Fest des Sports, der Begegnung und Herzen
03.06.2026 SportDie Special Olympics National Summer Games 2026 in Zug und Baar vom letzten Wochenende machten Inklusion greifbar. Mittendrin stand die Baarerin Eliane Müller, die als OK-Präsidentin das logistische Mammutprojekt leitete.
EDI WIDMER
Das erste Highlight des viertägigen Events für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung gab’s gleich zum Auftakt: Die Eröffnungsfeier am Donnerstag. «Diese Freude und diese Emotionen zu sehen und zu spüren, das war sehr, sehr eindrücklich», schwärmte Eliane Müller. Die OK-Präsidentin war mittendrin im Geschehen. Die OYM-Halle in Zug war fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Stimmung kochte, das prominente Moderationsduo Nik Hartmann und Christa Rigozzi liess sich restlos von der Energie des Publikums anstecken. Der Einzug der 119 Delegationen war ein Moment puren Glücks. Alle klatschten und jubelten. Die Zeremonie bot alles, was zu olympischen Spielen gehört: Das Hissen der Flagge, die live gesungene Hymne und der olympische Eid, der stolz in allen vier Landessprachen gesprochen wurde. Schliesslich wurde die «Flame of Hope» feierlich entzündet, die fortan vier Tage lang auf dem Arenaplatz brannte.
Ein Szenario, welches dem nächsten Redner sehr bekannt vorkommen musste. Der vierfache Skisprung-Olympiasieger Simon Ammann betrat die Bühne und motivierte die Athletinnen und Athleten zu Höchstleistungen. Ammann ist seit Sommer 2022 Präsident des Stiftungsrates von Special Olympics Switzerland und leitet seitdem die strategische Ausrichtung der Schweizer Stiftung für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung.
Wie unkompliziert die Begegnungen waren, zeigte auch ein charmantes Detail während der Eröffnungszeremonie: Die 34-jährige Games-Botschafterin Fabienne Villiger führte das Interview mit Bundesrat Martin Pfister und nannte ihn im Gespräch ganz direkt und unbeschwert einfach «Martin».
Marc Sway bittet zum Tanz
Den emotionalen Schlusspunkt setzte der Musiker Marc Sway. «Mit dem ersten Ton standen die Athleten auf und fingen an zu tanzen», erinnert sich Müller schmunzelnd, «wir hätten zuerst überlegen müssen, ob wir jetzt tanzen können oder wollen. Da können wir noch viel von diesen Menschen lernen: ihre Offenheit, ihre Emotionen und ihre Direktheit. Sie haben keine Berührungsängste - nur wir haben sie, und das finde ich eine wunderschöne Lehre.»
Keine Berührungsängste zu haben, das galt in den vergangenen Monaten auch für die Organisation hinter den Kulissen. Denn damit ein so unbeschwertes Fest überhaupt möglich wurde, brauchte es im Hintergrund Menschen, die ohne zu zögern anpackten.
Vor allem als im März 2025 der damalige OK-Präsident Martin Pfister überraschend in den Bundesrat gewählt wurde, stand das Organisationskomitee vor einer riesigen Herausforderung. Wer übernimmt so kurz vor dem Grossanlass die Führung?
Die Antwort lag in Baar: Eliane Müller. Als bisherige Vize-Präsidentin stellte sie sich mutig der Aufgabe. Zusätzlich zu ihrer Führungsrolle lag auch noch der gesamte operative Bereich für «Events und Hospitality» in ihren Händen. Ein Kraftakt, der sich gelohnt hat: «Schön, dass ich das machen durfte und unglaublich, was wir als Team alles erreicht haben», bilanziert Müller glücklich.
Grosszügige Hotels
Hinter den Kulissen glich der Anlass einer logistischen Meisterleistung. Allein die Unterbringung der über 1’600 Athleten und 600 Coaches war eine riesige Challenge: Über 2’000 Unterkünfte mussten organisiert werden, von Zug über das gesamte Umfeld von Adliswil bis nach Luzern. Alle Hotels wurden belegt, dazu kamen Pfarreizentren, Pfadiheime und Zivilschutzanlagen, wo die Übernachtung mit Frühstück für schlanke 9 Franken angeboten wurde. «Die Hotels in Zug haben das Projekt enorm mitgetragen und sind uns bei den Preisen sehr entgegengekommen», lobt die OK-Präsidentin.
Sehr gross war auch das Engagement in der Bevölkerung. Über 2’000 Volunteers waren im Einsatz, um die Sportler in 16 Sportarten und 15 Sportstätten zu unterstützen. Gigantische 26’000 Mahlzeiten wurden nur für die Athleten, Coaches und Volunteers zubereitet – die Bevölkerung nicht eingerechnet.
Eine ganz besondere Knacknuss war das «Olympic Village» auf dem Arenaplatz: Vor fünf Jahren wusste das OK noch nicht, dass dort zum Event-Zeitpunkt eine riesige Baustelle sein würde. Das komplette Dach fehlte! Kurzfristig wurde ein riesiger Baldachin als Schutz vor Regen und Sonne errichtet. «Im Nachhinein sind wir natürlich extrem dankbar für das Wetter. Ich habe immer gesagt: Lieber 30 Grad als Regen», meint Müller erleichtert.
Starke Baarer Präsenz
Die Gemeinde Baar, in der Eliane Müller seit 26 Jahren wohnt, spielte bei diesen Spielen eine tragende Rolle. Zum ersten Mal überhaupt wurde die Sportart Kunstturnen in der Wiesentalhalle durchgeführt. Dort gab es auch Judo-Wettkämpfe. Die Basketballspiele fanden in der Waldmannhalle statt, das Schwimmen im Hallenbad Lättich und die Bowling-Wettkämpfe in der Bowlinganlage Sihlbrugg.
Im OK war Baar gut vertreten, und auch die Gemeinde unterstützte den Anlass tatkräftig. Viele Volunteers stammten aus Baar, und die hier ansässige Stiftung «zuwebe» war ein wichtiger Partner an der Basis. Zudem kamen knapp 20 Sportler aus der Gemeinde. Was in Baar funktionierte, strahlte am Wochenende auf die gesamte Region aus und hinterliess ein neues Bild des oft als kühl verschrienen Wirtschaftsstandorts.
Für Eliane Müller ist die wichtigste Botschaft: «Es war ein Fest des Sports, der Begegnung und vor allem von ganz viel Herz. Es tat dem Kanton gut, sich von dieser Seite zu präsentieren. Zug hat eben auch Herz und besteht nicht nur aus Bitcoin und Expats. Es geht darum, jeden Menschen genau so zu nehmen, wie er ist, und sich auf Augenhöhe zu begegnen», sagt die Organisatorin.
Und das Märchen von Zug ist mit dem Erlöschen der Flamme am Sonntag nicht vorbei. Damit die Inklusion nachhaltig weiterlebt, wurde vor wenigen Tagen ein Förderverein im Kanton Zug gegründet. Dieser stellt sicher, dass Menschen mit einer Beeinträchtigung auch in Zukunft dauerhaften und barrierefreien Zugang zu Sport, Bewegung und Gesundheit erhalten.






