Der Meisterdieb ist mitten unter uns
11.03.2026 Musik/KulturKultur Die Volksbühne Baar feierte am letzten Freitag im Gemeindesaal die Premiere ihres diesjährigen Stückes. Gefühlt halb Baar begab sich mit dem Ensemble auf die Reise im Nostalgie-Express nach Venedig, die voller Komik und Spannung war und am Ende einen erstaunlichen Plot-Twist bereit hielt.
LUKAS SCHÄRER
Das jährliche Programm der Volksbühne Baar darf als einer der Höhepunkte des kulturellen Lebens unserer Gemeinde bezeichnet werden. Dies sieht auch Barbara Landolt, Präsidentin der Volksbühne, so: «Wir als Volksbühne spüren diese Verbundenheit mit den Baarerinnen und Baarern, aber auch gemeindeübergreifend. Wir haben Zuschauer aus dem ganzen Kanton und darü- ber hinaus. Wir merken, wie sehr die Leute dies schätzen.» Landolt spielt dieses Jahr die reiche Passagierin Sophie von Falkenstein und meinte lachend: «Ich bin die ’rich Bitch’, der das Collier geklaut wird.» Sowieso sei Humor sehr wichtig: «Wir lachen viel zusammen während der Proben und haben es sehr schön. Es ist auch das, was die Leute immer sagen: Es sei schön, einen Abend zu uns zu kommen, einfach zu lachen und zu geniessen.»
Ein kriminelles Genie braucht einen würdigen Gegenspieler
Auf dem diesjährigen Fahrplan stand «Arsène Lupin - und das Collier der Königin» von Atréju Diener, das in Baar zum ersten Mal über die Schweizer Bühne ging. Diener liess sich von den Geschichten des französischen Autors Maurice Leblanc inspirieren, die sich in der Netflix-Serie «Lupin» grosser Beliebtheit erfreuen. Der ergraute Meisterdieb Arsène Lupin, gespielt von Regisseur Silvio Speri, der hier wohl seine Traumrolle gefunden hat, blickt zurück auf seinen spektakulärsten Coup. Eine illustre Bagage an Passagieren fährt anno dazumal – 2026 – im Simplon-Nostalgie-Express nach Venedig, als plötzlich Habseligkeiten verschwinden und der geniale Meisterdieb Lupin ankündigt, um Mitternacht das Collier der blasierten Sophie von Falkenstein zu stibizen. Es tauchen Schachfiguren auf, und schon bald zeigt sich, dass alle Mitreisenden ihre Spleens haben. Ein kriminelles Genie wie Lupin braucht einen würdigen Gegenspieler wie den brillanten Inspektor Henri Ganimard (Sandro Speri), der zähneknirschend von seiner Ex, der eigentlich fröhlichen Zugbegleiterin Céline Ettlinger (Julia Kiwitz), herbei gerufen wird. Des Weiteren treten auf: der unsympathische Immobilienmogul Silvio Gnägi (Peter Theiler), der seine schusselige Assistentin Bambi (Erica Lanzi) ausbeutet, die souveräne Zugbegleiterin Ricarda Perroni (Alina Wicki) und Barkeeper und Schluckspecht Niklaus Sonderegger (Patric Conrad), der heimliche Liebling des Baarer Publikums.
Spannung wie im Orient-Express
Tüftler Willibald von Falkenstein (Philipp Kaiser) erfindet nicht nur ein Mikrophon, das Lügen aufdeckt, sondern auch ein «Finger ab de Rösti!»-Armband. Währenddessen ist die schrille deutsche Zugpassagierin Hildegard Ochsenschläger (Rebekka Huber) fasziniert von all dem Pomp.
Es gibt mit Lilli Bösch und Gabi Spang zwei Souffleusen, und das Ensemble musste schon früh grosse Textmengen auswendig lernen, so Landolt: «Wir treffen uns jeweils im Juni und lesen das Stück. Im September beginnen die Proben, wo wir den ersten Akt auswendig kennen müssen. Wir arbeiten nie mit dem Büchlein auf der Bühne. Je nach Rolle muss man viel Zeit investieren.»
Auch wenn die einzelnen Rollen detailliert ausgearbeitet sind, bringt jeder Facetten seiner Persönlichkeit hinein. Eine schmunzelnde Landolt hoffte dennoch, dass sie in Realität nicht so herablassend wirke wie Sophie von Falkenstein.
Nachdem es dem Meisterdieb geglückt ist, trotz Hight-Tech-Safe und wachsamer Argusaugen das Collier zu stehlen, steigert der Nostalgie-Express das erzählerische Tempo. Wie bei Agatha Christies «Mord im Orient-Express» versammelt Inspektor Ganimard die ganze Gesellschaft. Diese fragt sich nach dem Verbleib von Touristin Ochsenschlägers Sauerkraut süchtigem Göttergatten, und ein Bauskandal wird aufgedeckt. Natürlich wird der Täter gefasst, doch ein genialer Meisterdieb hat immer noch einen letzten Schachzug in der Hinterhand.
Das Publikum, darunter der komplette Gemeinderat und Delegationen zahlreicher Baarer Vereine, applaudierte euphorisch und erfuhr, dass es während der ganzen Zeit auf einem Schatz sass. Das Geheimnis war also mitten unter uns.


