Die Schulbauprojekte sind auf Kurs
12.02.2025 WirtschaftGleich zwei grosse Schulbauprojekte laufen in Baar parallel. Bei der zweiten Etappe im Sternmatt 1 werden denkmalgeschützte Gebäude saniert und erweitert. Im Wiesental erfordern die bauphysischen Gegebenheiten eine Meisterleistung.
RAHEL HEGGLIN
«Beim Neubau der Schule Wiesental handelt es sich um eines der grössten Holzfachwerke, das in der Schweiz je realisiert wurde», erklärt Bauvorstand Zari Dzaferi. Der Komplex ist rund hundert Meter lang, 38 Meter breit und umfasst zwei Untergeschosse sowie drei oberirdische Stockwerke. Für die Ausführung der Holzkonstruktion haben sich zwei grosse Zentralschweizer Zimmereien zusammengeschlossen. Die Holzbalken wurden in Lungern an einer riesigen Werkbank gefertigt, dann in Einzelteilen nach Baar geliefert und hier vor Ort zusammengebaut.
Komplexe Bauweise
Nebst diesem beeindruckenden Aspekt sticht auch die anspruchsvolle Konstruktion ins Auge. In den beiden unteren Etagen ist eine Dreifachturnhalle, darüber erstrecken sich auf der ganzen Länge die Schulzimmer auf zwei Etagen. Eine Meisterleistung, wie Pascal Ming, Leiter Hochbau angibt: «Der ganze Bau ist als Fachwerkkonstruktion ausgeführt. Diese Bauweise gleicht einer Brücke, die sich nur auf ihren seitlichen Auflagern abstützt.»
Eine weitere Herausforderung stellte der Baugrund dar, der sich im Grundwassergebiet befindet. Dabei musste nicht nur ein einzelner, sondern gleich zwei Grundwasserspiegel berücksichtigt werden. Es galt mit Pfählen sicherzustellen, dass weder das Grundwasser verschmutzt noch der natürliche Wasserfluss gestört wird. Der Neubau ist nachhaltig und nutzt ausschliesslich erneuerbare Energien. Eine Solaranlage auf dem Dach liefert Strom, während eine Wärmepumpe für das richtige Klima sorgt. Im Sommer wird die Luft durch Grundwasserkühlung temperiert, im Winter dient die Anlage zum Heizen.
Bezug im Sommer
Im obersten Geschoss entstehen zwanzig Klassenzimmer, wobei sich jeweils zwei einen Gruppenraum teilen. «Zudem sind immer vier Schulzimmer mit je zwei Gruppenräumen zu einer eigenen Einheit zusammengefasst. Die vier Klassenzimmer sind über einen mittig platzierten offenen Raum, eine Lerninsel, miteinander verbunden. Oberlichter sorgen für eine natürliche Belichtung. Die Fachzimmer für handwerkliches Gestalten, Textiles Werken oder Hauswirtschaft finden sich im Geschoss darunter mit kurzen Wegen für alle Schülerinnen und Schüler, erklärt Ming.
Der Neubau ersetzt das bisherige Schulhaus aus den 70er Jahren, das im Laufe der Zeit wegen des Baugrunds allmählich abgesunken ist. Nach den Sommerferien dürfen die Schülerinnen und Schüler die modernen Räumlichkeiten erstmals nutzen. «Der Zeitplan ist sportlich, aber kann erfüllt werden», so Bauvorstand Zari Dzaferi. Nach dem Umzug wird das alte Schulhaus Wiesental abgerissen. An seiner Stelle entstehen eine Aula, ein Gebäude für schulergänzende Betreuung sowie ein Schulgebäude für die Unterstufe und den Kindergarten.
Sternmatt 1
Der zweite grosse Schulhausbau erfolgt derweil im Sternmatt. Nach der Fertigstellung der ersten Etappe geht es nun um die Sanierung und Erweiterung der bestehenden Schulgebäude aus dem Jahr 1957. Zwei der drei Gebäude stehen unter Denkmalschutz und dürfen nicht abgerissen werden. «Der Architekturwettbewerb zeigte, dass es günstiger kommt, wenn auch das dritte Gebäude, welches früher eine Turnhalle war, umgenutzt und nicht neu gebaut wird», erläutert Dzaferi. Dieses Gebäude wird durch einen Anbau erweitert und dient künftig der schulergänzenden Betreuung.
Die beiden unter Denkmalschutz stehenden Gebäude werden gemäss der heutigen Anforderungen erneuert und erweitert. «Früher musste ein Schulzimmer 57 Quadratmeter gross sein. Heute sind es 80 Quadratmeter. Zudem teilen sich auch hier je zwei Schulzimmer einen Gruppenraum», erklärt Ming. Künftig wird die komplette Schulanlage 21, und nicht wie bis anhin neun Schulzimmer beinhalten. Das dritte Gebäude hat Schulräume für das handwerkliche Gestalten und den Hauswirtschaftsunterricht sowie eine Wohnung für den Hauswart.
Zeitzeuge der 50er Jahre
Die denkmalgeschützten Gebäude sollen nach der Sanierung optisch möglichst ihrem Ursprungsbau gleichen. Eine Herausforderung dabei waren unter anderem die Fenster. Ursprünglich hatten sie sehr dünne Profile. In den 90er Jahren hatte man das Schulhaus schon einmal saniert. Dabei kamen breitere Fensterrahmen zum Einsatz. «Unser Ziel war es, wieder die ursprünglichen, schlanken Profile zu verwenden, jedoch unter Berücksichtigung moderner energetischer Standards wie Wärmedämmung und Schallschutz», erklärt der Dienststellenleiter. Auch die filigranen Stützenprofile sind charakteristisch für die Architektur der 1950er Jahre und bleiben im Rahmen der Sanierung erhalten. «Diese Schulräume haben viele Generationen erlebt. Sie sind ein Bau von Hafner Wiederkehr. Diese Architekten bauten im Kanton Zug viele Schulhäuser, die wichtige Zeitzeugen aus den 50er bis 70er Jahren sind», erklärt Ming.
Eröffnung 2026
Für das Gesamtprojekt hat der Souverän 53 Millionen gesprochen. Ein Teil der Mehrkosten für die Sanierung der denkmalgeschützten Gebäude wird vom Kanton übernommen, ein weiterer von der Gemeinde. «Das macht in diesem Fall nicht so einen grossen Unterschied, da die Gemeinde der Bauherr ist», sagt Dzaferi. Die Eröffnung des neuen Schulkomplexes ist für Sommer 2026 geplant.