Der Baarer Bauchef und seine fragwürdigen Auftritte

  01.07.2026 Leserbriefe

Als Unternehmer wissen wir: Wer an öffentlichen Ausschreibungen teilnimmt, gewinnt nicht jeden Auftrag. Das gehört zum Wettbewerb und wird von uns akzeptiert. Was jedoch rund um die Vergabe der Holzbauarbeiten für die zweite Etappe des Schulhauses Wiesental passiert ist, hat mit fairem Wettbewerb und professionellem Verhalten wenig zu tun.

Die Holzbauarbeiten wurden bekanntlich in zwei Etappen ausgeschrieben. Die erste Etappe wurde an eine Arbeitsgemeinschaft ausserkantonaler Holzbauunternehmen vergeben, welche gute Arbeit geleistet haben. Für die zweite Etappe hätte die Gemeinde Baar den Auftrag als Folgeauftrag derselben Arbeitsgemeinschaft übertragen können. Weil deren Angebot als zu hoch beurteilt wurde, entschied sie sich für eine neue Ausschreibung. Das ist legitim und nachvollziehbar.

Nicht nachvollziehbar sind hingegen die Aussagen von Bauchef Zari Dzaferi an der Gemeindeversammlung vom 10. Juni 2026.

Vor versammelter Öffentlichkeit erklärte er, die Arbeitsgemeinschaft der ersten Etappe habe ein «unverschämtes Angebot» eingereicht. Gleichzeitig behauptete er, die regionalen Holzbauer hätten kein Interesse gezeigt und gar kein Angebot abgegeben. Anschliessend lobte er die von ihm gefundene «super Lösung» und die «super Holzbaufirma», welche den Zuschlag erhalten habe.

Diese Aussagen sind schlicht falsch.

Tatsächlich erreichte die Nussbaumer Holzbau AG aus Steinhausen den zweiten Rang – mit lediglich rund 2,5 Prozent Rückstand auf das Siegerangebot. In diesem Angebot war die Zusammenarbeit mit der Abt Holzbau AG aus Baar offen ausgewiesen. Es haben sich also nicht nur ausserkantonale Unternehmen beteiligt – gleich zwei Zuger Holzbaubetriebe waren Teil eines Angebots, das bis zuletzt konkurrenzfähig war.

Dass ein Gemeinderat Unternehmen öffentlich namentlich erwähnt und ein Angebot als «unverschämt» bezeichnet, ist eines öffentlichen Auftraggebers unwürdig. Wer von Unternehmen erwartet, dass sie Zeit, Know-how und Geld in eine Offerte investieren, sollte ihnen zumindest mit Respekt begegnen. Ein Bauchef hat die Aufgabe, Vergabeverfahren professionell zu begleiten – nicht Unternehmen öffentlich abzuwerten.

Besonders irritierend ist jedoch, dass derselbe Bauchef anschliessend über die offiziellen Social-Media-Kanäle der Gemeinde Baar ein Werbevideo für das ausserkantonale Unternehmen produziert und veröffentlicht, das den Zuschlag erhalten hat. Seit wann gehört es zum Auftrag einer Gemeinde, für einzelne Unternehmer Marketing zu betreiben?

Noch bemerkenswerter ist, dass offenbar genügend Zeit vorhanden war, um Werbevideos zu produzieren. Ob im Vorfeld der Vergabe mit derselben Sorgfalt auch die wirtschaftliche Stabilität und Bonität der beauftragten Unternehmung geprüft wurde, wäre eine mindestens ebenso interessante Frage. Gerade bei Aufträgen in dieser Grössenordnung darf die Öffentlichkeit erwarten, dass nicht nur schöne Worte und sympathische Videos den Ausschlag geben.

Der Gemeinde Baar steht es frei, Aufträge an ausserkantonale Unternehmen zu vergeben. Darum geht es nicht. Es geht um den Umgang mit den Unternehmen, die sich korrekt am Verfahren beteiligen. Es geht um Respekt, Fairness und Glaubwürdigkeit.

Wer öffentliche Vergaben verantwortet, sollte sich bewusst sein: Ein Gemeinderat vertritt die Interessen der Gemeinde – nicht die Marketingabteilung einzelner Auftragnehmer.

Daniel Abt, Abt Holzbau AG, Baar Adi Nussbaumer, Nussbaumer Holzbau AG, Steinhausen


Möchten Sie weiterlesen?

Ja. Ich bin Abonnent.

Haben Sie noch kein Konto? Registrieren Sie sich hier

Ja. Ich benötige ein Abo.

Abo Angebote