Bewegung und Harmonie auf zwei Reifen

  06.05.2026 Sport

Der vergangene Sonntag stand ganz im Zeichen des Turnsports. Der Satus Baar organisierte die Schweizer Meisterschaft im Rhönrad. Für den Veranstalter holte Nadine Kamm insgesamt fünf Medaillen.

FRANZ LUSTENBERGER

Barren, Reck, Ringe – diese Geräte kennen wir alle aus dem Turnunterricht der Schulzeit. Doch das Rhönrad ist den wenigsten bekannt. Ein Rad, das nicht fährt, sondern auf und mit dem man turnt. Bewegung, Kraft, Körpergefühl miteinander in Verbindung bringen, und dann das Ganze noch elegant, ausdrucksstark und harmonisch auf den Hallenboden zaubern – das macht für Carmen Staub, OK-Präsidentin der Meisterschaft, den Reiz ihres Sports aus.

Für das ganze OK war dieser Wettkampftag das Highlight des Jahres. Die Tribüne der Dreifachhalle Sternmatt 2 war den ganzen Tag über gut besetzt, sehr viele Helferinnen und Helfer sorgten für das Wohl der Turnerinnen und Turner, ihrer Betreuenden und der Gäste. «Ich bin rundum zufrieden», resümierte Staub nach dem Ende des Wettkampfes.

Fünf Medaillen für Nadine Kamm
Ein Highlight war es sicher auch für die einheimische Nadine Kamm, die viermal Gold und einmal Silber in den verschiedenen Kategorien Spirale, Sprung, Gerade, Paarturnen und Mehrkampf gewann. Die 15jährige Sekundarschülerin trainiert fünfmal in der Woche, insgesamt gut 15 Stunden. Die junge Athletin hat sich für die Weltmeisterschaften anfangs Juli in Göttingen in Deutschland qualifiziert: «Ich habe mir noch keine speziellen Ziele gesetzt, ich will einfach Spass haben.» Die WM sei sicher ein weiterer Höhepunkt in ihrer noch jungen Karriere.

Höchste Konzentration ist geboten, damit der Vortrag auch gelingt. Die Griffwechsel müssen passen, die Felge und andere technische Elemente erlauben keine Unsicherheit.

Viele Aussenstehende, die diesen Sport zum ersten Mal gesehen haben, ziehen die Folgerung: In kaum einer anderen Sportart verschmelzen Gerät und Körper so ineinander wie bei Rhönradturnen.

Richtiger Boden und viele Räder
Die Ausrichtung der Schweizer Meisterschaften ist für den organisierenden Verein Satus Baar eine grosse Herausforderung. In der Dreifach-Turnhalle Sternmatt 2 musste für die Disziplin «Spirale» am Vormittag eigens ein Holzboden verlegt werden. Und auch die Organisation der Räder war eine Herausforderung. OK-Präsidentin Carmen Staub: «Die Räder müssen vom organisierenden Verein zur Verfügung gestellt werden.» Unterstützung erhielten die Baarer von Vereinen aus der näheren Umgebung. «Man hilft sich untereinander aus, denn Rhönradturnen ist eine familiäre Sportart.»

Apropos Anzahl der Räder: Diese haben einen Durchmesser von 160 cm bis zu 245 cm, alle 5 cm eine neue Grösse. Damit es beim Einturnen keine Probleme unter den Teilnehmenden gibt, brauchte es für jede Grösse mehrere Räder. Die Turnerinnen und Turner benutzen das für ihre Körpergrösse richtige Rad. Ein Rad kostet zwischen 1’500 und 2’500 Franken.

Die Rhönradriege des Satus Baar ist organisatorisch und sportlich auf Erfolgskurs. Auch wenn andere Vereine, die alle aus der Deutschschweiz stammten, noch mehr Medaillen einheimsten. Mit dem freiwilligen Schulsport legt Baar aber eine gute Grundlage, auch für Randsportarten.


Vom Fassreifen zum Sportgerät

Am Anfang des Rhönrad-Sports stand Otto Feick, Sohn eines Küfers im bayrischen Schönau in der Rhön, einem Mittelgebirge im Herzen Deutschlands. Er war bereits als Kind in zwei Fassreifen den Berg hinuntergerollt. Das Patent für das Rhönrad wurde im Jahre 1925 ausgestellt; an den Olympischen Spielen 1936 in Berlin wurde dieser Sport vorgeführt, jedoch nicht als olympische Disziplin. Olympisch ist Rhönradturnen bis heute nicht, obwohl dieser Sport in vielen Ländern ausgeübt wird.


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