Die Baarer erhalten Naturfläche zurück

  26.02.2025 Politik

Während Jahrzehnten bediente sich die Bauwirtschaft – legal abgesegnet – an einem Moränenhügel oberhalb von Sihlbrugg. Das ehemalige Kiesabbaugebiet untersteht bald wieder der Rechtssetzung durch die Gemeinde und spielt bei der anstehenden Ortsplanungsrevision eine wichtige Rolle.

MARCO MOROSOLI

Das digitale Universum hat einige Wohltaten. Eine davon ist die Zeitreise durch das offizielle Geo-Portal des Bundes (geomap.admin). Dort ist erkennbar, dass der Kiesabbau im Gebiet Chrüzegg im Nordosten der Gemeinde Baar in den 1970er Jahren begann. Das war eine Zeit, in der Sihlbrugg Dorf noch gar nicht bestand. Jetzt säumen unzählige Bauten die Strasse zwischen dem Autobahnende und dem Sihlbrugg-Kreisel. Es ist dort sehr laut.

Wer dieser Hektik temporär entfliehen will, der kann ein paar Meter aufwärts in Richtung Chrüzegg laufen und staunt. Die Narbe der Kiesgrube ist verschwunden. Die Risi AG, welche das wichtige Baumaterial abbaute, beantragte Ende 2024 bei der Baudirektion des Kantons Zug die Aufhebung der kantonalen Nutzungszone für Abbau und Rekultivierung. Dadurch stellte das Unternehmen die Weichen dafür, das rund 92’000 Quadratmeter (Abbauflächen auf Baarer Gemeindegebiet) wieder in die Hoheit der Gemeinde zurückfallen können.

Wie aus einem bis am vergangenen Montag in der Baarer Gemeindekanzlei aufgelegten Papier hervorgeht, meldete die Gemeinde einen Vorbehalt an und machte bekannt, die Rückführung in Teilen vorzunehmen. Dies so lange, bis die Ortsplanungsrevision der Gemeinde Baar rechtskräftig abgeschlossen ist. Das Verfahren soll, wie aus dem Baarer Rathaus zu hören ist, in Bälde angeschoben werden.

Bobanschiebebahn für die Baarer Top-Fahrer
Bekannt ist dadurch, dass die Gemeinde im boomenden Gebiet Sihlbrugg Dorf einerseits die Arbeitszone punktuell erweitern und andererseits eine Bobanschiebebahn schaffen will. Über deren Ausmass schweigt sich das offizielle Papier aus. Fakt ist, dass das Baarer Bob-

Team um Timo Rohner national und international für Furore sorgen will. Rohners Vater, Marcel Rohner, holte an den Olympischen Winterspielen 1998 in Nagano im Viererbob die Silbermedaille.

Der grösste Anteil der durch den Betreiber der Anlage wieder hergestellten Landschaft ist der Natur vorbehalten. Der Zuger Baudirektor Florian Weber sagt: «Bei der ehemaligen Kiesgrube Kreuzhügel handelt es sich um ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung.» Der ehemalige Betreiber musste auch für die Kosten der Wiederherstellung aufkommen. Die Ausgestaltung der Anlage, so erklärt der Zuger Baudirektor, sei in einem verbindlichen Endgestaltungsplan geregelt.

Warum der Kanton Zug das jetzt renaturierte Gebiet Kreuzhügel nennt, welches auf Zugmap mit Chrüzegg geführt ist, muss offenbleiben.

Der Zuger Namensforscher Beat Dittli hat in seinem Werk «Zuger Ortsnamen» nur Platz für eine Chrüzegg. Dort soll zu Beginn des 18. Jahrhunderts noch ein Kreuz sichtbar gewesen sein. Ferner führt Dittli noch an, dass auf dem besagten Hügel einst die Stammburg der Edlen von Rotenbach vorhanden war.

Im Rahmen der Anfrage öffnete Weber noch ein anderes Dossier, das im Kanton immer mal wieder für rote Köpfe sorgt: Wie lange reichen die Kiesvorräte im Kanton Zug noch? Der Baudirektor sagt: «Gemäss dem Kiesbericht vom Mai 2023 waren Ende 2022 noch Kiesreserven von zehn bis 13 Jahren vorhanden. Stand Ende 2024 gehen wir noch von rund acht Jahren aus.»

Warten auf den Kies- und Deponiebericht
Den Kiesbericht veröffentlichte der Kanton bis in jüngsten Vergangenheit jedes Jahr. Diese Praxis ist derzeit ausgesetzt. Das habe, so Weber, damit zu tun, dass ein Kies- und Deponiekonzept in Arbeit sei. Einen Termin für die Veröffentlichung nannte der Baudirektor nicht. Es gilt die Maxime, dass Bauschutt, soweit möglich, zu Sekundärbaustoffen aufzuarbeiten ist. Das Kies- und Deponiekonzept soll zudem aufzeigen, wie Deponieraum für mindestens 25 Jahre zu schaffen ist.

Gesichert ist, dass der Kanton Zug (Zahlen von 2022) 393’000 Kubikmeter Kies ausserhalb seiner Grenzen organisierte. Den Kanton verliessen im selben Zeitraum 153’000 Kubikmeter loser Kies. Kies ist denn auch im Kanton Zug Chefsache. Florian Weber sagt: «An der langfristigen Sicherung der Versorgung des Kantons mit mineralischen Rohstoffen, Steinen und Erden besteht ein kantonales Interesse.»

Inwiefern die Gemeinde Baar bei möglichen Deponiestandorten in die Gänge kommt, ist unklar. Früher lässt sich die Gemeinde Baar vernehmen, wie sie die Ortsplanungsrevision anpacken will. Zuerst gehört für Baar die Priorität der Fasnacht.


Image Title

1/10

Möchten Sie weiterlesen?

Ja. Ich bin Abonnent.

Haben Sie noch kein Konto? Registrieren Sie sich hier

Ja. Ich benötige ein Abo.

Abo Angebote