Nach neun Jahren Arbeit ist die Ziellinie nah

  03.06.2026 Politik

Am 14. Juni stimmen die Baarerinnen und Baarer über die Revision der Ortsplanung ab. Damit kommt ein Werk zum Abschluss, das die Gemeinde für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre prägen wird.

FRANZ LUSTENBERGER

Die Zeit der grossflächigen Neueinzonungen gehört endgültig der Vergangenheit an; der Boden ist nicht vermehrbar. Das Stichwort zur jetzigen Totalrevision heisst daher klar: Verdichtung. Michael Camenzind, der zuständige Raumplaner, sprach an der Orientierungsversammlung am Dienstag vor einer Woche von einer «massvollen Innenentwicklung» auf einer soliden Basis, die breit abgestützt erarbeitet wurde. Darauf wies auch Bauvorstand Zari Dzaferi hin, der krankheitsbedingt per Video zugeschaltet war. An seiner Stelle führten Pascal Iten, Abteilungsleiter Planung/Bau, und Gemeinderat Hans Küng durch die Versammlung.

Im Rahmen der öffentlichen Auflage wurden 56 Einwendungen mit total 265 Anträgen eingereicht. Iten dazu: «Das ist bei einer derart umfangreichen Planung eher wenig.» Es spreche für die seriöse Vorarbeit durch die Planerinnen und Planer, die Behörden und involvierten Kommissionen, in denen auch die unterschiedlichen Interessen aufeinanderprallten. 43 Prozent der Anträge nach der Auflage wurden ganz oder teilweise berücksichtigt. Diese finden sich alle in den Abstimmungsunterlagen; die Ortsplanung war und ist ein transparenter Vorgang.

Wohnungsbau, Klima und Hochhäuser
Aus planerischer Sicht standen sechs Kernthemen im Vordergrund. Als erstes erwähnte Raumplaner Camenzind den preisgünstigen Wohnungsbau; im Rahmen von Bebauungsplänen soll die erhöhte Ausnutzung dazu führen, dass vermehrt preisgünstige Wohnungen erstellt werden. In Mischzonen, wo gewohnt und gearbeitet wird, soll der Gewerbeanteil zugunsten zusätzlicher Wohnungen auf 20 Prozent reduziert werden.

Im Bereich Klima wird neu eine Grünflächenziffer von 40 Prozent festgelegt. Camenzind erwähnte nicht nur die Hitze, sondern auch die vermehrt auftretenden Stark-Niederschläge, welche bei zukünftigen Bauten berücksichtigt werden müssen und die zu dieser Zahl geführt haben. Zu einer kritischen Frage aus dem Publikum erklärte Camenzind, diese Vorgabe sei machbar und auch im Vergleich mit anderen Städten und Agglomerationsgemeinden vertretbar. Als anrechenbare Grünflächen gelten generell natürliche und/oder bepflanzte Bodenflächen, die nicht versiegelt sind und die nicht als Abstellflächen dienen.

Verdichtung im eingezonten Gebiet heisst laut Camenzind klar: «Verdichtung geht in die Höhe.» Die neue Ortsplanung sieht Hochhausgebiete im Bereich der Zugerstrasse an der Stadtgrenze oder im Unterfeld vor. Konkret werden es Gebäude mit einer Höhe von bis zu 60 Metern sein. Diese sollen schrittweise realisiert werden. Über die entsprechenden Gestaltungspläne wird die Bevölkerung auch abstimmen können.

Auch dem Ortsbildschutz wird in der Ortsplanung Beachtung geschenkt, Gebiete mit Ortsbildschutzcharakter sollen sich behutsam und ihrem jeweiligen Charakter entsprechend weiterentwickeln können. Vorgesehen ist auch eine erhöhte Ausnutzung in Gewerbegebieten, damit steigen die Chancen für das produzierende Gewerbe, Arbeitsplätze zu schaffen, ohne dass zusätzliches Land erworben werden muss. Neu eingezont werden nur Flächen, die in den nächsten Jahren für die öffentliche Nutzung benötigt werden, beispielsweise im Bereich der Sportanlagen Lättich.

Laut Gemeinderat Hans Küng wird die revidierte Ortsplanung nach der Zustimmung an der Urne und den entsprechenden Fristen voraussichtlich Ende 2026 in Kraft treten.


Empfehlungen der Parteien

Sowohl die Totalrevision der Nutzungsplanung (Zonenplan und Bauordnung) wie auch die Teilrevision des Strassenreglements werden von allen sechs Ortsparteien zur Annahme empfohlen. Gespalten sind die Parteien bei der Frage der kommunalen Mehrwertabgabe bei Um- und Aufzonungen sowie bei Bebauungsplänen: Die Mitte, FDP und SVP folgen dem Antrag des Gemeinderates und sprechen sich für den Verzicht auf diese Abgabe aus. Alternative – die Grünen, SP und GLP lehnen diesen Verzicht ab.


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