Zug und Baar werden zum Olympischen Dorf

  06.05.2026 Sport

Vom 28. bis 31. Mai ist Zug Austragungsort für die Special Olympics National Summer Games. Die Spiele für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung finden nur alle vier Jahre statt und mit Anja van Helden und Hans Kieliger stehen auch zwei Einheimische mit Medaillenchancen am Start.

EDI WIDMER

Für Anja van Helden sind die National Summer Games in Zug Ende Mai ein ganz besonderes Highlight. Die 35-Jährige ist eine echte Lokalmatadorin. In Baar aufgewachsen und wohnhaft, arbeitet sie im Con-Sol in Zug sowie in einer Waldspielgruppe in Cham. Nun schickt sie sich an, auf heimischem Boden als Leichtathletin Schweizer Sportgeschichte zu schreiben.

Van Heldens Weg zur Leichtathletik war ein glücklicher Zufall. Nachdem sie 2015 als Fussballerin, unter der kalifornischen Sonne, an den World Summer Games in Los Angeles teilgenommen hatte, wechselten zwei ihrer Teamkameradinnen zur Leichtathletik. Sie liess sich ebenfalls begeistern und trainiert seitdem zusammen mit ihren Sportkameradinnen auf der Leichtathletikanlage in Wohlen. Dort spezialisierte sie sich auf den Fünfkampf und die 200 Meter. «Ich mag die Leichtathletik, weil sie beides bietet: Man kämpft in den Einzeldisziplinen für sich selbst, geniesst aber in der Staffel auch den Teamgeist mit der Mannschaft», erklärt van Helden. Die sportliche Bilanz der Baarerin ist bereits vor diesen Spielen beeindruckend. Bei den World Summer Games 2023 in Berlin räumte sie gross ab: zweimal Gold, über 200 Meter und im Weitsprung sowie Silber mit der Staffel.

Trotz Favoritenrolle Spass haben
Für die National Games in Zug, bei denen gegen 180 Teilnehmende in der Leichtathletik erwartet werden, bleibt sie trotz ihrer Favoritenrolle bescheiden: «Ich will Spass haben und an frühere Leistungen anknüpfen. Am besten gelingt das, wenn ich den Kopf einfach ausschalten kann, aber das geht nicht auf Kommando», schmunzelt sie.

Damit sie Ende Mai in Top-Form ist, trainiert van Helden zweimal pro Woche in einer starken Gruppe von über 20 Athleten in Wohlen. Hinter ihrem Erfolg steht das engagierte Trainerteam aus Villmergen: Marlis, Jürg und Michelle Meier. Das Familientrio aus Mutter, Vater und Tochter investiert viel Herzblut und bietet bei Bedarf sogar Zusatztrainings am Wochenende an. Ergänzt wird es durch Irène Heinrich. «Ich habe bei ihnen extrem viel gelernt. Sie korrigieren sofort, wenn etwas nicht passt, und sie haben immer ein offenes Ohr», lobt van Helden ihre Coaches. Und auch die Trainerin Marlis Meier ist optimistisch in Bezug auf ihre Athletin: «Wenn es Anja gut läuft, ist eine Medaille sicher drin. Sie darf sich nur nicht selbst unter Druck setzen – aber das weiss sie eigentlich selbst am besten.»

Coole Tage mit der Community
Die National Summer Games in Zug sind für die Sportlerin bereits die dritten Sommerspiele, doch diese sind einzigartig. Da der Wettkampf in ihrer Heimat stattfindet, hofft sie auf viel Unterstützung des Publikums. Zufrieden wird sie sowieso sein, denn: «Ich werde viele Leute treffen, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Selbst wenn es sportlich nicht perfekt laufen sollte, freue ich mich einfach auf vier coole Tage mit der Community.»

Ebenfalls mit der Community dabei ist Hans Kieliger. Der leidenschaftliche Pétanque-Spieler bereitet sich akribisch auf das Highlight des Jahres vor – und er macht kein Geheimnis aus seinen Ambitionen: «Ich will eine Medaille gewinnen!»

Kieliger ist ein Mensch der Taten. Wenn er nicht gerade auf der Pétanque-Anlage Siehbach in Zug die Kugeln präzise platziert, widmet er sich im Atelier seiner künstlerischen Ader und malt verschiedenste Werke. Diese Kombination aus Konzentration und Kreativität spiegelt sich auch in seinem Spiel wider. Obwohl er gar nicht mehr genau sagen kann, wie er vor ein paar Jahren zum Pétanque gekommen ist, ist eines sicher: Er ist geblieben, um zu gewinnen.

Mentale Stärke und Präzision
Sein Trainer beim Verein «Les Amis des Boules», Hölgi Schmidt, gerät ins Schwärmen, wenn er über seinen Schützling spricht: «Der Hans ist mental unheimlich stark. Er ist nie nervös, spielt mit einer enormen Präzision und bleibt immer positiv.»

Diese Nervenstärke wird er brauchen, denn die Konkurrenz ist gross: Insgesamt 45 Teams treten im Pétanque an. Doch er und sein Trainerteam sind optimistisch. Er liebt den Wettkampf und hat die Fähigkeit, Siege auch richtig ausgelassen zu feiern. Damit er das kann, bereitet er sich minutiös vor, damit er am Tag X seine beste Leistung abrufen kann.

Nicht nur für die Athleten, auch für die Trainer ist der Event vor der Haustür eine Herzensangelegenheit. Co-Trainer Bruno Spagnol sagt: «Wir wollen, dass sie Spass haben und sich weiterentwickeln. Ich freue mich, dass es diese Plattform gibt. Es werden vier Festtage werden, aber es wird auch streng werden.»


Highlights in Zug und Baar

28. Mai: 19–22 Uhr: Eröffnungsfeier in der OYM Hall, Einzug der Delegationen und Grussworte von Bundesrat Martin Pfister. 21.30–22 Uhr: Kurzkonzert mit Marc Sway. Täglich: Konzerte, Auftritte, Medaillenzeremonien und Sportwettkämpfe. Wettkämpfe in Baar: Basketball in der Waldmannhalle, Judo und Kunstturnen in der Wiesentalhalle, Schwimmen im Hallenbad Lättich und Bowling in der Bowlinganlage Sihlbrugg. Alle Infos: www.zug2026.ch


Image Title

1/10

Möchten Sie weiterlesen?

Ja. Ich bin Abonnent.

Haben Sie noch kein Konto? Registrieren Sie sich hier

Ja. Ich benötige ein Abo.

Abo Angebote