Die Schränzegg im Wandel der Zeit

  14.01.2026 Musik/Kultur

Die Schränzegg gilt als das pulsierende Herz der Baarer Fasnacht. Doch weniger aktive Fasnächtler, verändertes Konsumverhalten und Nachwuchsmangel zeigen, dass auch das Fasnachtsdorf nicht vom gesellschaftlichen Wandel verschont bleibt.

RAHEL HEGGLIN

Seit über zwei Jahrzehnten ist die Schränzegg ein fester Bestandteil der Baarer Fasnacht. Was 2002 als überschaubares Fasnachtsdorf mit wenigen Hütten begann, hat sich zu einem lebendigen Treffpunkt entwickelt. Während 86 Stunden, vom Fasi-Samstag bis zum Aschermittwoch, zieht die Schränzegg Tausende Besucherinnen und Besucher an. Für viele gilt sie als das Herzstück der Baarer Fasnacht, ein Dorf im Dorf, wo Musik spielt, Begegnungen stattfinden und eine ausgelassene Stimmung herrscht.

Herausforderungen an allen Ecken
Doch dieses Herzstück steht vor Herausforderungen. Die Zahl der aktiven Fasnächtler und auch der Besucher nimmt seit Jahren ab. «Gleichzeitig hat sich das Konsumationsverhalten verändert. Die Menschen leben gesundheitsbewusster, gehen sparsamer mit ihrem Geld um und nehmen sich an den Fasnachtstagen seltener frei», erklärt der Vizepräsident der Schränzegg, Adrian Rogger. Diese Entwicklung wirkt sich direkt auf die Einnahmen aus, die von Jahr zu Jahr schrumpfen.

Erschwerend kommt hinzu, dass es immer schwieriger wird, genügend Helferinnen und Helfer zu finden. Ob Organisation, Aufbau oder Barbetrieb, überall fehlt es an Nachwuchs. Das Durchschnittsalter der Helfenden schätzt Rogger auf über 40 Jahre. Junge Menschen für ein solches Engagement zu begeistern und Sponsoren für Vorhaben wie die Guggen-Challenge zu finden, sei eine Herausforderung. «Aber auch die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und weiteren Dienstleistern wird immer bürokratischer und aufwendiger», erklärt der Vizepräsident.

Abgänge und Neuanfänge
Innerhalb der vergangenen 1,5 Jahre musste sich die Schränzegg von drei langjährigen Vereinen verabschieden, darunter die FahrBaarBar, die Partystarter und die Las Möränos Schluckstube. Der Abschied fiel schwer, denn alle haben die Schränzegg über Jahre mit viel Herzblut geprägt. Glücklicherweise konnten für die kommende Fasnacht zwei neue Vereine gewonnen werden. «Die Alphüttler übernehmen den Platz der FahrBaarBar, die Chicago Bar bewirtschaftet neu die mittlere Hütte. Für die Schluckstube haben wir bisher noch keinen Ersatz gefunden», so Rogger. An der letzten Fasnacht sprang als Notlösung der Verein Don Camillos ein und bewirtschaftete zwei Schränzegg Hütten.

Gesellschaftlicher Wandel und Vermarktung
Sorgen um die Schränzegg muss man sich gemäss Rogger heute und morgen nicht machen. «In den Anfangsjahren hat die Schränzegg mit deutlich weniger Bars funktioniert, trotz mehr Publikum.» Entscheidend sei, die gesellschaftlichen Veränderungen ernst zu nehmen und das Angebot laufend zu überprüfen.

Zudem werden weiterhin Guggenmusiken und Formationen gesucht, die auf der Bühne auftreten möchten. «Da wir keine klassische Gugge sind, ist es schwieriger, Formationen ohne Gegenauftritt oder Übernachtungsmöglichkeit zu gewinnen», erklärt Rogger. Er wünscht sich eine stärkere, auch kantonsübergreifende Vermarktung. «Die Baarer Fasnacht bietet enorm viel und dies sollte auch nach aussen beworben werden. Da vermissen wir manchmal ein wenig den Lead der Fasnachtsgesellschaft Baar als oberstes Organ.»

Neue Bürger willkommen
Aktuell sind sieben Vereine der Schränzegg angeschlossen. Am Grundkonzept soll vorerst festgehalten werden, kleinere Anpassungen bei den Öffnungszeiten einzelner Bars seien aufgrund mangelnder Helfer aber unumgänglich.

Auch die Bürgerschaft spielt eine wichtige Rolle. Rund 200 Personen sind offiziell Schränzegg-Bürgerinnen und -Bürger, doch nur etwa ein Viertel bezahlt die jährliche Bürgerschaftssteuer regelmässig. Neue Bürgerinnen und Bürger sind jederzeit willkommen, um die Zukunft der Schränzegg mitzutragen. Um es in den Worten des Vizepräsidenten zu sagen: «Unzählige Geschichten, unvergessliche Momente und schöne Begegnungen machen die Schränzegg alle Jahre wieder zu einem einzigartigen Ort.»

Für 2027 plant der Verein wieder einen Guggen-Event am Fasi-Montag und feiert gleichzeitig das 25-Jahr-Jubiläum der Schränzegg.


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