Die Baarer feiern am 1. August gleich mehrere Jubiläen
12.08.2026 Musik/KulturKultur Zum 135. Mal feierte die Schweiz im Jahre 2026 ihren offiziellen Geburtstag. Baar beging ein noch viel wichtigeres Jubiläum: Am 16. Mai 1526 kauften sich die Baarer vom Kloster Kappel am Albis frei. Dieses Datum war ein Wendepunkt in der Entwicklung des Strassendorfes zu einem Gemeinwesen.
MARCO MOROSOLI
Das älteste Schriftstück der Gemeinde Baar war am 1. August 2026 in einer Vitrine in der Rathus-Schüür ausgestellt. Mit diesem gesiegelten Vertrag bestätigte das Kloster Kappel am Albis den Baarern am 16. Mai 1526, dass sie nunmehr selbst ihren Pfarrer wählen könnten. Eine Freiheit, die nicht gratis war. Die Baarer mussten 3’300 Gulden aufwenden. 2’000 Gulden übergaben sie in bar, den Rest deckte ein Darlehen.
Das Moneymuseum in Bern schätzt, dass ein Handwerker zu Beginn des 16. Jahrhunderts pro Woche rund einen Gulden verdiente. Nach der Reformation hob Zürich auf seinem Gebiet Kirchen und Klöster auf. Dieser Beutezug ergab Gold und Silber im Wert von 14’000 Gulden.
Bei seinem Vortrag über die vorerwähnte Urkunde konnte der Baarer Historiker Stefan Doppmann als Kenner der Dorfgeschichte aus dem Vollen schöpfen. Er bewies, dass Geschichtsvorträge lebendig sein können, auch wenn sie faktenbasiert sind. Mit dem Loskauf vom Kloster, so Doppmann, habe Baar ein wiederholtes Ärgernis und eine stete Konfliktquelle aus der Welt geschafft. Die Messfeiern waren in dieser Zeit der Dreh- und Angelpunkt einer Gemeinschaft. Vor allem deshalb, weil, wie im Falle von Baar, verschiedene Weiler das Herrschaftsgebiet ausmachten. Die Worte des Pfarrers hatten Gewicht. Die Baarer konnten nun einen Gottesmann aus ihrem Umfeld bestimmen. Der Baarer Historiker betont: «Die Unterzeichnung des Vertrages hatte die Qualität eines Befreiungsschlages.»
Kaum so alt wie die Urkunde ist der Begriff «Alt Fry Baar». Ihn an einem genauen Datum festzumachen, ist jedoch nicht möglich. Einfacher liegt der Fall beim Baarer Wappen. Ein Aktenstück vom 19. November zeigt ein B auf einem Zugerwappen. Damit war Baar die erste Gemeinde im Kanton Zug mit einem eigenen Hoheitszeichen. Das heute verwendete Wappen mit Turm und Patriarchenkreuz ist eine Schöpfung des Baarer Grafikers Eugen Hotz aus dem Jahre 1942.
Für die Gegenwartsbetrachtung am Nationalfeiertag war der Baarer Bundesrat Martin Pfister zuständig. Er sprach im Festzelt hinter dem Schulhaus Marktgasse. Rund 1’000 Gäste hörten ihm aufmerksam zu. Er holte die Zuhörer mit einer Bemerkung ab: «Ich komme vom Alpenkurort Allenwinden zu ihnen.» Zudem liess Pfister die Anwesenden wissen, dass er bald 500 Tage im Amt sei. Diese runde Zahl erreicht er am 14. August 2026.
Eindringliche Worte des Baarer Bundesrats
Der Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) betonte dabei, dass der gewählte Lebensmittelpunkt keine Zahl ist. Er sei über die Woche in Bern und am Wochenende in Allenwinden. Alle würden aufs gleiche Land schauen, doch die sich daraus ergebenden Bilder änderten sich.
Der Allenwindner beschwor die Gemeinschaft, welche zusammenstehen müsse, wenn es nötig sei. Dieses Zusammengreifen, so der Bundesrat, beginne im Kleinen. Mahnend fügte er an: «Die Welt – auch wenn wir es gelegentlich glauben – schuldet uns nichts. Die Zukunft wird nicht einfach gut: Wir müssen sie gemeinsam gestalten. Dafür braucht es Menschen, die Verantwortung übernehmen.» Pfister erwähnte auch, wie wichtig das Ringen um gangbare Lösungen sei. Nervosität sei da fehl am Platz, sondern vielmehr «ein Zeichen einer lebendigen Debattenkultur». Angst machen ihm jedoch Länder, welche das Streiten aus ihrem politischen Vokabular gestrichen hätten. Martin Pfister betonte deshalb in seiner Rede: «Zwischen Resignation und Zweckoptimismus gibt es einen dritten Weg: die Tugend der politischen Zuversicht.»
Zu diesem Gefühl könnten alle etwas beitragen. Solidarität beginnt im Kleinen. Er führt Beispiele an, in denen dieser Schweizer Gemeinsinn bei der Musikgesellschaft Blatten (Wallis) gespielt habe. Durch den Bergsturz im Vorjahr hatten die Musizierenden fast alles verloren. Das Fehlende konnte dank grosser Solidarität im Land beigebracht werden. Die Musiker aus dem Wallis erreichten beim eidgenössischen Musikfest von Mitte Mai 2026 in Biel in ihrer Kategorie den 1. Platz.
Nach seiner eindringlichen Rede und dem Singen der Nationalhymne fand der Baarer Bundesrat noch Zeit für den einen oder anderen Schwatz im grossen Festzelt. Die Personenschützer liessen ihn gewähren.
Ein weiterer Höhepunkt des Baarer Jubiläumsjahres folgt am 21. Oktober 2026
Die Jubiläumsfestivitäten zum Loskauf Baars sind mit dem Nationalfeiertag aber nicht zu Ende. Einen letzten Höhepunkt gibt es im Herbst mit dem Theaterstück «Baar am Albis» (www.theaterbaar.ch). Das Stück «Baar am Albis» verbindet gemäss der Eigenwerbung des Vereins Theater Baar historische Brisanz mit aktuellem Witz. Das Stück hat der Schweizer Autor Domenico Blass verfasst. Regie führt Rolf Sommer.
Acht Aufführungen sind für den Herbst 2026 in der Aula Sternmatt geplant. Weltpremiere erlebt das Stück am 21. Oktober. Thomas Inglin, der Kirchenratspräsident der Katholischen Kirche Baar, forderte am Nationalfeiertag die Festbesucher auf, sich dieses Theaterstück unbedingt anzusehen. Baar «ist damals ein Dorf, wirklich ein Dorf» gewesen. Damit ist nun klar, wieso in Baar immer noch gesagt wird: «Ich gehe ins Dorf.»



