinde zeigt sich nicht in Schlagworten, sondern in verlässlichem Handeln. Baar verfügt über gute Grundangebote wie gepflegte Spielplätze und engagierte Schulen. Doch wenn neue Freizeitund Begegnungsräume entstehen sollen, zeigt sich ein wiederkehrendes Problem: Es dauert zu lange.

Der seit Jahren geforderte Pumptrack ist ein Paradebeispiel. Die Jugendlichen, die ihn angeregt haben, werden ihn wohl erst am Ende ihrer Jugend oder als Erwachsene nutzen können. Beteiligung schafft nur dann Vertrauen, wenn Projekte in einem Tempo umgesetzt werden, das der Lebensrealität junger Menschen auch entspricht.

An der Gemeindeversammlung vom 5. März hat sich die FDP Baar deshalb klar und deutlich für das Jugendforum eingesetzt. Für uns ist es selbstverständlich, jungen Menschen echte Mitsprache zu ermöglichen. Dies nicht nur auf dem Papier, sondern durch Strukturen, die effizient funktionieren und Umsetzungsprozesse spürbar beschleunigen. Genau hier setzt das Jugendforum an: Es soll sicherstellen, dass Anliegen künftig nicht Jahrzehnte brauchen, bis sie realisiert sind. Besonders wichtig ist uns, dass sich Jugendliche in Baar wirklich wohlfühlen können. Dieses Wohlfühlen entsteht dort, wo gegenseitige Rücksichtnahme gelebt wird, wo sichere und attraktive Treffpunkte bestehen und wo Ausgrenzung in keine Richtung stattfindet. Eine sozial und kulturell ausgewogene Bevölkerungsstruktur trägt wesentlich dazu bei und stärkt den Zusammenhalt im Alltag.

Baar hat alle Voraussetzungen, eine der kinder- und jugendfreundlichsten Gemeinden zu sein. Jetzt braucht es Mut, Pragmatismus und mehr Tempo.

Was macht eine kinderfreundliche Gemeinde wirklich aus?

Öffentlicher Raum gehört allen – auch den Jüngsten.

Sind es funktionierende Schulen, genügend Betreuungsangebote und sichere Schulwege? Oder zeigt sich Kinderfreundlichkeit erst dort, wo Kinder und Jugendliche sich auch ausserhalb von Unterricht und Vereinen frei bewegen und willkommen fühlen? Eine Gemeinde ist dann wirklich kinder- und jugendfreundlich, wenn junge Menschen den öffentlichen Raum selbstverständlich nutzen können – ohne Konsumzwang, ohne Verbote und ohne das Gefühl zu stören.

In Baar wirkt vieles ordentlich – aber auch still. Es gibt wenig Orte zum sich Aneignen. Rasenflächen sind gesperrt, Musik im Freien unerwünscht, Schattenplätze rar, Betonflächen ohne Sitz- und Rückzugsorte dominieren, und Spielplätze verlieren mit zunehmendem Alter schnell an Reiz. Treffpunkte fehlen. So bleiben oft Parkhäuser, Bushaltestellen oder ähnliche Orte – ungeeignet und konfliktanfällig.

Kinder brauchen wohnortnahe Spielräume, Jugendliche frei zugängliche Plätze zum Treffen, Bewegen und Verweilen – auch spontan und ohne Anmeldung. Mit dem beschlossenen «Projekt Sternmatt 2» zeigt Baar, dass es anders gehen kann: ein generationenübergreifender Ort, der Begegnung ermöglicht und die Lebensqualität erhöht. Entscheidend ist, dass solche Projekte zum Leitbild werden.

Wenn Baar für alle Altersgruppen attraktiv bleiben – und, sind wir ehrlich: wieder lebendig werden soll –, müssen wir den öffentlichen Raum gemeinsam neu denken; als Ort der Begegnung für alle Generationen und mit aktiver Beteiligung von Kindern und Jugendlichen.


Das Parteiforum

Diese Rubrik soll den Ortsparteien die Möglichkeit geben, zu einem aktuellen Thema Stellung zu beziehen. Vorgegeben werden die Themen reihum von den Parteien selbst.

Das Parteiforum erscheint sechsmal im Jahr in der Baarer Zytig. Für das vorgegebene Thema, wie auch für die Antworten, sind die Parteien, und nicht die Baarer-Zytig-Redaktion verantwortlich.


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