Das nächste Megaprojekt steht in den Startlöchern
11.03.2026 PolitikMit der Bahnmatt nimmt Baar eines seiner anspruchsvollsten Projekte in Angriff: Auf knapp bemessenem Raum sollen Alterspflege, Mobilität, verdichtetes Wohnen und neue Freiräume unter einen Hut gebracht werden.
INGRID HIERONYMI
Kaum ist das Unterfeld Süd abstimmungstechnisch in trockenen Tüchern, wird bereits am nächsten Grossprojekt gefeilt. Das Areal Bahnmatt gehört zu den zentralen Lagen Baars, und genau das macht die anstehende Entwicklung so anspruchsvoll. Projektleiter Michael Camenzind vom Planungsbüro SKW AG brachte es an der Informationsveranstaltung zum Quartiergestaltungsplan auf den Punkt: «Die Gebietsentwicklung ist komplex, weil es sich um ein sehr zentrales Gebiet handelt und die Umgebung sich rasch entwickelt und bewegt.»
Kein einfaches Unterfangen
Mehrere öffentliche Interessen treffen hier auf engem Raum aufeinander. Die VIVIVA Baar AG, welche die Institutionen Martinspark und die Bahnmatt betreibt, möchte ihr Alterszentrum erweitern und modernisieren. Die Bürgergemeinde und die Genossenschaft für Alterswohnungen (GfA) wollen ihr Wohnangebot verdoppeln. Gleichzeitig verlangt der Bahnausbau nach einem neuen Bushof. Dazu kommen Freiräume, die geschaffen werden sollen, sowie die Frage nach der künftigen Parkierung.
Die Ausgangslage ist alles andere als einfach. Während im Unterfeld Süd auf der «grünen Wiese» geplant werden konnte, ist die Bahnmatt bereits dicht bebaut. Die Gemeinde Baar, die GfA, die Bürgergemeinde und eine private Familie sind als Landeigentümer beteiligt, was die Komplexität erhöht. Es ist wie ein Puzzle, das erst durch Abtausch und Arrondierung von Grundstücken sowie den Abschluss von Entwicklungsvereinbarungen sinnvoll zusammengefügt werden kann.
Bahnausbau bedingt Veränderungen
Mit dem Zimmerberg-Basistunnel 2 und einem zusätzlichen Gleis zwischen Baar und Zug wird der Bahnhof künftig rund 30 Prozent mehr Passagiere bewältigen müssen. Damit steigt der Druck auf die Infrastruktur. Camenzind betonte: «Wir müssen den Raum sichern, damit der Bahnausbau realisiert werden kann.» Ein neuer Bushof soll auf einem Teil der heutigen P+R-Anlage entstehen.
Auch der Kanton plant gleich angrenzend. Für eine neue Busspur auf der Neugasse/Weststrasse braucht es 4,5 Meter zusätzlichen Raum. Die Verkehrsführung wird damit neu gedacht und das gesamte Gebiet stärker auf den öffentlichen Verkehr ausgerichtet. Die Bahnmatt wird so zu einem Mobilitätsknotenpunkt, der Bus, Bahn, Velo- und Fussverkehr zusammenführt.
Verdichten, um Freiräume zu schaffen
Die abgeschlossene Testplanung hat klar gezeigt, dass sich die Vielzahl an Nutzungen nur mit einer dichteren Bebauung realisieren lässt. Dazu könnte auch ein Hochhaus mit bis zu 45 Metern Höhe gehören. Camenzind formulierte es so: «Durch das Bauen in die Höhe kann die gewünschte Freiraumqualität gewährleistet werden.» Die Idee dahinter: kompakter bauen, um Platz für Begegnungsorte, Grünräume und sichere Wege für Fuss- und Veloverkehr zu schaffen. Vorgesehen sind neue Plätze, begrünte Bereiche und ein durchgehendes Wegnetz. Gleichzeitig müssen die Raumbedürfnisse im Bereich «Alter» berücksichtigt werden. Die Viviva benötigt rund 25’000 Quadratmeter für die Zentralisierung von Pflege, Betreuung und Wohnen mit Service. Die GfA hat des Weiteren einen Bedarf von 5’500, die Bürgergemeinde von 8’500 Quadratmetern für zusätzliche altersgerechte Wohnungen angemeldet.
Schritt für Schritt zum neuen Gesicht
Die Entwicklung erfolgt in mehreren Etappen. Zuerst wird das P+R-Areal angegangen. Der neue Bushof (Plan, 2) ist Teil der ersten Etappe. Auch eine unterirdische Parkgarage ist vorgesehen. Gemeinderat Zari Dzaferi sagte zur Dimensionierung: «Ob es zwei oder zehn Parkgeschosse gibt, hängt davon ab, wie viel man zu investieren bereit ist.» Auf dem Baufeld werden zudem Wohnungen der GfA und der Bürgergemeinde (Plan, 1 a und 1 b) realisiert, in welche auch die Bewohnenden der bestehenden Wohnungen umziehen werden, «ohne Leerkündigungen», wie betont wurde.
In der zweiten Etappe ziehen die Bewohnenden des heutigen Alterszentrums in einen Neu- oder Erweiterungsbau um (Plan, 3). In das neue Zentrum einziehen werden auch die heutigen Bewohnenden des Alterszentrums Martinspark. Die Etappierung ist damit ein zentrales Element, um den Betrieb der Alterspflege jederzeit sicherzustellen.
Parkierung wirft Fragen auf
In der Fragerunde zeigte sich, dass vor allem die Parkplatzfrage die Bevölkerung beschäftigt. Ein Redner warnte vor einem «Gnusch» und plädierte dafür, alle Bushaltestellen am Bahnhof Süd zu konzentrieren. Dzaferi widersprach: Topografie, Platzverhältnisse und Eigentumsverhältnisse liessen diese Lösung nicht zu. Die Parkplätze am Bahnhof Süd gehörten den SBB, und der Platz reiche nicht aus, um dort zusätzliche Busse wenden zu lassen.
Auch die Frage nach Ersatzparkplätzen während der Bauzeit blieb offen. Man sei in der Planung noch nicht so weit, sagte Dzaferi und stellte gleich eine grundsätzliche Überlegung in den Raum: «Wir müssen uns schon fragen, ob Tagesparkieren für fünf Franken mitten im Dorfzentrum noch zeitgemäss ist.»
Ein weiterer Punkt gab ebenfalls zu reden. Was passiert mit dem Martinspark, wenn er nicht mehr gebraucht wird, weil die Alterspflege in die Bahnmatt verlagert wird? Diesbezüglich ist laut Dzaferi die Planung noch zu wenig fortgeschritten, um konkrete Aussagen zu machen.
Bis zum Baubeginn wird es voraussichtlich noch rund fünf Jahre dauern. Doch die Richtung ist schon heute klar: Die Bahnmatt soll sich zu einem Ort entwickeln, der Alterspflege, Wohnen, Mobilität und Freiraum verbindet und damit ein neues Stück Zentrum für Baar bildet.


