Trotz schlechter Ernte feiert Baar den Trüffel

  21.10.2026 Wirtschaft

Wegen der Sommerhitze gab es kaum Schweizer Trüffel. Die meisten Stände am diesjährigen Trüffelmarkt boten Ware aus Italien und Slowenien an. Besucher kamen trotzdem, und die Hunde-Show zog wie immer Neugierige an.

INGRID HIERONYMI

Dieses Wasser hätte der Trüffel wahrlich früher gebraucht! Am vorletzten Samstagmorgen hing Regen über dem Schulhausplatz Marktgasse, und der Trüffelmarkt startete verhalten. Weniger Publikum, weniger Trüffel, aber viel Engagement der Standbetreibenden. «Der Markt ist seit Beginn ein Besuchermagnet», sagt OK-Chef Thomas Räber. Er ist Gastronom, seit der ersten Ausgabe 2015 fürs Gästewohl zuständig und organisiert den Markt heute mit drei OK-Mitgliedern und zehn Helfenden. Dieses Jahr ist allerdings vieles anders als in den Vorjahren. «2026 war ein miserables Trüffeljahr», sagt Andreas Simon, Präsident der Schweizerischen Trüffelvereinigung.

Saison der leeren Körbe
Die Trockenheit hat die Trüffelsuche in der Schweiz praktisch zum Erliegen gebracht. «Der Sommer 2026 war durch anhaltende Hitzewellen geprägt, was zu leeren Körben bei den Pilzsuchern führte», erklärt Räber. Simon präzisiert die Dimension: «Dieses Jahr konnten rund 90 Prozent weniger Trüffel gefunden werden als in einem normalen Jahr.» Die wenigen Schweizer Exemplare seien zwar rar, aber dennoch von guter Qualität. Am Markt wurde deshalb nur vereinzelt Schweizer Ware angeboten. Die meisten Trüffel stammen aus Italien und Slowenien. Letztes Jahr sah das anders aus: Ausser weissem Trüffel aus Italien gab es fast nur Schweizer Trüffel. Alle Standbetreibenden müssen jeweils angeben, woher ihre Trüffel stammen.

Die Knappheit treibt die Preise nach oben. «Der Preis für Burgundertrüffel ist sehr stark gestiegen», sagt Räber. Der schwarze Burgundertrüffel, der in der Schweiz vorherrscht, kostete letztes Jahr am Markt noch um die 800 Franken pro Kilogramm. Heuer muss man laut Räber mindestens mit einem Preis von 1’000 Franken rechnen. Am einen oder anderen Stand schlägt ein Kilogramm gar mit 1’400 Franken zu Buche.

Markttreue bei den Standbetreibenden
Die meisten der 18 Stände werden von Anbietenden aus der Region Bern betrieben, wo auch die Trüffelvereinigung zu Hause ist. Nicht wenige sind seit den Anfängen des Markts dabei. Simon und seine Tochter Manuela präsentieren ihre schönsten Trüffel auf dekorativen Holzobjekten. «Das Auge kauft mit», sagt Simon. Manuela bietet Trüffelkäse und Brotscheiben mit Trüffelbutter zur Degustation an. Am Stand kaufen Privatpersonen und auch Restaurantbetreiber, die nach hochwertigen Trouvaillen suchen. Ein Trüffelsucher verrät seine Fundstellen nicht. Auf die Frage, wo man Trüffel findet, antwortet Simon knapp: «Im Wald.»

Lisa Büchel ist seit den Anfängen des Marktes dabei und steht mit ihrer Mutter Caroline Lüthi am Stand, der sich als kleines Trüffel-Feinkost-Universum präsentiert. Die beiden verkaufen unter anderem getrüffelte Salami, Polenta, Risotto, Öl und Aceto Balsamico. Bis auf Öl und Aceto, die aus Italien kommen, stellen sie alles selbst her. Am besten laufen Würste und Fondue. Im Vordergrund stehe für sie nicht das Finanzielle: «Mich freut es ganz besonders, Delikatessen zu verkaufen, die wir selbst produziert haben.»

Alfred Frey und Christina Rowedder gehören ebenfalls zu den Veteranen des Marktes. Seit vielen Jahren gehen sie mit ihren Lagotto-Romagnolo-Hunden Majlo und Gina auf Trüffelsuche. Frey fasziniert vor allem das Leben des Pilzes: «Eigentlich ist der Trüffel geruchsneutral, wenn er sich jedoch vermehren will, fängt er an zu duften.» So locke er Insekten, Würmer und andere Tiere an, die seine Sporen verbreiten. Beim Kochen entfalte sich das Aroma erst in fettiger Umgebung, am besten in Butter oder Rahm. Dies scheint nicht allen Marktbesuchenden bekannt zu sein: «Es gibt Käufer, die den Trüffel mit nach Hause nehmen und dann nicht wissen, was sie damit anfangen sollen, weil er nicht duftet.»

Trüffelbäume: Geduld in Töpfen
Seit etwas über zehn Jahren gibt es Plantagen, die den Pilz gezielt züchten. Arthur Lauper und sein Sohn Daniel vertreten am Markt eine solche Zucht. Sie erklären, wie Sporen in Erde gesetzt werden und zu kleinen Trüffelbäumchen heranwachsen. Der erste Trüffel lässt sich nach rund zehn Jahren ernten. «Zahlreiche Kunden kaufen bei uns kleine Trüffelbäumchen als Geschenk für Hochzeiten oder Geburten», sagt Daniel Lauper. Eine Gewähr, dass das Bäumchen je einen Trüffel hervorbringt, gebe es allerdings nicht.

Auf die diesjährige Trüffelknappheit angesprochen, sieht Lauper ein Licht am Horizont: Sollte es noch ein Weilchen so regnen wie am Samstag, bestehe Hoffnung, dass im Dezember Wintertrüffel geerntet werden können.

Hunde-Show als Publikumsmagnet
Wie in den Vorjahren zog die Trüffelsuchhunde-Show von Carolina Jaroch die Blicke auf sich. Sie bildet Golden Retriever, Dackel, Chihuahua und andere Hunde aus. «Es kommt nicht auf die Rasse an, sondern auf die individuelle Eignung des Hundes.» Mit ihrer Hündin Jana zeigte sie, wie das Tier zuerst an einem Trüffel riecht, was mit einem positiven Begriff wie «fein» verknüpft und bei erfolgreichem Apportieren mit einem Leckerli belohnt wird. Danach durften die zuschauenden Hundehalter vor Ort testen, ob ihr Hund auf Trüffel anspringt. Jaroch erinnerte zudem an die Verantwortung gegenüber der Natur: Trüffelsuche sei kein Hundesport. Beim Ernten dürfe man keine Wurzeln ausreissen und das Loch nur locker zuschütten, damit der nachwachsende Pilz nicht erstickt.

Für nächstes Jahr hoffen alle auf Regen, damit in der Schweiz wieder Trüffel zu finden sind. Wann es so weit sein wird, wird der Pilz selbst entscheiden, wie Frey sagt: «Der Trüffel bestimmt selbst, wann er gefunden werden will.» Am Ende des Tages ist klar: Der Markt hat wieder einmal gezeigt, dass Trüffel nicht bloss ein Lebensmittel ist, sondern eine echte Leidenschaft.


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