Die Vergangenheit holt den neuen Räbevater ein

  12.02.2025 Musik/Kultur

Fasnacht Die Baarer Räbefasnacht kann beginnen. Seit Samstag führt Roman I. Müller das Zepter. Die Huldigungen brachten für ihn und seinen Hofstaat zahlreiche Überraschungen.

MARCO MOROSOLI

Jede Monarchie hat für den Machtwechsel ein den Traditionen folgendes Protokoll. Die Baarer Räbefasnacht macht hier keine Ausnahme. Wobei sich die Beteiligten das Recht herausnehmen, die eine oder andere Abmachung nach eigenem Gutdünken zu interpretieren.

Wichtig ist, dass es dem versammelten Volk im Baarer Gemeindesaal gefällt. Oberste Triebfeder für alles Tun auf der Bühne ist die Erzeugung von Frohsinn und immerwährender Aufmerksamkeit. Dies zeigte sich darin, wie das Räbevolk das Räbedibum intonierte. In dieser Gesellschaft sangen alle, dies im Gegensatz zu kirchlichen Darbietungen, sehr laut mit.

Es waren alle Plätze im Gemeindesaal besetzt. Der Kommunikationsverantwortliche der Fasnachtsgesellschaft Baar, Silvan Meier schätzte, dass rund 300 Personen zur Inthronisation gekommen waren. Neben geladenen Gästen von anderen Fasnachtsvereinen können auch andere Fasnachtsbegeisterte am Anlass teilnehmen.

Stehvermögen ist von allen Beteiligten gefordert
Nach fünf der 18 Huldigungen stellte jemand schon eine Verspätung von 20 Minuten fest. Dem neuen Räbevater dürfte dies keine Sorgenfalten ins Gesicht gezaubert haben. Wie aus mehreren Voten hervorging, ist Roman I. einer, der zum Kreis derjenigen gehört, die bis zum Lichterlöschen durchhalten.

Dieses Stehvermögen hat sich der Baarer auch im Kreise der Guggenmusig Tartarugas antrainiert. Bei der legendären Guggenmusig, gegründet in den späten 1980er Jahren, war der neue Baarer Räbevater einer der Geburtshelfer. Die «Eidechsen» kamen – wie es sich gehört – mit Instrumenten auf die Bühne im Gemeindesaal. Letztere musste beinahe wegen Dichtestress geräumt werden.

Erstaunlich war, dass die Tartarugas so sicher spielten, als hätten sie kürzlich eine Intensiv-Übungswoche eingelegt. Dem war jedoch nicht so. Wie die Baarer Zytig von einer Gewährsfrau erfuhr, hat «ein Übungsabend gereicht». So gesehen ist die Kult-Gugge – verstärkt durch die Formation «Kultpur» – für die Fasnacht 2025 voll bereit.

Seine musikalischen Fähigkeiten hat der am vergangenen Samstag mit allen Hilfsmitteln der Macht versehene Räbevater während seiner Inthronisation unter Beweis gestellt. Als der Schwingklub Zug-Umgebung ihm huldigte, hatte dessen Vertreter nur einen Wunsch: Ein Musikstück auf einem Alphorn zu intonieren. Sein Alphorn-Solo liess sich hören. Auch Singen ist sein Ding. Einer fügte dann noch an: «Auf der Baustelle hat er Lieder beim Radiohören mitgesungen.» Eine solche Darbietung würde den einen oder anderen Fasnächtler sicher erfreuen. Die närrischen Tage kommen ja erst noch.

Den White-Indians, einem Unihockey-Club aus Inwil, diente er schon in den verschiedensten Chargen. Als Spieler sei er ein Wadenbeisser gewesen. Einer meinte deshalb: «Er ist engagiert, wie kaum ein anderer.» Eine Feststellung, die kaum in einem Huldigungsvortrag fehlte. Roman hier, Roman dort, Roman überall. Dies gilt vor allem, wenn er «unter Strom» ist. Und das ist – nicht überraschend – sein Markenzeichen. Berufshalber, denn Roman I. Müller ist Elektro-Unternehmer und sagt von sich selber, dass «er ein fasnächtliches Pflichtbewusstsein» hat. Mehr noch, so der aktuelle Räbevater, «als Elektriker weiss ich, wie der Funke springt».

Die Partei «Die Mitte» ist in aller Munde
Was Fasnächtler auszeichnet: Sie sind pfeilschnell, wenn sie die Aktualität einholt. Frei nach dem Motto: «Bei uns erleben Sie was.» Angesprochen war bei der Inthronisation die Mitte-Partei. Ein Baarer – äh Allenwindner – verfolgt seit ein paar Tagen eine Mission. Sein Name: Martin Pfister. Sein Ziel: «Bundesrat werden.»

Auf einer Mission mit einer viel grösseren Wirkungsmacht ist gegenwärtig auch der aktuelle US-Präsident Donald Trump. Sein Leitsatz lautet: «Make America Great Again.» Der Sprecher bei der Darbietung der Partei «Die Mitte» war der Baarer Gemeindepräsident Walter Lipp. Er war gut verkleidet, aber seine Stimme verriet ihn. Was der Mann ennet dem Atlantik macht, weiss der Mann von der «Mitte» für seine Zwecke zu nutzen: Jetzt heisst es einfach: «Mach Baar wieder gross.» Ob daraus vielleicht einmal das Bekenntnis fliesst, dass Baar eine Stadt ist?

Die Huldigungen an der Inthronisation dauerten bis weit in den Sonntag hinein. Dazu passend das Fasnachtsmotto von Roman I. Müller: «Mit Pfus dur d’Räbefasnacht.» Die Baarer und Baarerinnen sind für die närrischen Tage gerüstet.


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